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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Afghanistan: Die Zivilbevölkerung vor explosiven Kriegsresten schützen!

Minen und andere Waffen Öffentlichkeitsarbeit
Afghanistan

Handicap International appelliert an alle an ISAF beteiligten Staaten, die mit explosiven Kriegsresten kontaminierten Gebiete zu markieren und zu räumen. In letzter Zeit hatten sich Unfälle gehäuft.

Anlässlich der Rückzugsplanung aus den militärischen Operationen in Afghanistan, appelliert Handicap International an alle an ISAF beteiligten Staaten, umgehend die mit explosiven Kriegsresten kontaminierten Gebiete zu markieren und zu räumen. Militärstützpunkte und Schießstände werden derzeit in schnellem Tempo geschlossen. Explosive Kriegsreste, die das Militär dort gelagert, zurückgelassen oder gebraucht hat, werden dabei nicht systematisch geräumt. Außerdem wurden bisher keine Karten verfügbar gemacht, auf denen von ISAF-Operationen kontaminierte Gebiete verzeichnet sind. Weitere Tausende Quadratkilometer des ohnehin stark verminten Landes sind jetzt mit explosiven Kriegsresten der ISAF-Operationen verseucht. Dies stellt eine lebensbedrohliche Gefahr für die Menschen in diesen Regionen dar, denen diese Risiken bisher kaum bewusst sind. Laut der UN-Unterstützungsmission für Afghanistan UNAMA ist die Zahl der gemeldeten zivilen Opfer von explosiven Kriegsresten 2013 und 2014 dramatisch gestiegen. Handicap International fordert deshalb auch, allen Opfern des Konflikts vorbehaltlos und unparteiisch Unterstützung zu gewähren, indem entsprechende Maßnahmen aus bei den UN zusammengelegten Mitteln finanziert werden.

Zum Markieren, Sichern, Entfernen und Zerstören explosiver Kriegsreste sowie zur Unterstützung der Opfer verpflichtet Protokoll V der Konvention über das Verbot oder die Beschränkung des Einsatzes bestimmter konventioneller Waffen, der die meisten ISAF Mitgliedsstaaten angehören. Doch internationale Militärstützpunkte und Schießstände, die seit 2010 geschlossen und deren Gebiete nacheinander an die Zivilbevölkerung zurückgegeben werden, wurden nicht systematisch von explosiven Kriegsresten geräumt. „Eine der zentralen Herausforderungen ist es, genaue Daten von den Militärstreitkräften zu erhalten. Die Regierungen der ISAF Mitgliedsstaaten, einschließlich der großen europäischen Mächte und der USA, müssen ein Budget zur Räumung von explosiven Kriegsresten bereitstellen und eine Dekontaminierungsstrategie festlegen, auch wenn sie ihre Truppenabzüge intensivieren“, sagt Anna Nijsters, Direktorin der ENNA, einem in Brüssel basierten Europäischen Netzwerk von in Afghanistan tätigen Nicht-Regierungs-Organisationen, zu dem auch Handicap International gehört.

Die UN-Unterstützungsmission für Afghanistan UNAMA benennt in ihrem Halbjahresbericht (S. 66/67) einen 14-prozentigen Anstieg ziviler Opfer durch explosive Kriegsreste in den ersten sechs Monaten des Jahres 2014, verglichen mit dem gleichen Zeitraum 2013. Von 206 betroffenen Menschen waren drei Viertel Kinder. Bereits von 2012 auf 2013 waren die Opferzahlen dramatisch um 63 % angestiegen (343 Opfer insgesamt, 83 % Kinder).

Rahmatulla Gholam Reza wurde im Alter von neun Jahren Opfer einer Landmine. Heute ist er ein aktives Mitglied der Gruppe „Ban Advocates“ von Handicap International, die auf weltweiten Veranstaltungen und Konferenzen die Forderungen der Überlebenden von Unfällen mit explosiven Kriegsresten vertritt. Rahmatulla sorgt sich um die afghanischen Opfer, besonders die Kinder: „Mein Land war schon eines der am meisten kontaminierten Länder der Welt, bevor die ISAF intervenierte. Wir müssen nun sicherstellen, dass die NATO-Mitgliedstaaten ihren Verpflichtungen zum Markieren und Räumen explosiver Kriegsreste nachkommen, damit nicht noch mehr Kinder zu Opfern werden.  Ich habe beide Beine als Kind verloren, als ich auf eine Landmine trat. Das hat mein Leben seither komplett verändert. Ich möchte nicht ansehen müssen, wie anderen das Gleiche passiert“.

Handicap International ist seit 1996 in Afghanistan tätig. Mehr als 180 Menschen, darunter mehrere Opfer von Minen und explosiven Kriegsresten, arbeiten in den Bereichen physische Rehabilitation, Opferunterstützung und Risikoaufklärung über explosive Kriegsreste.

28 August 2014
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