Gehe zum Hauptinhalt

Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

„Ihr habt mir geholfen, wieder stark zu werden”

Minen und andere Waffen
Jemen

An jenem Morgen geht Fatehia wie jeden Tag zur Schule; fröhlich quatschend mit ihrer Schwester und ihren Freunden. Nur ein paar Stunden später zerreißt ein Luftangriff das Leben dieses fröhlichen Mädchens. Eine Bombe wird nahe der Schule abgeworfen und explodiert. Panik bricht aus. Fatehia und alle anderen Schüler/-innen rennen aus den Klassenzimmern und stürzen in den Innenhof. Dann trifft eine zweite Bombe auf die Kinder im Schulhof. Wafaa, die Freundin von Fatehia, stirbt sofort, direkt neben ihr. Fatehia ist schwer getroffen und verliert das Bewusstsein. Auch der stellvertretende Schulleiter wird bei der Explosion getötet.

Fatehia bei der Behandlung im Reha-Zentrum

Fatehia bei der Behandlung im Reha-Zentrum | © ISNA Agency / HI

Fatehias Vater hört die Explosionen und eilt besorgt zur Schule, wo er seine Tochter schwer verletzt vorfindet. Ihr Bein wurde abgerissen. Er bringt Fatehia selbst in das nächstgelegene Krankenhaus, wo die Ärzte sie sofort notoperieren. Danach bleibt das achtjährige Mädchen zwei Wochen lang im Krankenhaus. Sie erinnert sich: „Ich habe immer wieder an meine Freundin und meine Schwester gedacht. Ich habe immer nach ihnen gefragt. Als ich meine Schwester wiedersah, war ich so erleichtert, da ging es mir gleich besser. Aber ich fragte ständig nach Wafaa, meiner besten Freundin. Dann sagte mir mein Vater, dass sie tot sei. Ich weinte viel, aber meine Familie hat mich getröstet. Dann begann ich mich zu fragen, ob ich jemals wieder laufen könnte. Sie brachten mir Krücken. Ich hasste sie, weil ich damit so hässlich aussah.“ Fatehia verliert ihre Lebensfreude. Sie ist verzweifelt und frustriert. Sie isoliert sich, geht kaum mehr aus dem Haus und spricht kein Wort mehr.

Nach dieser Tragödie verlässt die traumatisierte Familie ihr Zuhause und zieht in die Hauptstadt Sanaa. Die Eltern und die Kinder sind, wie Tausende andere Familien im Jemen, Binnenflüchtlinge im eigenen Land geworden. Ein hartes Leben. 
Fast zwei Jahre vergehen, ehe Fatehia ins Rehabilitationszentrum nach Sanaa kommt. Begleitet wird sie von ihrem Vater, ihrem Onkel, der Schwester und dem Bruder. Alle sind aufgeregt und wollen wissen, ob sie wieder laufen können wird. Die Orthopädietechniker von HI empfangen sie sehr freundlich, beruhigen sie erst einmal und erklären ihr dann den Ablauf und die Ziele der geplanten Behandlung. Sie soll eine Beinprothese erhalten, mit der sie wieder gehen kann. Gleichzeitig erkennt das Team von HI, dass die Familie seit dem Bombenangriff traumatisiert ist. So bietet es der Familie zusätzlich psychologische Betreuung an. Seither kommen Fatehia und ihr Vater regelmäßig ins Reha-Zentrum und nehmen auch an der psychosozialen Betreuung teil.

Innerhalb weniger Monate verändert sich Fatehia stark. Das verstörte und verletzte Mädchen beginnt, wieder nach vorne zu schauen. Dank der Einzel- und Gruppengespräche in der psychosozialen Unterstützung kann sie ihre Behinderung langsam akzeptieren. So fängt sie nach einer langen Zeit des Verstummens allmählich an zu sprechen, Ideen auszutauschen und neue Freunde zu finden. Sie ist sehr humorvoll und lacht viel über alles. Und sie entwickelt Ehrgeiz. In der Tat kann sie nichts mehr aufhalten, seit sie endlich wieder laufen kann: Sie will Zahnärztin werden, aber auch nebenher Künstlerin. Sie kann hervorragend mit dem Bleistift zeichnen.
„Ich danke dem ganzen Team von HI, denn ihr habt mein Leben trotz der Behinderung besser gemacht. Ihr habt mir geholfen, meine Behinderung zu akzeptieren, damit umzugehen und wieder mit der Außenwelt zu kommunizieren. Ihr habt mir geholfen, wieder stark zu werden“, erklärt sie.

Wir sind überzeugt, dass Fatehia, so enthusiastisch und organisiert wie sie ist, es weit bringen wird!
 

21 Oktober 2019
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Syrien: Es ist dringend erforderlich, den Schutz von Zivilisten und humanitären Helfern zu gewährleisten.
© W. Daniels / HI
Minen und andere Waffen

Syrien: Es ist dringend erforderlich, den Schutz von Zivilisten und humanitären Helfern zu gewährleisten.

Im Nordosten Syriens wiederholt sich der Kreislauf von Gewalt, Angst und Unsicherheit für die Bewohner/-innen! Wieder einmal sind Zivilist/-innen die ersten Opfer von Bombenanschlägen. Handicap International (HI) ist äußerst besorgt angesichts der militärischen Eskalation und der Bedrohung der Zivilbevölkerung. HI ruft alle Konfliktparteien auf, die Zivilbevölkerung zu schützen, insbesondere in den von Luftangriffen und Artilleriefeuer betroffenen Ballungsgebieten.

Militäreinsatz im Nordosten Syriens: Der Schutz der Zivilbevölkerung und humanitären Helfer/-innen ist lebensnotwendig
© Armelle Toucour
Minen und andere Waffen

Militäreinsatz im Nordosten Syriens: Der Schutz der Zivilbevölkerung und humanitären Helfer/-innen ist lebensnotwendig

Die jüngste Militäroffensive im Nordosten Syriens droht tausende Zivilist/-innen von Hilfe abzuschneiden und treibt viele in die Flucht, die oft schon vorher innerhalb Syriens geflohen waren. Davor warnen 15 Hilfsorganisationen, darunter Handicap International. CARE, Ärzte der Welt und Oxfam. Sie fordern die Konfliktparteien dazu auf, das humanitäre Völkerrecht uneingeschränkt zu respektieren und in dicht besiedelten Gebieten keine explosiven Waffen einzusetzen. 


 

Wiener Konferenz: Mehrheit der Staaten für mehr Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombardierungen
© B. Chapuis / HI
Minen und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit

Wiener Konferenz: Mehrheit der Staaten für mehr Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombardierungen

Wien, 2. Oktober 2019. Vertreter/-innen von 133 Staaten und der Zivilgesellschaft kamen für zwei Tage in Wien zur „Internationalen Konferenz zum Schutz der Zivilbevölkerung in der städtischen Kriegsführung“ zusammen. Die Mehrheit der Teilnehmer/-innen unterstützte die Notwendigkeit, dass das menschliche Leid, das durch den Einsatz von Explosivwaffen verursacht wird, beendet werden muss und zeigte sich dazu bereit, mit diesem Ziel an einem politischen Instrument zu arbeiten. Die Konferenz ebnete den Weg für einen Verhandlungsprozess, an dessen Ende im Frühjahr 2020 eine politische Erklärung zur Verabschiedung vorgelegt werden soll. Die Vertreter Deutschlands verpflichteten sich in Wien, konstruktiv an dem Prozess hin zu einer politischen Erklärung mit zu arbeiten. Handicap International hatte jahrelang auf die menschliche Tragödie durch die Bombardierung in Wohngebieten hingewiesen. Die Organisation begrüßte die große Anzahl an teilnehmenden Staaten und unterstrich, dass auch konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Opfer Teil der Erklärung sein müssen. 

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ