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ComIn – Hilfe für Geflüchtete

ComIn – Hilfe für Geflüchtete und Migrant*innen mit Behinderung in München

ACHTUNG Änderungen durch Corona-Krise: Für Beratungstermine wenden Sie sich bitte per E-Mail an Ricarda Wank: r.wank@hi.org. Kurse wie Sprachkurse oder Computerkurse (Word, Excel etc.) für Geflüchtete finden überwiegend virtuell statt. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen ebenfalls an Ricarda Wank. Menschen, die Arabisch, Persisch oder Kurdisch sprechen, können sich auch direkt an unseren Migrationsberater Yacub Rasul wenden: y.mohamed-rasul@hi.org.

ComIn fördert die Integration von Geflüchteten und Migrant*innen mit Behinderung und chronischen Krankheiten in München. Die Mitarbeiter*innen beraten per Telefon, in den Büroräumen oder z.T. bei Besuchen in Unterkünften und Wohnungen zu behinderungsspezifischen Themen wie auch Migrationsthemen. Darüber hinaus bietet ComIn verschiedene Computerkurse für Geflüchtete und Migrant*innen sowie Deutschkurse für Menschen mit Einschränkungen an. ComIn ist ein Projekt der gemeinnützigen Organisation Handicap International e.V. und wird von der Stadt München sowie durch Spenden finanziert.

Zu sehen ist Ricarda Wank, die sich in einem Beratungsgespräch mit einem Mann befindet.

Ricarda Wank in einem Beratungsgespräch | © HI

Projektkontext und Bedürfnisse

Im Jahr 2015 erreichten circa 1,5 Millionen Geflüchtete Europa, etwa 1 Million Menschen kamen nach Deutschland, viele von ihnen nach München. Eine außergewöhnliche Herausforderung für Behörden und freiwillige Helfer*innen gleichermaßen. Unter den vielen Schutzsuchenden befinden sich auch Geflüchtete mit chronischen Krankheiten oder Behinderung. Diese sind angeboren, erworben im Heimatland oder in Deutschland, bzw. die Folge von Verletzungen in Kriegs- und Krisengebieten. Diese Tatsache findet bisher viel zu wenig Beachtung. Eine Studie von Handicap International bzw. HelpAge aus dem Jahr 2015 in Lagern für Geflüchtete in Syrien hatte folgende Ergebnisse unter Geflüchteten mit Behinderung gebracht:

  • 15% der Opfer von explosiven Waffen erlitten eine Amputation
  • 10% der befragten Menschen litten an peripheren Nervenschädigungen
  • 5% der Opfer litten unter Verwundungen des Rückenmarks
  • Insgesamt hatten 89% der erfassten Opfer von explosiven Waffen eine bleibende oder vorübergehende Beeinträchtigung.

Da diese Stichprobe nur die durch Verletzung bedingten Beeinträchtigungen umfasst, gehen wir von einer nicht zu unterschätzenden Zahl von geflüchteten Menschen mit Behinderung aus.

Hier möchte Handicap International ansetzen. Die Angebote der Beratungsstelle ComIn sind sehr nachgefragt und tragen im Münchner Raum und teilweise auch in der Region darüber hinaus wesentlich zur Integration von Geflüchteten mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen bei. ComIn wurde von der Luise-Kiesselbach-Stiftung mit dem Preis für Inklusion 2020 ausgezeichnet.

Trotz der erfolgreichen Unterstützung durch Projekte wie ComIn, sehen sich speziell Geflüchtete mit Behinderung auch in Deutschland vielen vermeidbaren Hindernissen gegenüber.

Kritisiert wird unter anderem die Ende 2015 verabschiedete Verschärfung des Asylrechts (AsylbLG), das eine Abschiebung trotz Behinderung oder chronischer Erkrankung, wenn diese schon im Herkunftsland bestand, rechtlich ermöglicht. Ebenso ist die medizinische Versorgung nur im Notfall zulässig. Viele Menschen mit Behinderung sind jedoch auf eine regelmäßige medizinische Versorgung oder spezielle Behandlungen wie regelmäßige Physiotherapien angewiesen, auch wenn sie nicht als Notfall eingestuft werden.

Elementar für ein selbstbestimmtes Leben ist außerdem ein geregeltes Arbeitsverhältnis. Alle Geflüchtete, auch Geflüchtete mit Behinderung, werden jedoch erst nach vier Jahren durch die Bundesagentur für Arbeit gefördert.

Was tut ComIn?

Basierend auf den seit Langem bestehenden weltweiten Aktivitäten von Handicap International fördert das Projekt ComIn die Einbindung von Migrant*innen und Geflüchteten mit Behinderung in München.

Unsere Angebote sind:

  • PC-Kurse (Excel, PowerPoint, HTML) für Geflüchtete mit und ohne Behinderung (v.a. junge Geflüchtete zwischen 16 und 25 Jahren).
  • Word-Kurse für Frauen.
  • Deutschkurse für Geflüchtete mit Einschränkungen oder Behinderungen.
  • Sensibilisierungsangebote für Schulklassen und Auszubildende, etc. zum Bereich Diversität, Behinderung - seit 2001.
  • Beratungen zu behinderungsspezifischen Themen wie auch Migrationsthemen für Migrant*innen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung sowie für Multiplikator*innen sowie Angehörige, Sozialarbeiter*innen und Betreuer*innen.
  • Vereinzelte Beratungs-Anfragen auch bundesweit.
  • Teilnahme in diversen Arbeitskreisen der Stadt München sowie in den beiden Aktionsplänen zu Inklusion bzw. Gesamtintegrationsplan, daneben aber auch in anderen Gremien oder bei Veranstaltungen. Ziel: strukturelle sowie politische Veränderungen.
  • Im Januar 2007 erhielt ComIn die Auszeichnung „Münchner Lichtblicke“. Der Verein „Die Lichterkette“ verlieh zusammen mit dem Münchner Ausländerbeirat und Oberbürgermeister Christian Ude dem Projekt den Preis.
  • Im November 2018 wurde ComIn als eines von sechs Good-Practice-Beispielen nach Köln eingeladen zum Bereich Migration/ Interkulturelle Ansätze.
  • ComIn wird derzeit finanziell unterstützt von der Stadt München, dem SZ-Adventskalender und der Stadtsparkassenstiftung sowie dem Integrationsamt (der Stadt München).
  • Weitere Finanzierungen sind erforderlich, um die Beratungstätigkeiten aufrecht erhalten, bzw. weiter ausbauen zu können.

Viele der Betroffenen kommen regelmäßig oder für eine bestimmte Zeit in unsere Projekträume in München. Im Idealfall werden sie so lange unterstützt, bis sie mobil und selbstständig eigene Ziele in die Hand nehmen können. Ermöglicht wird dies durch unsere Ehrenamtlichen mit und ohne Migrationshintergrund.

Lesen Sie hier die inspirierende Geschichte von Samuel Jerry Ubi aus Nigeria, der vor 11 Jahren sein Heimatland verließ und heute IT-Experte in Deutschland ist. Unserem Projekt ComIn für Geflüchtete und Migrant*innen mit Behinderung hat er viel zu verdanken.

Unsere Forderungen   

Neben unserer täglichen Arbeit ist es ComIn ein sehr wichtiges Anliegen, die politischen Rahmenbedingungen zu ändern und für eine konsequente Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung einzustehen. Darüber hinaus möchten wir den Blick der Öffentlichkeit auf die schwierigen Zustände in den Unterkünften für Geflüchtete und die erschwerten Lebensbedingungen für Geflüchtete mit Behinderung lenken. Nicht nur die Ausstattung und Versorgung in den Unterkünften, auch die Einbindung in Ausbildungsprogramme und staatlich geförderten Deutschunterricht muss so schnell wie möglich mit Rücksicht auf Menschen mit Behinderung angepasst werden. ComIn versucht in diesen Fragen durch kontinuierliche Kampagnenarbeit Verbesserungen zu erzielen.

Ehrenamtlich engagieren für Geflüchtete mit Behinderung in München

ComIn sucht aktuell ehrenamtliche Mitarbeitende, die Geflüchtete am Vormittag zum Deutschkurs begleiten oder die nachmittags Computerkurse anbieten können. Bitte kontaktieren Sie Ricarda Wank (s.o.)

Mehr über ehrenamtliches Engagement bei Handicap International und Kontaktinfos.

Haben Sie noch weitere Fragen?

Ricarda Wank steht Ihnen gerne zur Verfügung.

Projekt ComIn
Landsberger Str. 428
81241 München

Tel.: 089 / 54 76 06 15
Fax: 089 / 54 76 06 20

E-Mail:
r.wank(at)hi.org

Das Projekt ComIn wurde 2006 mit dem Preis Münchner Lichtblicke“ ausgezeichnet.

Das Projekt ComIn wird gefördert von:

Logo des Sozialreferats der Landeshauptstadt München

Logo der BNP Paribas Stiftung

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