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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

ComIn – Hilfe für Flüchtlinge und Migrant/-innen mit Behinderung in München

Im Jahr 2003 haben wir das Projekt ComIn in München eröffnet. In den Büroräumen des Projekts oder auch bei Besuchen in Unterkünften und Wohnungen unterstützen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende täglich Migrant/-innen und Flüchtlinge mit Behinderung dabei, die engen Grenzen ihres Alltags zu erweitern. Bei unserem Einsatz für diese Menschen unterscheiden wir nicht zwischen Geflüchteten und Migrant/-innen.

Zwei Männer sitzen an einem Tisch. Der Mann auf der rechten Seite hat eine Sehbehinderung und liest in einem Buch mit Brailleschrift. Der andere Mann hört ihm zu.

Ein Kursteilnehmer mit Sehbehinderung liest aus einem Buch mit Braille-Schrift. | © Erwin Fleischmann / Handicap International

Projektkontext und Bedürfnisse

Im Jahr 2015 erreichten circa 1,5 Millionen Flüchtlinge Europa, etwa 1 Million Menschen kamen nach Deutschland, viele von ihnen nach München. Eine außergewöhnliche Herausforderung für Behörden und freiwillige Helferinnen und Helfer gleichermaßen. Unter den vielen Schutzsuchenden befinden sich auch Flüchtlinge mit chronischen Krankheiten oder Behinderung. Diese sind oftmals angeboren oder aber die Folge von Verletzungen in Kriegs- und Krisengebieten. Diese Tatsache findet bisher sehr wenig/ viel zu wenig Beachtung. Aktuell gibt es auch keine genauen Daten über den Prozentsatz an Flüchtlingen mit Behinderung. Aus einer Studie aus dem Jahr 2015 über Langzeitfolgen von Verletzungen durch explosive Waffen gingen jedoch folgende Werte hervor:

  • 15% der Opfer von explosiven Waffen erlitten eine Amputation
  • 10% der befragten Menschen litten an peripheren Nervenschädigungen
  • 5% der Opfer litten unter Verwundungen des Rückenmarks
  • Insgesamt hatten 89% der erfassten Opfer von explosiven Waffen eine bleibende oder vorübergehende Beeinträchtigung.

Da diese Stichprobe nur die durch Verletzung bedingten Beeinträchtigungen umfasst, gehen wir von einer nicht zu unterschätzenden Zahl von geflüchteten Menschen mit Behinderung aus.

Hier möchte Handicap International ansetzen. Die Angebote der Beratungsstelle ComIn sind sehr nachgefragt und tragen im Münchner Raum und teilweise auch in der Region darüber hinaus wesentlich zur Integration von Geflüchteten mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen bei. 

Trotz der erfolgreichen Unterstützung durch Projekte wie ComIn, sehen sich speziell Flüchtlinge mit Behinderung auch in Deutschland vielen vermeidbaren Hindernissen gegenüber.

Kritisiert wird unter anderem die Ende 2015 verabschiedete Verschärfung des Asylrechts (AsylbLG), das eine Abschiebung trotz Behinderung oder chronischer Erkrankung, wenn diese schon im Herkunftsland bestand, rechtlich ermöglicht. Ebenso ist die medizinische Versorgung nur im Notfall zulässig. Viele Menschen mit Behinderung sind jedoch auf eine regelmäßige medizinische Versorgung oder spezielle Behandlungen wie regelmäßige Physiotherapien angewiesen, auch wenn sie nicht als Notfall eingestuft werden.

Elementar für ein selbstbestimmtes Leben ist außerdem ein geregeltes Arbeitsverhältnis. Alle Flüchtlinge, auch Flüchtlinge mit Behinderung werden jedoch erst nach vier Jahren durch die Bundesagentur für Arbeit gefördert.

Was tut ComIn?

Basierend auf den seit Langem bestehenden weltweiten Aktivitäten von Handicap International fördert das Projekt ComIn die Einbindung von Migrant/-innen und Flüchtlingen mit Behinderung in München.

Unsere Angebote sind:

  • PC-Kurse für Flüchtlinge mit und ohne Behinderung
  • Deutschübungen für Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen
  • Arbeiten am Computer mit angepassten Hilfsmitteln
  • Braille-Kurse (Blindenschrift)
  • Einführung in die EDV-Nutzung der Braille-Schrift für blinde oder sehbehinderte Menschen
  • Mobilitätsschulungen für Rollstuhlfahrer/-innen, Blinde und Sehbeeinträchtigte, Barriere-Checks
  • Suche von Freiwilligen für Einzelfallhilfe (Integration, Mobilität)
  • Stärkung junger/älterer Migrant/-innen mit Behinderung (z.B. Selbstverteidigungskurse)
  • Entlastung der Familienangehörigen durch die Kooperation mit Organisationen
  • Projekte von Teilnehmenden wie Musikkurse, Unterstützung anderer Menschen mit Behinderung im Heimatland

Viele der Betroffenen kommen regelmäßig oder für eine bestimmte Zeit in unsere Projekträume in München. Im Idealfall werden sie so lange unterstützt, bis sie mobil und selbstständig eigene Ziele in die Hand nehmen können. Ermöglicht wird dies durch unsere Ehrenamtliche mit und ohne Migrationshintergrund.

Jonathan Bakare aus Nigeria hatte bereits ein technisches Training unterlaufen, als er durch einen schweren Unfall chronische Lähmungen davontrug. Der junge Mann bekam zuhause nicht die Unterstützung, die er benötigte und entschloss sich deshalb nach Deutschland zu fliehen. Nach einigen Jahren der medizinischen Behandlung kam er zu ComIn und nahm dort an einem IT-Training teil. Als gelernter Experte war er nun im Stande selber IT-Kurse für andere Flüchtlinge mit Behinderung bei ComIn zu geben. Heute hat Jonathan einen guten Job bei einem Münchner IT Unternehmen, für den er sich durch seine Erfahrung und die Empfehlung von ComIn erfolgreich bewerben konnte.

Ehrenamt als Chance für alle Beteiligten

Abseits des offiziellen Projekts zeigte sich im Laufe der Jahre zunehmend die ausgeprägte Eigeninitiative der Teilnehmenden.

Mahmood aus dem Irak arbeitete in seiner Heimatstadt Bagdad als Journalist und wurde dort während Kampfhandlungen schwer verletzt. Seitdem lebt er mit chronischen Schmerzen. Nach einer traumatischen Flucht durch den Iran und die Türkei erreichte er mit seiner Familie München. Im Projekt ComIn von Handicap International, fand Mahmood persönliche Unterstützung und hatte die Chance Deutsch zu lernen. Dem gut ausgebildeten Mann verhalfen dieser Kurs und sein paralleles, freiwilliges Engagement für andere Flüchtlinge zu einem Job als Übersetzer für Migrant/-innen aus Afghanistan und dem Irak.

Unsere Forderungen   

Neben unserer täglichen Arbeit ist es ComIn ein sehr wichtiges Anliegen, die politischen Rahmenbedingungen zu ändern und für eine konsequente Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung einzustehen. Darüber hinaus möchten wir den Blick der Öffentlichkeit auf die schwierigen Zustände in den Flüchtlingsunterkünften und die erschwerten Lebensbedingungen für Flüchtlinge mit Behinderung lenken. Nicht nur die Ausstattung und Versorgung in den Flüchtlingsunterkünften, auch die Einbindung in Ausbildungsprogramme und staatlich geförderten Deutschunterricht muss so schnell wie möglich mit Rücksicht auf Menschen mit Behinderung angepasst werden. ComIn versucht in diesen Fragen durch kontinuierliche Kampagnenarbeit Verbesserungen zu erzielen.

Ehrenamtlich engagieren für Flüchtlinge mit Behinderung in München

ComIn sucht aktuell ehrenamtliche Mitarbeitende, die Flüchtlinge am Vormittag zum Deutschkurs begleiten oder die nachmittags Computerkurse anbieten können. Bitte kontaktieren Sie Ricarda Wank (s.o.)

Mehr über ehrenamtliches Engagement bei Handicap International und Kontaktinfos.

Haben Sie noch weitere Fragen?

Ricarda Wank steht Ihnen gerne zur Verfügung.

Projekt ComIn
Landsberger Str. 428
81241 München

Tel.: 089 / 54 76 06 15
Fax: 089 / 54 76 06 20

E-Mail:
r.wank(at)hi.org

Aktuelle Veranstatungen

Körperarbeit und Tanz mit Bea Carolina Remark

Datum: 29. September 2018, 10-17 Uhr
Weitere Infos und das Anmeldeformular finden Sie hier.

Das Projekt ComIn wurde 2006 mit dem Preis Münchner Lichtblicke“ ausgezeichnet.

Das Projekt ComIn wird gefördert von:

Logo der BNP Paribas Stiftung

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Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ