Gehe zum Hauptinhalt

Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Flucht vor den Bomben

Minen, Streubomben und andere Waffen

Laut dem Bericht “Qasef: Flucht vor den Bomben“ ist der massive Einsatz von explosiven Waffen in bevölkerten Gebieten einer der vorrangigen Gründe für die Vertreibung der Menschen aus Syrien. Unterschiedslose Bombardierungen und Beschuss sind in diesem Konflikt zur Regel geworden und haben Millionen Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen. Mehr als 10,9 Millionen Syrerinnen und Syrer sind innerhalb oder außerhalb ihres Landes auf der Flucht – dies entspricht über der Hälfte der Bevölkerung des Landes.

Auf Grundlage von Experteninterviews, Literaturrecherchen und persönlichen Erzählungen von syrischen Geflüchteten stellt der aktuelle Bericht von Handicap International  unter anderem fest:

Syrische Geflüchtete machen meist mehrfache Vertreibungen innerhalb und außerhalb Syriens durch. Sie werden bis zu 25 Mal durch aufeinanderfolgende Angriffe vertrieben, bevor sie einen sicheren Zufluchtsort finden. Wiederholte Vertreibung verursacht extreme Armut und schwere psychische Belastung.
Die syrische Bevölkerung flieht vorranging, um gewaltsamen Angriffen mit explosiven Waffen zu entgehen. Die große Mehrheit der Angriffe wird unterschiedslos ausgeführt. Manche zielen absichtlich auf die Zivilbevölkerung ab. Der Einsatz explosiver Waffen in bevölkerten Gebieten ist auch der Hauptgrund für zivile Todesfälle in Syrien. Laut einer Studie von IRIN war der Einsatz von Explosivwaffen im Jahr 2012 für 48 % der zivilen Vorfälle verantwortlich und stieg im Jahr 2016 auf 83 % an. Manche Waffen wie etwa Fassbomben und „Elefantenraketen“ sind von Natur aus unterschiedslos, was bedeutet, dass ihre fehlende Präzisionsfähigkeit eine hohe Anzahl an zivilen Opfern fordert. 
Der Bericht erklärt, dass auch Syrerinnen und Syrer, die nicht direkt von den Angriffen betroffen sind, zur Flucht gezwungen werden, um ihr Leben wiederaufzubauen: Die Bombardierungen zerstören die wichtigste Infrastruktur (Wohnhäuser, Krankenhäuser, Wasser- und Elektrizitätsnetze etc.) sowie das soziale und wirtschaftliche Leben.

Die Einsätze von Explosivwaffen mit Flächenwirkung in bewohnten Gebieten wirken unterschiedslos, was durch das Völkerrecht verboten ist. Doch das Recht wird leider oft gebrochen. Mit einer aktuellen Petition ruft Handicap International Staaten dazu auf, eine politische Erklärung zu unterzeichnen, um dem Einsatz von explosiven Waffen in Wohngebieten ein Ende zu setzen. Zu diesem Zweck hat die Organisationen gemeinsam mit anderen das Netzwerk INEW (International Network on Explosive Weapons) gegründet.

Als internationale humanitäre Organisation leistet Handicap International in Syrien und den Nachbarländern Nothilfe, um die grundlegenden Bedürfnisse von Verletzten, Menschen mit Behinderung und besonders schutzbedürftigen Menschen abzudecken. Teams von Handicap International organisieren außerdem Risikoaufklärung und verbreiten Sicherheitshinweise für die lokale Bevölkerung, um Unfälle mit explosiven Kriegsresten zu verhindern. Über 600.000 Menschen in und aus Syrien wurden seit Beginn unseres Einsatzes 2012 durch die Aktivitäten von Handicap International unterstützt.

Lesen Sie hier mehr über unseren Einsatz in Syrien und den Nachbarländern.

 

Deutsche Zusammenfassung des Berichts      

Vollständiger englischsprachiger Bericht “Qasef: Flucht vor den Bomben“

6 Oktober 2016
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Erfolge im Kampf gegen Investitionen in Streubomben
© PAX
Minen, Streubomben und andere Waffen

Erfolge im Kampf gegen Investitionen in Streubomben

Der heute von der Organisation Pax vorgestellte Bericht über die weltweiten Investitionen in die Produzenten von Streubomben führt erstmals kein deutsches Geldinstitut auf. Auch die Allianz, die noch im letztjährigen Bericht mit millionenschweren Investitionen in amerikanische Rüstungsproduzenten genannt war, ist nicht mehr in der „Hall of Shame“ gelistet. Grund dafür sind zwar keineswegs verbesserte Richtlinien des deutschen Versicherungskonzerns, sondern der Rückzug der US-Produzenten Textron and Orbital ATK aus der Produktion von Streubomben. Dieser Rückzug zeigt, dass die Kampagne gegen diese unmenschlichen Waffen Fortschritte macht.

Landminenkonferenz in Genf: HI rückt die Opfer in den Fokus
© HI
Minen, Streubomben und andere Waffen

Landminenkonferenz in Genf: HI rückt die Opfer in den Fokus

Das Verbot von Antipersonenminen steht in dieser Woche bei den Vereinten Nationen in Genf wieder einmal im Fokus. Staaten, Institutionen und Organisationen – darunter auch einige Minenüberlebende – sprechen über Fortschritte und Herausforderungen bei der Umsetzung des Ottawa-Vertrags, der Einsatz, Herstellung, Lagerung und Weitergabe von Antipersonenminen verbietet. HI ist in vielen verminten Ländern in Entminung und Opferhilfe tätig – und macht bei der Konferenz vor allem deutlich, dass die betroffenen Menschen dringend mehr Unterstützung brauchen.

„Eine Rakete explodierte neben mir“
© Ayman / HI
Minen, Streubomben und andere Waffen Rehabilitation und Orthopädie

„Eine Rakete explodierte neben mir“

Der zwölfjährige Zakarya ist das achte Kind einer armen Familie, die in einem kleinen Dorf im im Norden des Jemen lebt. Sein Leben veränderte sich schlagartig, als er bei einem Raketenangriff verletzt wurde und die Ärzte sein linkes Bein amputieren mussten.