Gehe zum Hauptinhalt

Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Die Minenaktion ist ein essentieller Teil der humanitären Hilfe

Minen und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit

Konferenz der Akteure der Minenaktion: Vom 7. bis 10. Februar fand in Genf das jährliche internationale Treffen zur weltweiten Minenaktion statt. Hier tauschen sich Geldgeber, Staaten, die sich zur Minenaktion verpflichtet haben, nationale Zentren für Minenräumung, private Unternehmen und humanitäre Entminungsorganisationen aus, präsentieren die neuesten Techniken der Minenräumung und sprechen über die Zukunftsperspektiven. Jean-Baptiste Richardier, Mitbegründer von Handicap International, war bei der Konferenz aktiv beteiligt – hier sein Beitrag.

Ein Mann entmient an einem Hang. Rechts im Bild ist ein rotes Warnschild zu sehen, auf dem ein Totenkopf abgebildet ist

© J.M. Vargas/Handicap International

Jean-Baptiste Richardier - Mitbegründer von Handicap International - hält eine Rede, während er vor einem Banner mit dem Logo von Handicap Inter´national steht.Jean-Baptiste Richardier, Mitbegründer von Handicap International © Pascal Grappin / Handicap International

„Die Idee, sich mit Handicap International im Kampf gegen Landminen zu engagieren, ist Anfang der 90er Jahre geboren, in einem Moment, in dem das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) mit einem verzwickten Widerspruch konfrontiert war:  die Rückkehr der kambodschanischen Flüchtlinge nach Thailand zu organisieren, während jedoch die Rückkehrgebiete stark von Millionen Minen und anderen Kriegslasten verseucht waren.

Die Kontroverse erreichte ihren Höhepunkt, als ein Angestellter des UNHCR - nicht ohne Mut - öffentlich bestätigte: „Ja, Kambodscha wird bestimmt eines Tages von seinen Minen befreit sein…und zwar Bein für Bein!“

Die Anfänge der humanitären Minenräumung

Die Verantwortlichen der Vereinten Nationen waren mit einer juristischen Blockade des Sitzes in New York konfrontiert und dadurch nicht in der Lage, Minenräumteams anzustellen, die aus vorhandenen militärischen Fachkräften bestanden. Deswegen baten sie Handicap International darum, die ersten 90 kambodschanischen Minenräumerinnen und Minenräumer einzustellen. Und siehe da – so begann unser Abenteuer in der humanitären Minenräumung!

Seit der Errichtung unserer Abteilung für Minenaktion hat Handicap International unablässig für eine Zusammenarbeit zwischen den größten nicht-staatlichen Entminungsorganisationen plädiert, um so unseren gemeinsamen Einfluss auf die UNO verstärken zu können. Denn zur damaligen Zeit wurde die Minenräumung noch als Bereich angesehen, der vornehmlich militärischen Einheiten vorbehalten war.

Minenaktion: ein humanitärer Einsatz

Doch die Minenaktion ist durchwegs ein essentieller Bestandteil der humanitären Aktion. Zu entminen bedeutet, zivile Bevölkerungen zu schützen und sie sowohl an den Sicherheitseinsätze als auch den darauffolgenden Entwicklungsprojekten zu beteiligen.

Natürlich bedeutet die Minenaktion auch, auf die Folgen der Kontaminierung und der Unfälle einzugehen, indem die Überlebenden, ihre Familien und Gemeinden rechtzeitige Opferhilfe erhalten. Darunter verstehe ich eine Hilfe, die nicht solange nach hinten geschoben wird, bis die Umstände als günstig gelten: bis eine Rehabilitation gemäß der anspruchsvollen Kriterien und unter Einhaltung von Qualitätsstandards möglich wäre, die unmöglich zu erfüllen sind. Die Opfer brauchen - ja haben gar ein Recht auf Nothilfe und auf die Versorgung mit Rehabilitation, und das unmittelbar in der Zeit nach dem furchtbaren Schaden, den sie erleiden mussten.

Die Rechte geltend machen

Wenn man bestätigt, dass die Minenaktion eine humanitäre Aktion ist, gilt es auch allen Parteien ins Gedächtnis zu rufen, dass die Wurzeln der Minenaktion im humanitären Völkerrecht liegen. Unser Engagement gegen Minen besteht darin, den Menschen ins Zentrum unseres Anliegens zu rücken – immer dort, wo es um Sicherheit, Schutz und Versorgung der Opfer geht.

Dies bezieht sich sowohl auf umstrittene Gebiete als auch auf zurückgelassene Schlachtfelder, die nicht von den beteiligten Kriegsparteien gereinigt wurden – ohne Rücksicht auf das hohe Risiko für Dorfbewohner und Landwirte der Umgebung, die keine andere Wahl haben, als ihre Felder für ihr eigenes Überleben zu bebauen.

Die Herausforderung in Syrien

In dieser Hinsicht stellt die syrische Krise eine riesige Herausforderung dar. Seit 2012 führt Handicap International Projekte zur Aufklärung über die Gefahren und zur physischen Rehabilitation durch. Bis zu dieser Stunde tragen wir weiterhin Daten über vermutlich gefährliche Gebiete im Süden Syriens zusammen und intensivieren unsere Kampagnenaktionen gegen den Einsatz von explosiven Waffen in bewohnten Gegenden.

Wenn es um Entminung und Aufklärung über die Gefahren von Minen geht, ist es dringend notwendig, Notfallpläne zu entwickeln, um die Rückkehr der Geflüchteten nach Syrien, aber auch der innerhalb des Landes vertriebenen Menschen, vorzubereiten, die in die verseuchten Gebiete zurückströmen werden. Die Entminung von Infrastrukturen und Straßen wird prioritär sein, sobald Friedensvereinbarungen getroffen werden. Eine der größten Herausforderungen wird die Räumung der tonnenweise herumliegenden Trümmer werden. Perfekt ausgestattete Teams werden zum Einsatz bereitstehen müssen, gleichzeitig dazu muss es eine humanitäre Hilfe in großem Umfang geben.

Sich an neue Umstände anpassen

Unsere Aktionen werden an ein komplexes und schwieriges Umfeld angepasst werden müssen, wo zivile Bevölkerungen ohne Erfahrung und ohne Ausbildung sich selbst von den Minen befreien werden – in der Hoffnung, grundlegende Angebote wie Krankenhäuser, Schulen und Märkte, aber auch religiöse Stätten, Wohnräume und ihre Felder wieder nutzen zu können.“

13 Februar 2017
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Landminen Monitor 2019:  Das vierte Jahr in Folge besonders viele Minenunfälle
© Gilles Lordet/HI
Minen und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit

Landminen Monitor 2019: Das vierte Jahr in Folge besonders viele Minenunfälle

Der am heutigen Donnerstag veröffentlichte Landminen Monitor 2019 berichtet das vierte Jahr in Folge über außergewöhnlich hohe Unfallzahlen mit Landminen und Blindgängern. Der aktuelle Monitor verzeichnet für das Jahr 2018 6.897 getötete und verletzte Menschen, wobei die Dunkelziffer immer höher ist. Auffällig ist insbesondere, dass 3.789 Menschen durch improvisierte Minen getötet oder verletzt wurden – dies ist die höchste jemals vom Monitor registrierte Zahl. Die hohen Opferzahlen sind hauptsächlich auf bewaffnete Konflikte in Afghanistan, Libyen, Nigeria, Syrien und anderen aktuellen Konfliktgebieten zurückzuführen. Der Ottawa-Vertrag über das Verbot von Landminen ist vor 20 Jahren in Kraft getreten. Vom 25. bis 29. November treffen sich hierzu die Vertragsstaaten zur Überprüfungskonferenz in Oslo, Norwegen. Handicap International (HI) fordert die Staaten auf, das humanitäre Völkerrecht durchzusetzen und Druck auf die Kriegsparteien auszuüben, damit sie den Einsatz dieser menschenverachtenden Waffen beenden.

Der Weg zu einer politischen Erklärung gegen Bomben auf Wohngebiete
© HI
Minen und andere Waffen

Der Weg zu einer politischen Erklärung gegen Bomben auf Wohngebiete

Am Montag, den 18. November, trafen sich Staatsdelegationen, Streitkräfte, UN-Organisationen und die Zivilgesellschaft bei den Vereinten Nationen in Genf. Sie begannen die Gespräche über eine politische Erklärung gegen den Einsatz von explosiven Waffen in bewohnten Gebieten.

Syrien: Es ist dringend erforderlich, den Schutz von Zivilisten und humanitären Helfern zu gewährleisten.
© W. Daniels / HI
Minen und andere Waffen

Syrien: Es ist dringend erforderlich, den Schutz von Zivilisten und humanitären Helfern zu gewährleisten.

Im Nordosten Syriens wiederholt sich der Kreislauf von Gewalt, Angst und Unsicherheit für die Bewohner/-innen! Wieder einmal sind Zivilist/-innen die ersten Opfer von Bombenanschlägen. Handicap International (HI) ist äußerst besorgt angesichts der militärischen Eskalation und der Bedrohung der Zivilbevölkerung. HI ruft alle Konfliktparteien auf, die Zivilbevölkerung zu schützen, insbesondere in den von Luftangriffen und Artilleriefeuer betroffenen Ballungsgebieten.

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ