Gehe zum Hauptinhalt

Libanon: Mostafa möchte Arzt „für alles werden“

Minen, Streubomben und andere Waffen Rehabilitation und Orthopädie
Libanon

Mostafas wurde nach einem Bombardement in Syrien schwerverletzt. Mit seinen Geschwistern lebt er in einer kargen Unterkunft. Dank der Unterstützung von seiner Schwester und Handicap International gewinnt Mostafa seine Mobilität und sein Lächeln zurück – und möchte Arzt „für alles werden“.

Mostafa bei der Physiotherapie

Mostafa bei der Physiotherapie | © Sarah Pierre/Handicap International

Mostafa, 8 Jahre alt, lebt in einer provisorischen Unterkunft mit seiner älteren Schwester Rawan und seinen zwei Brüdern. Ende 2014 flohen sie vor den Kämpfen in Syrien und machten ein Feld in Libanon zu ihrem Zuhause.

Rawan, 16 Jahre alt, kümmert sich ganz alleine um ihre drei jüngeren Brüder von 13, 10 und 8 Jahren: „Eines Abends fielen Bomben. Eine ist auf unser Haus gefallen. Meine Eltern starben an diesem Tag“, erzählt das junge Mädchen traurig. „Mostafa spielte vor dem Haus. Meine zwei anderen Brüder und ich waren zum Zeitpunkt des Angriffs nicht in der Nähe. Erst die Eltern erzählten uns die schrecklichen Neuigkeiten. Wir fanden Mostafa schwer verletzt auf. Da es bereits Nacht war, konnten wir ihn unmöglich ins Krankenhaus bringen. Er litt die ganze Nacht fürchterlich unter den Schmerzen und hatte niemanden, der ihm die Blutungen stoppen konnte. Auch wir wussten nicht, was wir tun sollten. Am nächsten Tag haben uns die glücklicherweise unsere Nachbarn geholfen, ihn ins Krankenhaus zu bringen.“

Mostafa litt unter vielfachen Verletzungen, unter anderem war sein linkes Bein gebrochen. In den letzten Monaten wurde er von den Teams von Handicap International behandelt, die ihm halfen, seine Mobilität wiederzugewinnen. Nach mehreren Sitzungen mit Mohammad Al Kurdi, einem Physiotherapeuten von Handicap International, machte er bereits Fortschritte: „Mostafa ist sehr engagiert. Er macht seine Übungen jeden Tag. So kann er die Beweglichkeit seines linken Beins schneller wiederherstellen. Ich bin sehr zufrieden, er macht sich wirklich gut“, erklärt Mohammad.

Damit Mostafa geröntgt werden kann, arbeiten wir mit einer Partnerorganisation zusammen. Auf Basis der Ergebnisse wird Handicap International die Maßnahmen durchführen: „Ich muss sehen, wo genau das Bein gebrochen ist, um zu wissen, ob wir die Übungen fortführen müssen und, wenn ja, welche Übungen. Währenddessen machen wir Übungen zur Stärkung und für das Gleichgewicht mit dem Ziel, Mostafas Alltag zu erleichtern, ohne weitere Verletzungen zu riskieren“, erklärt der Physiotherapeut.

Doch das sind nicht die einzigen Probleme der kleinen Familie. Das Leben ist teuer. „Ich muss für unsere Unterkunft jeden Monat eine Miete von 50 Dollar zahlen. Aber ich muss auch etwas zum Essen einkaufen. Das Geld, das wir bekommen, hilft uns. Aber es reicht nicht aus. Ich habe bereits Schulden von fast 500 Dollar – nur beim Bäcker und dem Lebensmittelgeschäft“, vertraut uns die besorgte Jugendliche an.
Die Familie erhält deshalb monatliche finanzielle Unterstützung von Handicap International, um die dringendsten Bedürfnisse zu erfüllen, wie die Miete zu zahlen oder Lebensmittel zu kaufen.

Der Älteste der Brüder arbeitet tagsüber im Feld, um seiner Schwester dabei zu helfen, über die Runden zu kommen. Weil die finanziellen Mittel fehlen, geht keiner von ihnen zur Schule. Rawan erklärt: „Ich kann den Transport in die Schule nicht bezahlen. Ich weiß, dass Mostafa traurig ist, dass er nicht mehr zur Schule gehen kann. Er liebt die Schule so sehr.“

„Am liebsten mag ich Lesen und Arabisch“, ergänzt Mostafa mit einem schüchternen Lächeln. Er erzählt außerdem, dass er Arzt werden möchte. „Nach dem, was er erlebt hat, wie er gelitten hat, möchte er jetzt anderen Menschen helfen“, erklärt Zainab Ghazaleh – Sozialarbeiterin von Handicap International.

„Was für ein Arzt möchtest Du werden, Mostafa?“, fragt ihn Zainab. „Arzt für alles!“, antwortet Mostafa mit einem breiten Lächeln.

Danach zeigt er uns seinen ganzen Stolz: „Stella ist meine Hündin. Sie hat sieben Babys bekommen!“

Helfen Sie mit, dass Mostafa wieder zur Schule gehen kann, um seinen Traum zu verwirklichen – und ihn nicht aufgeben muss.

23 Juli 2015
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Ulrike Folkerts bei Opfern von Explosivwaffen in Jordanien
© Ursula Meissner/HI
Minen, Streubomben und andere Waffen Öffentlichkeitsarbeit

Ulrike Folkerts bei Opfern von Explosivwaffen in Jordanien

Im Rahmen ihrer Reise nach Jordanien besucht die HI-Botschafterin und Tatort-Schauspielerin Ulrike Folkerts Frauen, die Opfer von Angriffen mit Explosivwaffen wurden. Hier erhalten Sie Einblick in die berührenden Geschichten.

Aufruf an tausende Parlamentarier gegen Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten
© B. Almeras / Handicap International
Minen, Streubomben und andere Waffen Öffentlichkeitsarbeit Politische Kampagnenarbeit

Aufruf an tausende Parlamentarier gegen Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten

Humanity & Inclusion (die Dachorganisation, zu der Handicap International Deutschland gehört) startet eine internationale parlamentarische Initiative. Die acht nationalen Vereine von HI haben in den letzten Tagen einen gemeinsamen Brief an insgesamt 4.500 Parlamentsabgeordnete ihrer Länder geschickt. Darin fordern sie die Abgeordneten auf, sich gegen den Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten (EWIPA=explosive weapons in populated areas) einzusetzen. 92 Prozent der Opfer bei derartigen Einsätzen sind Zivilist/-innen. Die Aktion findet in Belgien, Deutschland, Frankreich, Kanada, Luxemburg, UK, USA und der Schweiz statt.

Hilfsorganisationen fordern Weltmächte auf, eine humanitäre Katastrophe in Idlib zu verhindern
© HI
Minen, Streubomben und andere Waffen Nothilfe

Hilfsorganisationen fordern Weltmächte auf, eine humanitäre Katastrophe in Idlib zu verhindern

Sollte es im Nordwesten Syriens zu einer militärischen Eskalation kommen, sind Millionen Zivilisten, die in Idlib eingeschlossen sind, von der bisher größten humanitären Katastrophe des siebenjährigen syrischen Krieges bedroht. Acht große Hilfsorganisationen fordern die führenden Politiker auf, bei ihrem heutigen Treffen alles daran zu setzen, dieses schreckliche Szenario zu verhindern.