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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

Afisas Geschichte: Von Bomben verfolgt

Afisa wohnt mit ihrer Familie im Erdgeschoss eines kleinen Gebäudes. Alle leben in einem einzigen Raum zusammen. Sie ist 55 Jahre alt. Sie hat neun Kinder und acht Enkelkinder, doch nur zwei Söhne sind mit ihr im Libanon.

Afisa und ihr behinderter Sohn aus Syrien.

Afisa und ihr behinderter Sohn aus Syrien. Sie verbergen ihre Gesichter, um nicht erkannt zu werden. | © Benoit Almeras / Handicap International

Ihr jüngster Sohn ist 18 Jahre und liegt auf dem Bett. „Er hat sich die Beine und den Rücken bei einem Unfall im Libanon gebrochen“, erzählt sie. Ihr anderer Sohn, 26 Jahre, wurde angeschossen. Er ist seitdem gelähmt – „aber er hat überlebt“, sagt sie.

Gott behütete uns

Wir lebten in D., südlich von Damaskus. Mein Mann war staatlicher Angestellter beim Flughafen. Ich habe mit Kindern gearbeitet und manchmal auf dem Bauernhof ausgeholfen. Gott behütete unser Haus und wir lebten in Sicherheit. 

Ganz plötzlich ging alles los. Es waren Panzer in den Straßen, Bombardierungen, Schüsse und Kämpfe überall. Eine bewaffnete Gruppe drang in unsere Stadt ein. Hunderte von Menschen wurden getötet. Wir rannten aus dem Haus. Gott allein hat meine Kinder gerettet.

Alles blieb zurück 

Eines Nachts wurden die Bombenangriffe und der Beschuss sehr intensiv. Mein Mann und ich beschlossen, dass es an der Zeit wäre, zu fliehen. Einige der Kinder schliefen trotz des Lärms noch. Ich weckte meine Tochter. Innerhalb von zehn Minuten waren wir draußen. Wir packten nur wenige Dinge ein. Ich wollte nicht viel mitnehmen. Ich dachte, wir wären in ein paar Tagen zurück, sobald alles vorüber wäre. Ich nahm ein paar Kochtöpfe mit – Frauen denken sehr praktisch. Alles andere ließen wir da. All unsere Möbel. Wir hatten eine nagelneue Waschmaschine. Wir hatten schöne, neue Kleider. Aber die wollte ich nicht ruinieren, also zogen wir nur alte Sachen an. Wir verließen unser Haus und zogen die Tür hinter uns nur zu. Wir schlossen nicht mal ab. Wozu? Das einzige, was mir in dem Moment wichtig war, war die Sicherheit meiner Kinder und Enkel. Es gab nichts Wertvolleres. 

Von den Bomben verfolgt

Wir hatten ein kleines Auto, in das wir uns alle reinquetschten. Wir ließen die Bombenangriffe hinter uns. Es war beängstigend, aber wir waren erleichtert, als wir den Bomben den Rücken zukehrten. Dieses Gefühl hielt leider nicht lange an. Überall folgten uns die Bomben, bis wir den Libanon erreichten.

Wir fuhren nach KA., eine kleine Stadt, die eine Stunde in Richtung Westen entfernt lag. Fünf Tage später fuhren wir zurück zu unserem Haus. Es war schrecklich. Alles war zerstört. Die Wahrheit ist: Wenn ich darüber nachdenke, vermisse ich nichts aus dem Haus. Was ich vermisse, ist der Frieden, den wir hatten. Ich habe meine Kinder noch. Nicht jeder hier hat dieses Glück. Ich bin sehr dankbar, dass Gott in seiner Gnade meine Kinder gerettet hat.

Keinen Ort zum Verstecken

Wir kehrten nach KA. zurück und blieben dort fünf oder sechs Monate. Aber bald begannen die Kämpfe auch dort. Es gab Explosionen auf allen Seiten und sie kamen von überall: Raketen, Bomben, Schießereien, Flugzeuge, Kämpfe zwischen verschiedenen Gruppen in allen Richtungen. Wir waren mittendrin gefangen und wussten nicht, wo wir uns verstecken sollten.

Wir flohen dann in die Stadt Z. und blieben dort etwa ein Jahr. Als es auch dort mit Bombenangriffen und Beschuss losging, mussten wir weiterziehen. Diesmal gingen wir nach KS.

Rettung in letzter Sekunde

Dort wurde mein Sohn verwundet und so mussten wir bleiben. Die Menschen dort hießen Vertriebene willkommen. Fünf Monate später wurde auch KS. bombardiert und wir flohen wieder – gerade noch rechtzeitig. Unser Haus wurde genau in dem Moment getroffen, als wir hinausgingen. Während wir wegrannten sahen wir die Bombe fallen. Dann gingen wir nach A. Aber dort blieben wir nur eine Woche, weil wir hörten, dass es im Libanon einen Arzt gäbe, der unseren Sohn behandeln könne.

Im Libanon

Mein Mann ist krank. Er hat Diabetes und kann nicht arbeiten. Mein Sohn ist Maler, aber er kann hier nicht arbeiten. Er könnte sein eigenes Geschäft aufmachen, doch er hat nicht das notwendige Werkzeug. Ich wünschte, wir könnten alle nach Europa gehen.

Jede Stimme zählt! Helfen Sie uns bei unserem Engagement gegen die Bombardierung der Zivilbevölkerung und unterzeichnen Sie unsere Petition STOP! Bombing Civilians!

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Syrien: Es ist dringend erforderlich, den Schutz von Zivilisten und humanitären Helfern zu gewährleisten.
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Syrien: Es ist dringend erforderlich, den Schutz von Zivilisten und humanitären Helfern zu gewährleisten.

Im Nordosten Syriens wiederholt sich der Kreislauf von Gewalt, Angst und Unsicherheit für die Bewohner/-innen! Wieder einmal sind Zivilist/-innen die ersten Opfer von Bombenanschlägen. Handicap International (HI) ist äußerst besorgt angesichts der militärischen Eskalation und der Bedrohung der Zivilbevölkerung. HI ruft alle Konfliktparteien auf, die Zivilbevölkerung zu schützen, insbesondere in den von Luftangriffen und Artilleriefeuer betroffenen Ballungsgebieten.

Militäreinsatz im Nordosten Syriens: Der Schutz der Zivilbevölkerung und humanitären Helfer/-innen ist lebensnotwendig
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Militäreinsatz im Nordosten Syriens: Der Schutz der Zivilbevölkerung und humanitären Helfer/-innen ist lebensnotwendig

Die jüngste Militäroffensive im Nordosten Syriens droht tausende Zivilist/-innen von Hilfe abzuschneiden und treibt viele in die Flucht, die oft schon vorher innerhalb Syriens geflohen waren. Davor warnen 15 Hilfsorganisationen, darunter Handicap International. CARE, Ärzte der Welt und Oxfam. Sie fordern die Konfliktparteien dazu auf, das humanitäre Völkerrecht uneingeschränkt zu respektieren und in dicht besiedelten Gebieten keine explosiven Waffen einzusetzen. 


 

Wiener Konferenz: Mehrheit der Staaten für mehr Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombardierungen
© B. Chapuis / HI
Minen und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit

Wiener Konferenz: Mehrheit der Staaten für mehr Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombardierungen

Wien, 2. Oktober 2019. Vertreter/-innen von 133 Staaten und der Zivilgesellschaft kamen für zwei Tage in Wien zur „Internationalen Konferenz zum Schutz der Zivilbevölkerung in der städtischen Kriegsführung“ zusammen. Die Mehrheit der Teilnehmer/-innen unterstützte die Notwendigkeit, dass das menschliche Leid, das durch den Einsatz von Explosivwaffen verursacht wird, beendet werden muss und zeigte sich dazu bereit, mit diesem Ziel an einem politischen Instrument zu arbeiten. Die Konferenz ebnete den Weg für einen Verhandlungsprozess, an dessen Ende im Frühjahr 2020 eine politische Erklärung zur Verabschiedung vorgelegt werden soll. Die Vertreter Deutschlands verpflichteten sich in Wien, konstruktiv an dem Prozess hin zu einer politischen Erklärung mit zu arbeiten. Handicap International hatte jahrelang auf die menschliche Tragödie durch die Bombardierung in Wohngebieten hingewiesen. Die Organisation begrüßte die große Anzahl an teilnehmenden Staaten und unterstrich, dass auch konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Opfer Teil der Erklärung sein müssen. 

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ