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Osama möchte seinen Kindern ein Vorbild sein

Inklusion Minen und andere Waffen Rechte von Menschen mit Behinderung
Libanon Syrien

In Syrien war Osama ein erfolgreicher Jungunternehmer. Nach seinem Studium gründet er eine eigene kleine Firma in einem Vorort der Hauptstadt Damaskus. Dann der Rückschlag: Nach einem Raketeneinschlag ist Osama querschnittsgelähmt. Aufgeben ist dennoch keine Option. Ein Jahr später flüchtet er aus Syrien in den Libanon und beginnt ein neues Leben.

Zu sehen ist Osama, im Rollstuhl sitzend und einen Holzstuhl anfertigend.

Jemand, der anpackt - Osama in der Werkstatt seines Onkels | © T. Mayer / Handicap Internationa

Text: Till Mayer

Ein Lächeln, das Hoffnung schenkt

Der Besuch schmerzt. Wie jedes Mal, wenn Osama mit seinem verbeulten Kia knirschend auf dem Schotter vor den Flüchtlingsbehausungen hält. Ein halbes Dutzend Hütten, hastig zusammengenagelt aus Balken, Brettern und Plastikplanen. Windschief stehen sie am Rand einer staubigen Straße, irgendwo auf einer Wiese im Bekaa-Tal.

Osama hasst den traurigen Anblick. Dann sieht er durch das Seitenfenster in ein breites und bekanntes Grinsen, das schon fast auf der Scheibe klebt. Osama kann sich ein Lächeln nicht verkneifen: Meydan hat schon den Rollstuhl aus dem Kofferraum geholt, aufgeklappt und bereitgestellt.

Zu sehen ist Osama im Rollstuhl, im Hintergrund sein Freund Meydan. Osama, 34, und Meydan, 39, haben das gleiche Schicksal. Raketeneinschläge veränderten das Leben der beiden Männer aus Syrien für immer. In Osamas Rücken stecken immer noch Splitter, er ist querschnittgelähmt. Auf den ersten Blick hatte Meydan wohl mehr Glück. Die Schrapnelle aus seinem Bein konnten entfernt werden, er kann wieder gehen. Doch zwei seiner Brüder überlebten den Angriff nicht. Als Meydan im Libanon ankommt, ist er schwer an Körper und Seele verwundet. „Ich habe mich geschämt, dass meine Brüder gestorben sind, aber nicht ich. Osama hat mir damals geholfen.“

„Ich habe einen wunderbaren Freund gewonnen, ist das nicht ein schöner Lohn?“

Osama

Opfer des Krieges

Osama, der so gut zuhören kann. Der sich jeden Satz genau überlegt, bevor er spricht. Der ein aufmunterndes Lächeln schenkt. Selbst, wenn er Sekunden später kurz vor Schmerzen ächzt. Weil sich der Krieg in seine Muskeln, Sehnen und Nervenbahnen gefressen hat. Dabei hätte Osama allen Grund, selbst zu verzweifeln. Früher lief alles so gut für ihn. Mit 22 Jahren startet er nach dem Studium in einem Vorort von Damaskus eine kleine Firma. 25 Handwerker arbeiten für ihn. Selfmade-Mann Osama schreibt seine Erfolgsgeschichte, 2013 macht sie der Bürgerkrieg zunichte.

Der Neubeginn

„Haus, Werkstatt und Maschinen sind zerstört“, sagt Osama schlicht. Er erzählt, wie seine Familie zu einem Onkel nahe der Grenze auf libanesischer Seite flüchtet. Er muss rasch lernen, mit seiner Behinderung zu leben. „Ich wollte meinen Kindern weiterhin ein Vorbild sein, und meiner Frau ein guter Mann. Und ich habe eine Chance gehabt“, sagt Osama. Die Chance ist die Werkstatt seines Onkels. Osama bringt sein Knowhow ein. Er führt die Buchhaltung und hilft an den Maschinen. Mit Erfolg. Bis zu 15 Menschen arbeiten jetzt bei guter Auftragslage in dem Familienbetrieb, mehr als doppelt so viele wie früher.

Osama will helfen. Darum engagiert er sich in einer Selbsthilfegruppe, ist Mutmacher und Zuhörer für Menschen, die wie Meydan drohen, an ihrem Trauma zu zerbrechen.

Mehr von Journalist Till Mayer über Osamas Neubeginn und eine Bildergalerie finden Sie auf Spiegel Online
29 Juni 2016
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