Gehe zum Hauptinhalt

Flucht vor den Bomben

Minen, Streubomben und andere Waffen

Laut dem Bericht “Qasef: Flucht vor den Bomben“ ist der massive Einsatz von explosiven Waffen in bevölkerten Gebieten einer der vorrangigen Gründe für die Vertreibung der Menschen aus Syrien. Unterschiedslose Bombardierungen und Beschuss sind in diesem Konflikt zur Regel geworden und haben Millionen Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen. Mehr als 10,9 Millionen Syrerinnen und Syrer sind innerhalb oder außerhalb ihres Landes auf der Flucht – dies entspricht über der Hälfte der Bevölkerung des Landes.

Auf Grundlage von Experteninterviews, Literaturrecherchen und persönlichen Erzählungen von syrischen Geflüchteten stellt der aktuelle Bericht von Handicap International  unter anderem fest:

Syrische Geflüchtete machen meist mehrfache Vertreibungen innerhalb und außerhalb Syriens durch. Sie werden bis zu 25 Mal durch aufeinanderfolgende Angriffe vertrieben, bevor sie einen sicheren Zufluchtsort finden. Wiederholte Vertreibung verursacht extreme Armut und schwere psychische Belastung.
Die syrische Bevölkerung flieht vorranging, um gewaltsamen Angriffen mit explosiven Waffen zu entgehen. Die große Mehrheit der Angriffe wird unterschiedslos ausgeführt. Manche zielen absichtlich auf die Zivilbevölkerung ab. Der Einsatz explosiver Waffen in bevölkerten Gebieten ist auch der Hauptgrund für zivile Todesfälle in Syrien. Laut einer Studie von IRIN war der Einsatz von Explosivwaffen im Jahr 2012 für 48 % der zivilen Vorfälle verantwortlich und stieg im Jahr 2016 auf 83 % an. Manche Waffen wie etwa Fassbomben und „Elefantenraketen“ sind von Natur aus unterschiedslos, was bedeutet, dass ihre fehlende Präzisionsfähigkeit eine hohe Anzahl an zivilen Opfern fordert. 
Der Bericht erklärt, dass auch Syrerinnen und Syrer, die nicht direkt von den Angriffen betroffen sind, zur Flucht gezwungen werden, um ihr Leben wiederaufzubauen: Die Bombardierungen zerstören die wichtigste Infrastruktur (Wohnhäuser, Krankenhäuser, Wasser- und Elektrizitätsnetze etc.) sowie das soziale und wirtschaftliche Leben.

Die Einsätze von Explosivwaffen mit Flächenwirkung in bewohnten Gebieten wirken unterschiedslos, was durch das Völkerrecht verboten ist. Doch das Recht wird leider oft gebrochen. Mit einer aktuellen Petition ruft Handicap International Staaten dazu auf, eine politische Erklärung zu unterzeichnen, um dem Einsatz von explosiven Waffen in Wohngebieten ein Ende zu setzen. Zu diesem Zweck hat die Organisationen gemeinsam mit anderen das Netzwerk INEW (International Network on Explosive Weapons) gegründet.

Als internationale humanitäre Organisation leistet Handicap International in Syrien und den Nachbarländern Nothilfe, um die grundlegenden Bedürfnisse von Verletzten, Menschen mit Behinderung und besonders schutzbedürftigen Menschen abzudecken. Teams von Handicap International organisieren außerdem Risikoaufklärung und verbreiten Sicherheitshinweise für die lokale Bevölkerung, um Unfälle mit explosiven Kriegsresten zu verhindern. Über 600.000 Menschen in und aus Syrien wurden seit Beginn unseres Einsatzes 2012 durch die Aktivitäten von Handicap International unterstützt.

Lesen Sie hier mehr über unseren Einsatz in Syrien und den Nachbarländern.

 

Deutsche Zusammenfassung des Berichts      

Vollständiger englischsprachiger Bericht “Qasef: Flucht vor den Bomben“

6 Oktober 2016
Weltweites Engagement:
HELFEN
Sie mit

Lesen sie weiter

Ein Interview mit Martina Vohankova
© Handicap International
Minen, Streubomben und andere Waffen Nothilfe Politische Kampagnenarbeit

Ein Interview mit Martina Vohankova

Martina Vohankova stammt aus Tschechien und arbeitet bei Handicap International Syrien als Projektmanagerin für Gesundheit und Minenaktion. Angefangen in 2012 arbeitete sie erst für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe in Uganda, Kambodscha und im Südsudan. In den vergangenen zwei Jahren war Martina im Nahen Osten tätig, zunächst im Irak. Seit Mai 2016 wirkt sie bei Handicap International im Syrien-Krisen-Programm mit. Hier erzählt sie uns von ihrer Arbeit.

Palästina tritt Vertrag über das Verbot von Landminen bei
©ISU
Minen, Streubomben und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit

Palästina tritt Vertrag über das Verbot von Landminen bei

Die palästinensische Delegation verkündete auf dem 16. Treffen der Vertragsstaaten am 21. Dezember 2017 in Wien die Entscheidung des Landes, dem Vertrag über das Verbot von Landminen beizutreten. Zehn Länder im Nahen Osten und in Nordafrika sind noch keine Vertragsstaaten.

Landminenmonitor 2017: Erneut Anstieg der Opferzahlen
(c) Jules Tusseau/HI
Minen, Streubomben und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit

Landminenmonitor 2017: Erneut Anstieg der Opferzahlen

Der am 14.12. von der ICBL in Genf vorgestellte Landminenmonitor 2017 zeigt im dritten Jahr in Folge einen dramatischen Anstieg der Opferzahlen durch Minen und explosive Kriegsreste. Mindestens 8.605 Menschen wurden durch diese Waffen im Jahr 2016 getötet oder verletzt. 2013 waren es noch 3.450 Menschen. Der massive Anstieg seither ist vor allem auf die hohen Opferzahlen in den Konfliktgebieten in Afghanistan, dem Jemen, Libyen und der Ukraine zurückzuführen. Handicap International ruft die Staaten auf, das internationale humanitäre Recht durchzusetzen und Druck auf alle Konfliktparteien auszuüben, um dem Einsatz dieser barbarischen Waffen ein Ende zu setzen. Dies geschieht im Vorfeld des Treffens der Vertragsstaaten des Ottawa-Vertrags zum Verbot von Anti-Personen-Minen, das vom 18. bis zum 21. Dezember in Wien stattfindet.