Gehe zum Hauptinhalt

Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Nansen-Flüchtlingspreis: Arbeit von Handicap International gewürdigt

Minen und andere Waffen

Vor zwanzig Jahren, am 4. Oktober 1996, verlieh das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) Handicap International den Nansen-Flüchtlingspreis für „den Einsatz für Flüchtlinge und den Beitrag zur Kampagne gegen Antipersonenminen“. Heute wirft Jean-Baptiste Richardier, Mitbegründer von Handicap International, einen Blick zurück auf ein wichtiges Kapitel in der Geschichte unserer Organisation.

 

Die Kommissarin für Flüchtlinge der Vereinten Nationen, Frau Sadako Ogata, übergibt den Nansen Flüchtlingspreis an Dr Jean-Baptiste Richardier, Gründer von Handicap International, und Patrick Segal, den damaligen stellvertretenden Vorsitzenden der Organisation

Die UN-Kommissarin für Flüchtlinge, Frau Sadako Ogata, überreicht den Nansen-Flüchtlingspreis an Dr. Jean-Baptiste Richardier und Patrick Segal, den damaligen stellvertretenden Vorsitzenden von Handicap International | A. Hollmann / UNHCR

Was ist der Nansen-Flüchtlingspreis?

Jean-Baptiste Richardier: Der Nansen-Flüchtlingspreis wird jedes Jahr vom UN-Flüchtingshilfswerk, dem UNHCR vergeben. Mit ihm werden Einzelpersonen oder Organisationen für ihr Engagement und ihre Hilfe für Flüchtlinge geehrt.  

Wie wichtig war dieser Preis für Handicap International im Jahr 1996?

J-B.R: Erst einmal war es eine große Überraschung. Wir wussten noch nicht einmal, dass wir nominiert worden waren! Wir waren sehr bewegt, es hat uns sehr viel bedeutet. 1996 war Handicap International  noch eine relativ junge Organisation – wir arbeiteten seit 15 Jahren – mit einem rebellischen und entschlossenen Charakter. Wir kämpften dafür, dass die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung mehr und effektiver Beachtung fänden, ganz besonders wenn sie auf der Flucht waren. Wir arbeiteten in einer Reihe von Projekten sehr eng mit dem UNHCR zusammen, aber wir hatten trotzdem eine sehr unabhängige Geisteshaltung. Wir hatten den UNHCR mehr als einmal kritisiert, deshalb unsere Überraschung. Der Preis brachte uns die Aufmerksamkeit der Fachleute von ähnlichen internationalen und humanitären Organisationen.

Welche Rolle spielte Handicap International neben dem UNHCR?

J-B.R: Eine der größten Flüchtlingskrisen in der Mitte der 1990er Jahre fand an der Grenze zwischen Thailand, Laos, Kambodscha und Burma statt. Große humanitäre Einsätze gab es auch in den afghanischen Flüchtlingslagern in Pakistan. Diese beiden Krisen stellten für den UNHCR eine große organisatorische und finanzielle Herausforderung dar. Sie wurden von Partnern wie Handicap International unterstützt, und man übertrug uns die Verantwortung für eine Reihe von großen humanitären Projekten. Der Preis kam auch nur wenige Jahre, nachdem wir unsere erste Abteilung für „Minenaktion“ gegründet hatten. Wir hatten unseren ersten Einsatz zur Räumung von Landminen in Kambodscha gestartet, und konnten damit die UN unterstützen. Denn sie hatten mit der ganzen Bandbreite der Gefahren zu kämpfen, die die Minen für die Flüchtlinge in Thailand darstellten. Das war der Moment, als Handicap International das erste humanitäre Minenräumprogramm startete, und wir sind stolz darauf, unter den Pionieren im diesem Bereich gewesen zu sein. Der UNHCR wollte unsere Arbeit anerkennen. Ich würde auch sagen, dass der Preis 1996 unsere Legitimität innerhalb der internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen verstärkte – nur ein Jahr, bevor die Ottawa-Konvention das Verbot von Landminen besiegelte.

Woran erinnern Sie sich am meisten von der Zeremonie?

J-B.R: Es war eine sehr feierliche Angelegenheit, auch Mitglieder von “Geneva International” waren dabei. Frau Ogata hielt eine sehr starke Rede: „Meine Organisation verdankt Handicap International viel. Ihr arbeitet unermüdlich an der Seite von Menschen mit Behinderung […] – eure Organisation verkörpert das Beste, was humanitäre Arbeit leisten kann.“

Was hat dieser Preis für Handicap International verändert?

J-B.R: Er gab uns eine dauerhafte Sichtbarkeit in den Medien. Das Bild einer seriösen nicht-staatlichen Organisation, auf die sich die UN-Flüchtlingshilfe stützt, verstärkte zusätzlich unsere Glaubwürdigkeit bei den Spenderinnen und Spendern. Dies war ein Wendepunkt in der Geschichte unserer Organisation und vielleicht die Aufnahme in die Gruppe der Nichtregierungsorganisationen, die wirklich zählen. 

23 September 2016
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Militäreinsatz im Nordosten Syriens: Der Schutz der Zivilbevölkerung und humanitären Helfer/-innen ist lebensnotwendig
© Armelle Toucour
Minen und andere Waffen

Militäreinsatz im Nordosten Syriens: Der Schutz der Zivilbevölkerung und humanitären Helfer/-innen ist lebensnotwendig

Die jüngste Militäroffensive im Nordosten Syriens droht tausende Zivilist/-innen von Hilfe abzuschneiden und treibt viele in die Flucht, die oft schon vorher innerhalb Syriens geflohen waren. Davor warnen 15 Hilfsorganisationen, darunter Handicap International. CARE, Ärzte der Welt und Oxfam. Sie fordern die Konfliktparteien dazu auf, das humanitäre Völkerrecht uneingeschränkt zu respektieren und in dicht besiedelten Gebieten keine explosiven Waffen einzusetzen. 


 

Wiener Konferenz: Mehrheit der Staaten für mehr Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombardierungen
© B. Chapuis / HI
Minen und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit

Wiener Konferenz: Mehrheit der Staaten für mehr Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombardierungen

Wien, 2. Oktober 2019. Vertreter/-innen von 133 Staaten und der Zivilgesellschaft kamen für zwei Tage in Wien zur „Internationalen Konferenz zum Schutz der Zivilbevölkerung in der städtischen Kriegsführung“ zusammen. Die Mehrheit der Teilnehmer/-innen unterstützte die Notwendigkeit, dass das menschliche Leid, das durch den Einsatz von Explosivwaffen verursacht wird, beendet werden muss und zeigte sich dazu bereit, mit diesem Ziel an einem politischen Instrument zu arbeiten. Die Konferenz ebnete den Weg für einen Verhandlungsprozess, an dessen Ende im Frühjahr 2020 eine politische Erklärung zur Verabschiedung vorgelegt werden soll. Die Vertreter Deutschlands verpflichteten sich in Wien, konstruktiv an dem Prozess hin zu einer politischen Erklärung mit zu arbeiten. Handicap International hatte jahrelang auf die menschliche Tragödie durch die Bombardierung in Wohngebieten hingewiesen. Die Organisation begrüßte die große Anzahl an teilnehmenden Staaten und unterstrich, dass auch konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Opfer Teil der Erklärung sein müssen. 

Mahnmal für den unbekannten Zivilisten in Wien eingeweiht
© BMEIA Eugenie Berger
Minen und andere Waffen

Mahnmal für den unbekannten Zivilisten in Wien eingeweiht

Auf der Wiener Konferenz für mehr Schutz für die Zivilbevölkerung vor Bombardierungen hat die Hilfsorganisation Handicap International (HI) das „Mahnmal für den unbekannten Zivilisten“ eingeweiht. Es soll an die unzähligen zivilen Opfer bewaffneter Konflikte erinnern. HIs Kampagnendirektorin Anne Héry, der Präsident der Konferenz, Thomas Hajnoczi, der Vizepräsident des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) Gilles Carbonnier und Hansjörg Strohmeyer aus dem Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten der Vereinten Nationen (OCHA) legten Blumenschmuck nieder und wiesen auf das enorme Leid der Zivilbevölkerung hin.

 

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ