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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Jemen: So leidet die Zivilbevölkerung unter verbotenen Waffen

Minen, Streubomben und andere Waffen
International

Bombardierungen, Blindgänger, Anti-Personen-Minen und improvisierte Sprengsätze: der gewaltsame Konflikt ist brutal für die Zivilbevölkerung. Rund 1.000 Menschen sind im Jahr 2015 durch diese barbarischen Waffen getötet oder verletzt worden. Handicap International unterstützt deshalb Reha-Maßnahmen in drei Gesundheitseinrichtungen in Sanaa. So konnten wir allein zwischen März und September 2016 mehr als 3.000 Menschen helfen.

Ein Reha-Team von Handicap Interanational kümmert sich um einen Patienten auf einer Liege

Unsere Reha-Teams im Jemen haben alle Hände voll zu tun | © Handicap International

"Die Opfer des Konfliktes stellen zwischen 25 % und 50 % unserer Patienten und Patienten“, erklärt Joanna Reid, die Koordinatorin der Programme von Handicap International im Jemen. „An manchen Tagen sind die Kämpfe besonders intensiv sein und fordern besonders viele Opfer. Die Verletzungen sind unterschiedlich: Rückenmarksverletzungen, offene Frakturen, periphere Nervenverletzungen, sogar Amputationen… Seit März letzten Jahres konnten wir 195 amputierte Menschen versorgen.“

Handicap International bietet Reha-Maßnahmen in einem regionalen Spezialzentrum und in zwei Krankenhäusern an. Solche Dienste gibt es in der Regel nur in den großen Städten. Die Menschen kommen deshalb aus dem ganzen Land, um Hilfe zu erhalten. Die Reise ist oft gefährlich.

„Durch den Konflikt ist der Bedarf an Reha-Maßnahmen gestiegen – während die Kapazitäten gleichzeitig immer weiter sinken“, fährt Joanna Reid fort. Um diese Situation zu bewältigen, bilden wir medizinisches Personal aus und begleiten es bei der Versorgung der Patientinnen und Patienten. Außerdem stellen wir Hilfsmittel wie Rollstühle oder Gehstützen und Ausrüstung für das medizinische Personal wie Behandlungsliegen zur Verfügung.

Besondere Aufmerksamkeit widmen wir den „Betreuenden“, die in den meisten Fällen Familienmitglieder sind. „Wir zeigen ihnen, wie sie ihren Verwandten dabei helfen können, vom Bett in den Rollstuhl umzuziehen, wie sie die Krücken benutzen, gemeinsam Übungen machen, die Muskeln dehnen und zusammen trainieren können. Für die Familien der Betroffenen des Konfliktes sind das ganz neue Situationen und wir zeigen ihnen, wie sie sie bewältigen können.“

Die Kriegstraumata

Die psycho-sozialen Helferteams von Handicap International beobachten zahlreiche Fälle von Stress, Depressionen und Schockzuständen. Bei einer Explosion oder einem Schusswechsel verletzt zu werden, ist eine traumatisierende Erfahrung, die unsichtbare Folgen hinterlässt. „Der Schock nach einer Explosion, eine schwere Verletzung oder die Amputation eines Körperteils lässt manche Menschen sich völlig verloren fühlen“, bekräftigt Joanna. „Ihr Haus ist bombardiert worden. Sie leiden körperlich. Sie haben ein Elternteil verloren oder gar beide und sie haben große Angst.“

Handicap International organisiert Einzel- oder Gruppengespräche, um den Menschen dabei zu helfen, dieses Unglück zu bewältigen: Dabei können sie über das Trauma und die möglicherweise im Alltag auftretenden Schwierigkeiten sprechen oder sie können sich mit anderen austauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. All das hilft ihnen dabei, wieder zu sich selbst zu finden.

Der Jemen wird noch lange mit Kriegsresten verseucht sein

Die massiven Bombardierungen im Jemen werden dazu führen – und führen schon dazu – dass ganze Gegenden mit explosiven Kriegsresten verseucht sind. Erschreckenderweise werden auch immer mehr Landminen und improvisierte Sprengsätze, die wie Minen funktionieren, eingesetzt. Der Jemen wird noch viele Jahre unter dieser Kontamination leiden. Ganze Gebiete sind unbewohnbar geworden. Dadurch ist eine Rückkehr zu einem „normalen“ gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben kaum mehr möglich und viele Menschen sind gezwungen, wegzuziehen. All diese Minen und improvisierten Sprengkörper stellen eine Bedrohung für die Zivilbevölkerung  dar, manchmal noch Jahrzehnte nach dem Konflikt.  

Warum steigt der Bedarf an Rehabilitationsmaßnahmen während eines Konfliktes?

Im Zusammenhang mit einem bewaffneten Konflikt steigt die Anzahl an Verletzten, deren Verletzungen  oftmals zu Behinderungen führen. Ein Beispiel: Nach einer Verletzung am Bein, die durch eine Explosion oder eine Schusswaffe verursacht wurde, ist mit Sicherheit ein chirurgischer Eingriff erforderlich. In der Zeit der Genesung nach der Operation muss der verwundete Mensch über mehrere Wochen an Rehabilitationsmaßnahmen teilnehmen: das sind physiotherapeutische Übungen, die die volle Funktionsfähigkeit des Beines wiederherstellen sollen. Bekäme sie keine geeigneten Behandlungen, könnte die Mobilität des Körperteils verloren gehen. Im Fall einer Amputation besteht die Rehabilitation darin, ihr angemessene Hilfsmittel wie eine Prothese zur Verfügung zu stellen und mit ihr deren Gebrauch zu üben.
Damit solche Szenen in Zukunft der Vergangenheit angehören:

Jetzt Petition "Keine Bomben auf Wohngebiete" unterzeichnen

21 November 2016
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München, 4. April 2019. Anlässlich des Internationalen Tags der Aufklärung über die Minengefahr äußert sich die gemeinnützige NGO Handicap International (HI) besorgt über die große Anzahl an Blindgängern durch den weit verbreiteten Einsatz von Explosivwaffen in aktuellen Konflikten. Außerdem ist der Einsatz von improvisierten Minen gestiegen. Die verminten Zonen befinden sich häufig in städtischen Gebieten, sie sind schwieriger zu räumen und stellen die humanitären Räumexpert/-innen vor neue Herausforderungen. HI führt in sieben Ländern Räumungsprojekte durch: Kolumbien, Irak, Laos, Libanon, Libyen, Senegal und Tschad. Die Organisation testet auch innovative Wege, um die Entminungsarbeit zu erleichtern wie beispielsweise den Einsatz von Drohnen, um betroffene Gebiete schneller zu erkennen und zu vermessen. Insgesamt sind 60 Staaten und andere Gebiete durch Minen und explosive Kriegsreste in der ganzen Welt verseucht.

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© Feida / HI
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Geberkonferenz Jemen - Gemeinsames Statement INGOs

Seit der Eskalation des Konflikts im Jemen vor fast vier Jahren ist der humanitäre Bedarf im Land drastisch gestiegen. Es wird geschätzt, dass 24 Millionen Menschen – das sind 80 Prozent der Bevölkerung – im Jahr 2019 in irgendeiner Form humanitäre Hilfe benötigen[1]. Diese Zahl ist innerhalb von nur 12 Monaten um zwei Millionen bzw. 10 Prozent gestiegen. Dies lässt sich darauf zurückzuführen, dass die Wirtschaft im Jemen fast vollständig zusammengebrochen ist, sich der Konflikt über weite Teile des Landes erstreckt, Völkerrecht missachtet wird und immer mehr zivile Infrastrukturen zerstört werden. Insbesondere Schulen und Krankenhäuser sind betroffen. Darüber hinaus haben die Menschen keinen Zugang zu grundlegender Versorgung, was dazu beiträgt, dass viele an vermeidbaren Krankheiten sterben, die Anzahl der Vertriebenen stark ansteigt und sexuelle Gewalt zunimmt.

 

 

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