Co-Preisträger Friedensnobelpreis

Aichas Geschichte: Hoffnung auf Rückkehr

Aicha, 22 Jahre alt aus Syrien, lebt in einem halb fertig gebauten Haus in einem informellen Flüchtlingscamp, von denen es im Libanon viele gibt. Während wir sie interviewen, hält sie ihr kleines Kind in den Armen. Ihre zwei Brüder und eine Schwester sitzen dicht neben ihr.

Aicha aus Syrien mit ihrem kleinen Kind auf den Armen

Die junge Mutter Aicha aus Syrien lebt mit ihrer Familie in einem informellen Flüchtlingscamp im Libanon. | © Benoit Almeras / Handicap International

Ich wurde 1985 in einer ländlichen Gegend von Aleppo geboren. Bevor der Krieg losging, lebten waren wir zufrieden mit unserem Leben. Wir brauchten zwei Jahre, bis wir im Libanon ankamen. Soweit ich mich erinnere, lebten wir in der Zwischenzeit in fünf verschiedenen Städten.

Von einer Stadt in die nächste

Als die Bombardierungen und Kämpfe begannen, flohen wir. Wir wollten einfach nur überleben. So begannen wir, von einem Ort zum nächsten zu ziehen.

Mein Bruder, der jetzt 28 Jahre alt ist, wurde von einer Bombe verletzt. Sie fiel genau vor ihm zu Boden. Sein Rückenmark wurde von Granatsplittern durchbohrt. Er ist seitdem von der Hüfte abwärts gelähmt. Auch sein linker Arm ist gelähmt. In Syrien sagten sie uns, dass er operiert werden müsse. Seit seiner Verletzung war es zwar schwieriger geworden, weiterzugehen. Dennoch zogen wir immer weiter, um eine Behandlung für meinen Bruder zu finden. Als wir davon hörten, dass viele Menschen in den Libanon gingen, taten wir das auch. Es fühlte sich an, als wäre wirklich das ganze Land auf der Flucht. Wir reisten als Gruppe. Wir waren vier oder fünf Familien zusammen, insgesamt vielleicht 30 bis 40 Leute. Als wir unser Haus verließen, waren wir alle beisammen: unsere Mutter, unser Vater und die weitere Verwandtschaft. Dann wurden wir nach und nach voneinander getrennt.

Stete Hoffnung auf Rückkehr

Als Familie zusammenzubleiben war uns das wichtigste. Wenn wir an einem neuen Ort ankamen, suchten wir immer nach einem Unterschlupf, der genug Platz für uns alle bot. Manchmal fanden wir ein leeres Haus und blieben einfach dort. Manchmal gesellten wir uns zu Leuten, die vor uns angekommen waren, wenn sie noch etwas Platz machen konnten. An anderen Orten stellten uns Hausbesitzer einen Raum in ihrem Haus zur Verfügung, den wir uns teilen konnten. So konnten wir immer etwa zwei Wochen, manchmal sogar einen ganzen Monat bleiben.

Immer wenn die Bombenangriffe begannen und es Zeit war zu fliehen, spielte sich dasselbe Szenario ab. Ein Familienangehöriger wurde beauftragt, ein Fahrzeug zu finden – oftmals einen Lastwagen –, in das wir alle hineinpassten. Seit unser Bruder verletzt war, mussten wir ihn meistens tragen. Als wir unser eigenes Haus verließen, dachten wir, dass wir wieder zurückkehren würden, sobald sich die Lage etwas beruhigt hätte. Von da an dachten wir das immer, wenn wir einen Ort verließen. Doch dazu kam es nie.

Viele Kinder überlebten es nicht

Ich sah viele Menschen sterben. Einige starben in ihren Häusern, als sie bombardiert wurden. Viele andere starben unterwegs, nachdem sie geflohen waren. Ich sah viele Menschen, die durch Bombardierungen starben. Ich sah Leute, die durch Krankheiten starben, die sich sie unterwegs zugezogen hatten, da es keine Medikamente gab. Ich sah Menschen, die vor Hunger starben, weil es nicht genug Nahrungsmittel gab. Viele Male konnten wir den ganzen Tag überhaupt nichts zu essen finden und gingen hungrig zu Bett. Manche Kinder überlebten das nicht.

Wenn wir kein Brot kaufen konnten, versuchten wir, welches zu backen. Mehl zu bekommen war schwierig, da wir kein Geld hatten und hauptsächlich auf die Verteilung von Bulgur oder Bulgurmehl angewiesen waren. Diese fand an den meisten Orten einmal im Monat statt. Wir verwendeten alles, was wir finden konnten, und mischten es mit Wasser. Es war nicht viel, aber es stoppte den Hunger. Gemüse war sogar noch schwieriger zu bekommen. An manchen Orten gab es einfach keins. An anderen Orten wiederum war es zu gefährlich, auf die Felder zu gehen – wegen der Landminen, die dort lauerten.

Zusammen und in Sicherheit

Jetzt im Libanon sind wir wieder zusammen und in Sicherheit. Wir sind sehr dankbar für dieses Geschenk. Ich wünschte mir immer noch, dass wir nach Syrien zurückkehren könnten. In das Syrien, wie es früher war. Der Libanon ist nicht unser Land. Wir können hier nicht einmal arbeiten. Wir haben Angst, dass jemand kommen und uns festnehmen könnte. Die meisten sind illegal hier. Wir werden nicht wie menschliche Wesen behandelt. Vielmehr wie Tiere.

Jede Stimme zählt! Helfen Sie uns bei unserem Engagement gegen die Bombardierung der Zivilbevölkerung und unterzeichnen Sie unsere Petition STOP! Bombing Civilians!

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