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Palästina

Die Menschen in Gaza leben noch immer unter der Bedrohung der explosiven Kriegsreste des Konflikts vom Sommer 2014. Tausende Explosivkörper befinden sich unter den Trümmern zahlreicher Wohnungen und zerstörter Infrastruktur. Handicap International sensibilisiert die Bevölkerung für die Risiken und hilft so, neue Opfer zu vermeiden. Unsere Teams engagieren sich zudem mit Entwicklungsprojekten auf dem gesamten palästinensischen Gebiet.

PALÄSTINA - Handicap International

© Tom Shelton / Handicap International

Laufende Aktivitäten

Nach einer Reihe gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Palästina und Israel am 8. Juli 2014 startete die israelische Armee die Operation Protective Edge (Schutzgrenze). Die kommenden 50 Tage wurden extrem gewalttätig. Mehr als 2.000 Menschen starben auf palästinensischer Seite – mehrheitlich aus der Zivilbevölkerung – und über 10.000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite starben fünf Menschen aus der Zivilbevölkerung und 67 aus der Armee. 216 Schulen und 33 Krankenhäuser wurden zerstört. Die Angriffe zwangen die Zivilbevölkerung zu fliehen. Nach dem Ende der Kampfhandlungen kehrten die Menschen in ihre Viertel zurück – und leben seit dem mit  der tödlichen Gefahr durch explosive Kriegsreste.

Seit März 2015 leiten wir Aufklärungsveranstaltungen zu den Risiken explosiver Kriegsreste. 30.000 Menschen konnten davon bereits profitieren. Unsere Fachkräfte evaluieren die beschädigten oder zerstörten Gebäude und ermitteln deren Gefahrengrad. Falls nötig werden daraufhin zunächst Teams zur Beseitigung von Trümmern und später Teams zur Räumung von explosiven Kriegsresten engagiert.
In den sechs Monaten nach dem Konflikt führte Handicap International in Kooperation mit den vier lokalen Partnern über 28.000 Rehabilitationssitzungen für mehr als 4.800 Menschen durch. Fast 6.400 Menschen konnten außerdem an die Dienste anderer, spezialisierter Organisationen vermittelt werden. Handicap International verteilte außerdem 2.500 Mobilitätshilfesets (Krücken, Rollstühle) und 4.000 Nonfood-Artikel wie Decken und Hygieneartikel. Außerdem erhielten mehr als 2.000 Menschen psychologische Unterstützung.
Handicap International ist bereits seit 1996 in den palästinensischen Gebieten im Einsatz. Mit unseren lokalen palästinensischen Partnerorganisationen arbeiten wir nicht nur in den oben genannten Einsatzbereichen. Darüber hinaus verbessern wir die Betreuung von Kindern mit zerebraler Lähmung, fördern die Rechte von Menschen mit Behinderung und deren Inklusion in die Gesellschaft und verbessern den Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung.

Neues aus den Projekten

Gaza: Notfalltherapien zur Vermeidung von Behinderungen dringend erforderlich
© Virginie NGUYEN HOANG/Hans Lucas/AFP

Gaza: Notfalltherapien zur Vermeidung von Behinderungen dringend erforderlich

Bei Demonstrationen am 14. und 15. Mai wurden an der Grenze zwischen Gaza und Israel rund 3.000 Menschen verletzt. Die medizinische Versorgung in Gaza ist durch die plötzliche Ankunft einer großen Zahl von Opfern völlig überlastet. HI stellt Notfall-Rehamaßnahmen bereit, um zu verhindern, dass Patienten eine dauerhafte Behinderung entwickeln.

Palästina tritt Vertrag über das Verbot von Landminen bei
©ISU

Palästina tritt Vertrag über das Verbot von Landminen bei

Die palästinensische Delegation verkündete auf dem 16. Treffen der Vertragsstaaten am 21. Dezember 2017 in Wien die Entscheidung des Landes, dem Vertrag über das Verbot von Landminen beizutreten. Zehn Länder im Nahen Osten und in Nordafrika sind noch keine Vertragsstaaten.

Gefährliche Unwissenheit: So wichtig ist die Aufklärung über explosive Kriegsreste
Handicap International

Gefährliche Unwissenheit: So wichtig ist die Aufklärung über explosive Kriegsreste

Neben den starken materiellen Schäden gehören auch knapp 10.000 explosive Waffen (Raketen, Sprengköpfe, Bomben) zu den allgegenwärtigen Hinterlassenschaften des Gaza-Krieges, der die Region im Sommer 2014 erschütterte. Um mögliche tödliche Unfälle mit diesen explosiven Waffen zu vermeiden, sensibilisieren die Teams von Handicap International vor allem diejenigen Bevölkerungsgruppen, die am leichtesten damit in Berührung kommen. Hier berichten wir von einer Aufklärungsveranstaltung aus Deir Al-Balah, die gleich zur Entschärfung von vier explosiven Waffen führte.

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Hintergrund

Die Menschen in den palästinensischen Gebieten leben aufgrund der chronischen Krise mit Israel und der Blockade des Gazastreifens mehr schlecht als recht. Für Menschen mit Behinderung geht es oft ums nackte Überleben. 

Die Lage in den besetzten palästinensischen Gebieten hat sich seit 2000 und der zweiten Intifada deutlich verschlechtert. Nach dem Wahlsieg der Hamas und deren Regierungsbildung wurde die internationale Hilfe für die palästinensischen Behörden eingefroren. Die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen verschlechterten sich rapide. Seit der Verdrängung der Fatah im Gazastreifen im Jahr 2007 ist dem Gazastreifen eine Blockade durch Israel und Ägypten auferlegt.
Die Ereignisse des Sommers 2014 zwangen 440.000 Menschen, Zuflucht in gemeinschaftlichen Notunterkünften zu suchen, Tausende starben oder wurden verletzt. Das Chaos ist überall, mehr als 200 Schulen und etwa fünfzig Krankenhäuser liegen in Trümmern.

Situation von Menschen mit Behinderung
Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Palästinenser betrifft vor allem Menschen mit Behinderung. Ihre Mobilität wird noch mehr eingeschränkt und sie haben einen erschwerten Zugang zu Dienstleistungen. Hinzukommt, dass besonders die Westbank sehr hügelig ist und öffentliche Verkehrsmitteln nur selten barrierefrei sind.


Nach wie vor gibt es viele Vorurteile und Menschen mit Behinderung werden auf allen Ebenen der Gesellschaft diskriminiert, insbesondere in den Bereichen Bildung und Arbeit. Dies ist besonders problematisch für Frauen mit Behinderung und Mütter von Kindern mit Behinderung.

Weltweites Engagement: