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Layals Geschichte: 16 Operationen

Layal, 23 Jahre, kommt aus Ghouta, einer Gegend östlich von Damaskus in Syrien. Sie war Hausfrau und lebte mit ihrem Mann, einem Schneider, und ihrem Sohn zusammen, bevor sie bei einem Raketenangriff verwundet wurde.

Layal aus Syrien wurde durch eine Bombe schwer an Arm und Kopf verletzt.

Layal aus Syrien ist erst 23 Jahre alt. Eine Bombe verletzte sie schwer im Gesicht und am Arm. | © Benoit Almeras / Handicap International

Eine Rakete im Haus

Die Gegend, in der wir lebten, stand schon lange unter Belagerung. Es wurde viel bombardiert und geschossen. Das Leben wurde immer gefährlicher. Nachdem ein Nachbar getötet worden war, entschlossen wir uns, in eine Mietwohnung umzuziehen. Sie lag nicht weit von unserem Haus entfernt, aber in einer Gegend, von der wir hofften, dass sie sicherer wäre. Im April 2013 war ich in der Wohnung, als eine Rakete durch die vordere Wand des Gebäudes schoss, direkt in die Wohnung hinein. Ich wurde von der Druckwelle weggeschleudert und etwas Hartes schlug an meinen Kopf. Ich verlor sofort das Bewusstsein.

Ich lag 15 Tage lang im Koma in einem kleinen Feldkrankenhaus. Jemand – ich weiß immer noch nicht wer – hatte mich dort hingebracht. Tagelang wusste niemand in meiner Familie, wo ich war. Als ich aufwachte, hatte meine Familie mich schließlich gefunden.

Krankenhaus unter Beschuss

Mein linkes Auge war vollkommen blind und ich hatte eine tiefe Wunde über dem Auge. Alle meine Zähne waren kaputt. Ich hatte Granatsplitter im Kopf und eine Gehirnverletzung. Ich erkannte nichts mehr, gar nichts, nicht einmal meinen eigenen Sohn. Mein rechter Arm war mehrfach gebrochen. Bis heute kann ich so gut wie nichts mit diesem Arm tun. Er ist zu schwach, um irgendetwas zu tragen, und ich kann die rechte Hand nicht benutzen.

Das Krankenhaus, in dem ich behandelt wurde, war alles andere als gut ausgestattet. Es glich eher einer Apotheke. Dort konnten ein paar Notbehandlungen durchgeführt werden, es fehlte aber an der nötigen Ausrüstung. Außerdem war es ein angsteinflößender Ort. Es wurde oft beschossen. Wir warteten alle im Keller, damit uns die Bomben nicht erreichen konnten. Ich fühlte mich trotzdem nicht sicher. Wir wussten, dass es eine Zielscheibe war. Alle Krankenhäuser waren Zielscheiben.

Behandlung nur in Damaskus

Ein paar Monate später gelang es meiner Familie, mich in ein Krankenhaus in Damaskus zu bringen, wo ich operiert wurde. Damals konnte man die Grenzlinie noch überqueren. Es war schwierig und gefährlich, aber es war möglich. Ich ging, weil ich an dem vorherigen Ort keine angemessene Behandlung finden konnte. In Damaskus setzten sie mir mehrere Metallschienen ein, um meine gebrochenen Knochen zu fixieren. Ich kam zurück nach Hause. Doch als es an der Zeit war, die Metallschienen wieder zu entfernen, wurden wir wieder belagert. Es war nicht mehr möglich, nach Damaskus zu gelangen.

Also ging ich in ein Feldkrankenhaus in Ghouta. Dort wurde ich nochmals operiert. Aber die Operation ging schief, weil die richtige Ausrüstung fehlte. Zweieinhalb Jahre lang wurde mein Zustand immer schlechter. Wir hatten nicht viel zu essen. Oft gab es nur Brot als Mahlzeit. Ich hatte ständig Schmerzen und unerträgliche Kopfschmerzen. Sobald wir unter Belagerung standen, gab es keine Medikamente mehr. Selbst Antiseptika und Schmerzmittel waren kaum noch zu finden. Da ich meine Wunden nicht ordentlich säubern konnte, infizierte sich mein Arm. Er war angeschwollen und entzündet.

Gefährliche Reise

Es gab keine Medizin mehr. Nichts mehr. Mit der Wunde über meinem Auge fühlte ich mich entstellt. Ich wollte nicht, dass mich die Leute sahen. Ich schämte mich. Aber ich wollte auch kein Mitleid. Ich wollte meinen Stolz und mein Gesicht zurückgewinnen. Ich wusste, dass ein guter Chirurg das erreichen konnte. Deswegen versuchte ich, wieder nach Damaskus zu gehen. Damals gab es ein Netzwerk von Tunneln, die in die belagerte Enklave hinein und hinaus führten. Die Tunnel wurden von den Kämpfern genutzt, aber auch als Weg, um Nahrungsmittel und Medikamente zu liefern.

Im Mai 2015 ging ich durch die Tunnel zurück nach Damaskus. Dieses Mal wurde eine ganze Reihe von Operationen durchgeführt. Die Metallschienen mussten entfernt und neue eingesetzt werden. Es musste Knochen aus meinem Bein entnommen werden. Eine Weile lang konnte ich nicht gehen. Die Hälfte meines Körpers war beinahe gelähmt. Etwas stimmte nicht mit meinem Gehirn und meinem Nervensystem. Ich musste nichts bezahlen, eine Hilfsorganisation übernahm die Kosten. Letztlich dauerten die Operationen fast nochmal ein Jahr.

16 Operationen

Nach einem Jahr und 16 Operationen fühlte ich mich besser. Ich habe immer noch viele Schmerzen. Die Kopfschmerzen sind nicht ganz weg. Ich habe viel durchgemacht, ich hatte einfach genug. So viele Schießereien und Bomben. Überall Krieg. Ich habe mehr gesehen, als jemand meines Alters sehen sollte. Viel mehr, als jemand in meinem Alter ertragen kann.

Ich habe einen kleinen Sohn, er ist jetzt fünf Jahre. Ich wollte einen sicheren Ort für uns. Meine Schwiegereltern waren schon im Libanon. Meine Schwiegermutter hat bei einem Bombenangriff ein Bein verloren, dabei wurde ihr Sohn und auch ihre Tochter getötet. Sie war schon hier, also kamen wir hierher, um mit ihr zusammen zu leben. Alle in einem Raum.

Meine Gefühle, meine Ängste und meine Stimmung spiegeln sich alle in meinem Sohn wieder. Er hat viel gesehen. Er will viel allein sein. Er ist sehr introvertiert. Ich bin jung. Ich möchte leben. Ich bin erst 23 Jahre. Es ist genug. Ich will das Ende der Bombardierungen in Syrien mit meinen eigenen Augen sehen.

Jede Stimme zählt! Helfen Sie uns bei unserem Engagement gegen die Bombardierung der Zivilbevölkerung und unterzeichnen Sie unsere Petition STOP! Bombing Civilians!

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© Handicap International
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Martina Vohankova stammt aus Tschechien und arbeitet bei Handicap International Syrien als Projektmanagerin für Gesundheit und Minenaktion. Angefangen in 2012 arbeitete sie erst für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe in Uganda, Kambodscha und im Südsudan. In den vergangenen zwei Jahren war Martina im Nahen Osten tätig, zunächst im Irak. Seit Mai 2016 wirkt sie bei Handicap International im Syrien-Krisen-Programm mit. Hier erzählt sie uns von ihrer Arbeit.

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