Co-Preisträger Friedensnobelpreis

HI warnt: Entminung immer schwieriger

Minen und andere Waffen
International

München, 4. April 2019. Anlässlich des Internationalen Tags der Aufklärung über die Minengefahr äußert sich die gemeinnützige NGO Handicap International (HI) besorgt über die große Anzahl an Blindgängern durch den weit verbreiteten Einsatz von Explosivwaffen in aktuellen Konflikten. Außerdem ist der Einsatz von improvisierten Minen gestiegen. Die verminten Zonen befinden sich häufig in städtischen Gebieten, sie sind schwieriger zu räumen und stellen die humanitären Räumexpert/-innen vor neue Herausforderungen. HI führt in sieben Ländern Räumungsprojekte durch: Kolumbien, Irak, Laos, Libanon, Libyen, Senegal und Tschad. Die Organisation testet auch innovative Wege, um die Entminungsarbeit zu erleichtern wie beispielsweise den Einsatz von Drohnen, um betroffene Gebiete schneller zu erkennen und zu vermessen. Insgesamt sind 60 Staaten und andere Gebiete durch Minen und explosive Kriegsreste in der ganzen Welt verseucht.

HI-Entminer räumen in der Wüste von Libyen Kampfmittelreste

HI-Entminer räumen in der Wüste von Libyen Kampfmittelreste | Till Mayer/HI

20 Jahre nach dem Inkrafttreten des Ottawa-Vertrags am 1. März 1999 ist der Bedarf an Minenräumung enorm: Unter anderem im Irak, in Syrien oder in der Ukraine sind riesige Landstriche durch Überreste von Bombardierungen und industrielle sowie selbstgebaute Landminen flächendeckend verseucht. Jüngst kontaminierte Gebiete sind oft schwierig und zeitaufwändig zu entminen, da sie z.B. in städtischen Gebieten, versteckt unter Schutt und in der Nähe von Wohngebieten liegen. Der vermehrte Einsatz von selbstgebauten Minen, die äußerst empfindlich reagieren und sehr aufwändig zu entschärfen sind, erschwert außerdem die Arbeit der Minenräumteams.

Explosive Kriegsreste verhindern Rückkehr der Flüchtlinge

Die Leiterin der politischen Abteilung von Handicap International Deutschland, Dr. Eva Maria Fischer, unterstreicht die Gefahren für die Zivilbevölkerung: „ Die Kontamination in städtischen oder stadtnahen Gebieten ist eine ernsthafte Bedrohung für die Bevölkerung und stellt ein großes Hindernis für den Wiederaufbau dar. Hunderttausende von Binnenvertriebenen und Flüchtlingen können wegen der Gefahr durch explosive Kriegsreste nicht nach Hause zurückkehren. In vielen Regionen gibt es außerdem noch Kontaminationen durch frühere Konflikte. Wir müssen unsere Anstrengungen noch mehr verstärken, um diese Gebiete zu räumen und die Bevölkerung über die Gefahren aufzuklären, die von explosiven Kriegsresten ausgehen."

HI setzt auch Drohnen ein

Handicap International beteiligt sich an den internationalen Räumaktionen kontaminierter Gebiete, um eine minenfreie Welt zu schaffen. Die Organisation arbeitet dafür mit einem Budget von mehr als 21 Millionen Euro – einem der größten in der Geschichte der Hilfsorganisation. HI führt derzeit Waffenräumaktionen in sieben Ländern durch: Kolumbien, Irak, Laos, Libanon, Libyen, Senegal und Tschad. Mehr als 200 HI-Entminer/-innen - darunter viele Frauen - sind derzeit in der Räumarbeit tätig und haben 2018 über 350.000 Quadratmeter Land von Minen und Blindgängern befreit. Fast 3.500 Sprengsätze aller Art wurden von den HI-Teams gesichert. Darüber hinaus untersucht Handicap International derzeit innovative Methoden, um Antworten auf die unterschiedlichen Arten der Kontamination zu finden. So wird seit Januar beispielsweise der Einsatz von Drohnen im nördlichen Tschad getestet, um verminte Gelände zu erkennen und damit die Arbeit der Minenräumspezialisten zu erleichtern.

Landminen Monitor: 60 verseuchte Länder und Gebiete  – Tausende zivile Opfer jährlich

Der im November 2018 veröffentlichte Landminen-Monitor unterstreicht, dass im dritten Jahr in Folge außergewöhnlich hohe Opferzahlen verzeichnet wurden. Diese werden sowohl durch Minen verursacht – einschließlich unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen (USBVs), die wie Minen ausgelöst werden – als auch durch explosive Kriegsreste (ERW). Insgesamt sind 60 Staaten und andere Gebiete durch Minen und explosive Kriegsreste in der ganzen Welt verseucht. 2017 wurden mindestens 7.239 Menschen durch Minen und Blindgänger getötet oder verletzt. Im Jahr 2014 gab es 3.993 Opfer. Seither steigt die Zahl der Opfer nach einem stetigen Rückgang seit 15 Jahren wieder. Da die Datenerhebung besonders in den derzeitigen und jüngsten Konfliktzonen schwierig ist, ist die tatsächliche Zahl wahrscheinlich viel höher. Zivilist/-innen sind nach wie vor die Hauptopfer von Minen und explosiven Kriegsüberresten: 87% der 2017 registrierten Getöteten und Verletzten stammten aus der zivilen Bevölkerung, davon 47% Kinder: 2.452 Kinder waren im Jahr 2017 Opfer von Minen und explosiven Kriegsresten.

3 April 2019
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Minen-Räumung wird immer schwieriger und gefährlicher
© Gwenn Dubourthoumieu / HI
Minen und andere Waffen

Minen-Räumung wird immer schwieriger und gefährlicher

München, 30. März 2021. Anlässlich des Internationalen Tages der Aufklärung über die Minengefahr am 4. April weist die Hilfsorganisation Handicap International (HI) auf die Risiken und die hohe Verseuchung durch Landminen, explosive Kriegsreste, Sprengfallen und improvisierte Minen hin. Diese bedrohen vor allem in Wohngebieten das Leben der Zivilbevölkerung und machen die Rückkehr zu einem normalen sozialen und wirtschaftlichen Leben unmöglich. Die Räumung wird immer komplizierter und langwieriger, erklärt Handicap International und fordert außerdem, dass die Gefahrenaufklärung der Bevölkerung dringend ausgeweitet werden muss. Laut dem aktuellen Landminenmonitor sind 80% der Opfer Zivilisten und Zivilistinnen – darunter 43% Kinder.

Sechs Jahre Krieg im Jemen
© Handicap International
Minen und andere Waffen

Sechs Jahre Krieg im Jemen

Die Folgen des massiven Bomben- und Granatbeschusses von Wohngebieten im Jemen sind verheerend. Viele Städte sind mit Blindgängern und nicht explodierten Sprengkörpern verseucht. Auch Landminen wurden in dem seit sechs Jahren andauernden Krieg eingesetzt. Das Ausmaß der Zerstörung sei erschütternd, beklagt die Hilfsorganisation Handicap International e.V. (HI). Die Rückkehr der Bewohner*innen in ihre Wohnorte sei extrem gefährlich, warnt HI. Nach Kriegsende würden komplexe Räumungsaktionen erforderlich sein. Diese würden Jahrzehnte dauern, so die gemeinnützige Organisation.

Mohammad möchte anderen Mut machen
© Catherina Hess
Minen und andere Waffen

Mohammad möchte anderen Mut machen

Am 15.03. jährt sich der Beginn des Bürgerkrieges in Syrien zum 10. Mal. 13 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe. Das Land ist immer noch verwüstet. Großstädte wie Rakka und Aleppo wurden durch Bombardierungen komplett zerstört. Mohammad Jolo ist schon vor fünf Jahren nach Deutschland geflohen – ein besonders  beschwerlicher Weg für ihn, da er blind ist. Viele andere Syrer*innen sind aktuell noch auf der Flucht.