Co-Preisträger Friedensnobelpreis

Pax-Bericht: Allianz investiert weiterhin in Hersteller verbotener Streubomben

Minen und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit

Streumunition ist seit 2010 international geächtet – trotzdem investiert die Allianz immer noch in die Hersteller der tödlichen Waffen. Dies zeigt ein neuer Bericht der Menschenrechtsorganisation Pax. Die humanitäre Hilfsorganisation Handicap International fordert die Allianz auf, der internationalen Ächtung endlich zu folgen und ethische Richtlinien auf alle Geschäftsbereiche anzuwenden.

Streubombe

PAX-Bericht: „Worldwide Investments in Cluster Munitions: a shared responsibility“ | Pax

Die niederländische Organisation Pax veröffentlicht am 23. Mai bereits die achte Auflage des Berichts „Worldwide Investments in Cluster Munitions: a shared responsibility“. Darin listet Pax Finanzinstitute auf, die in einem bestimmten Mindestumfang in Hersteller von Streubomben investieren. Dem Bericht zufolge haben Tochterfirmen der Allianz den Produzenten von Streumunition seit 2013 mindestens 72 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt.

„Kein anderes deutsches Finanzinstitut investiert so hohe Summen in die Hersteller dieser menschenverachtenden Waffen“, sagt Eva Maria Fischer, Leiterin Advocacy von Handicap International in Deutschland. „Wir fordern die Allianz auf, von solch ethisch untragbaren Investitionen Abstand zu nehmen und entsprechende Richtlinien auf alle Tochterfirmen und Finanzprodukte anzuwenden“.


Die Allianz ist eines von weltweit 166 Finanzinstituten, die laut Pax-Bericht im Zeitraum zwischen 2013 und 2017 insgesamt 31 Milliarden Dollar Kredite und Dienstleistungen an sechs Hersteller von Streumunition gewährt hatten – drei Milliarden US-Dollar mehr als im vorherigen Berichtszeitraum 2012 bis 2016. Die meisten beteiligten Finanzinstitute haben ihren Sitz in den USA, China und Südkorea.

Deutschland: Streubomben geächtet – Investitionen in Hersteller nicht verboten

Seit 2010 die Konvention über ein Verbot von Streumunition in Kraft trat, dürfen diese Waffen hierzulande weder produziert, gelagert noch eingesetzt oder exportiert werden. Dies gilt für alle Staaten, die das Abkommen bisher ratifiziert haben. In anderen Staaten, insbesondere in Südkorea und China, wird Streumunition jedoch noch produziert. Das Verbot erwähnt Investitionen nicht explizit und so entscheiden die einzelnen Regierungen selbst, ob sie diese Form der Unterstützung gestatten. „Anders als viele Länder wie die Schweiz, Luxemburg, Italien oder Belgien hat die deutsche Regierung solchen Investitionen noch keine Absage erteilt, weder durch ein Gesetz, noch durch eine entsprechende Interpretation des Verbotsvertrags“, so Fischer. „Das verstößt gegen den Geist des Oslo-Vertrags.“

Streubomben machen Kriegsgebiete langfristig unbewohnbar

In aktuellen Konflikten werden die geächteten Waffen immer wieder eingesetzt. „Welches unvorstellbare Leid Streubomben anrichten, sehen wir derzeit in Syrien oder im Jemen“, berichtet Fischer. Bis zu 40 Prozent der sogenannten Submunition, die sich beim Abwurf einer Streubombe über große Flächen verteilt, bleiben als Blindgänger zurück und bringen die Bevölkerung oft auch noch in Gefahr, wenn bewaffnete Konflikte längst beendet sind.
Handicap International ist in der Projektarbeit für betroffene Menschen und Staaten regelmäßig mit den Folgen von Streubomben konfrontiert und setzt sich deshalb für eine konsequente Ächtung dieser Waffen ein. Die humanitäre Hilfsorganisation ist Gründungsmitglied der internationalen Kampagne gegen Streumunition CMC.

Lesen Sie hier den vollständigen PAX-Bericht.

Lesen Sie hier die Zusammenfassung des PAX-Berichts für Deutschland.

Lesen Sie hier Hintergrundinformationen im Faktenblatt zu Streubomben.

Informieren Sie sich weiter auf www.streubomben.de

 

23 Mai 2017
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Joint Statement: Syrien-Geberkonferenz Politische Kampagnenarbeit

Joint Statement: Syrien-Geberkonferenz

Syrien-Geberkonferenz: 11 Hilfsorganisationen warnen, dass durch die Kürzung der humanitären Mittel die Not ansteigen wird

Berlin, 31. März 2021. Die auf der Syrien-Geberkonferenz in Brüssel zugesagten finanziellen Mittel werden von Millionen Syrerinnen und Syrern im eigenen Land und in der ganzen Region dringend benötigt – mehr denn je. Die unterzeichnenden Hilfsorganisationen begrüßen die Zusagen der Länder, die ihre Mittel auf einem ähnlichen Niveau wie im letzten Jahr gehalten oder erhöht haben, wie zum Beispiel Deutschland. Es ist aber außerordentlich enttäuschend, dass zwei große Geber, Großbritannien und die USA, der Not der Menschen in Syrien den Rücken kehren. Dies wird verheerende Auswirkungen auf ihr Leben haben.

Minen-Räumung wird immer schwieriger und gefährlicher
© Gwenn Dubourthoumieu / HI
Minen und andere Waffen

Minen-Räumung wird immer schwieriger und gefährlicher

München, 30. März 2021. Anlässlich des Internationalen Tages der Aufklärung über die Minengefahr am 4. April weist die Hilfsorganisation Handicap International (HI) auf die Risiken und die hohe Verseuchung durch Landminen, explosive Kriegsreste, Sprengfallen und improvisierte Minen hin. Diese bedrohen vor allem in Wohngebieten das Leben der Zivilbevölkerung und machen die Rückkehr zu einem normalen sozialen und wirtschaftlichen Leben unmöglich. Die Räumung wird immer komplizierter und langwieriger, erklärt Handicap International und fordert außerdem, dass die Gefahrenaufklärung der Bevölkerung dringend ausgeweitet werden muss. Laut dem aktuellen Landminenmonitor sind 80% der Opfer Zivilisten und Zivilistinnen – darunter 43% Kinder.

Sechs Jahre Krieg im Jemen
© Handicap International
Minen und andere Waffen

Sechs Jahre Krieg im Jemen

Die Folgen des massiven Bomben- und Granatbeschusses von Wohngebieten im Jemen sind verheerend. Viele Städte sind mit Blindgängern und nicht explodierten Sprengkörpern verseucht. Auch Landminen wurden in dem seit sechs Jahren andauernden Krieg eingesetzt. Das Ausmaß der Zerstörung sei erschütternd, beklagt die Hilfsorganisation Handicap International e.V. (HI). Die Rückkehr der Bewohner*innen in ihre Wohnorte sei extrem gefährlich, warnt HI. Nach Kriegsende würden komplexe Räumungsaktionen erforderlich sein. Diese würden Jahrzehnte dauern, so die gemeinnützige Organisation.