Gehe zum Hauptinhalt

Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Anne Filorizzo, psychosoziale technische Beraterin, arbeitet für Handicap International in Jordanien

Nothilfe Rechte von Menschen mit Behinderung Vorsorge und Gesundheit
Jordanien

Die 32-jährige ist seit dem 20. August 2013 für Handicap International in Jordanien tätig. Für uns berichtet Anne Filorizzo über Ihre Arbeit.

Bitte beschreiben Sie kurz Ihren Job bei Handicap International!

In meinem ersten Monat bei Handicap International arbeitete ich eine Strategie für die psychosozialen Aspekte der Reha-Programme aus. Gleichzeitig war ich verantwortlich für die Rekrutierung des Teams, die Ausbildung der Sozialarbeitenden und Fachkräfte für Physiotherapie in der psychosozialen Ersten Hilfe, in dem ich die benötigte Hilfe definiert habe und bestimmt habe, wie die Betroffenen in den verschiedenen Phasen ihrer Behinderung/Schutzbedürftigkeit behandelt werden sollten.
Als das Team dann rekrutiert war, fokussierte ich mich auf die Verbesserung der Qualität der Maßnahmen, in dem ich auf direktes Feedback, Supervision und partizipative Trainingstechniken zurückgriff.
Ich nahm außerdem an diversen externen Meetings zu psychischer Gesundheit und psychosozialer Unterstützung Teil. Das Ziel dieser Meetings war es, Netzwerke aufzubauen, um die Kontexte aus psychologischer Sicht besser zu sehen, und um unsere Überweisungskapazitäten und den Informationsfluss zu verbessern. Trainings in Bezug auf Behinderung wurden außerdem durchgeführt, um anderen NGOs zu helfen, richtig mit Kindern mit sensorischen und physischen Behinderungen umzugehen.
Derzeit schaffe ich vor allem Tools für Gruppenunterstützungen, Projektionsaktivitäten und Familienmediation, die in unseren Programmen als Teil unserer Maßnahmen eingesetzt werden sollen.

Was ist Ihre wichtigste Motivation in der Arbeit für Handicap International?

Ich habe mich während meines Masters auf das Gebiet der Behinderung spezialisiert. Ich besitze eine ausführliche klinische Erfahrung in der Unterstützung von Menschen in Not und im Verständnis der Zusammenhänge mit Mangelernährung und war begierig darauf, in meiner praktischen Arbeit wieder zurück zu diesem spezifischen Feld zu kommen. Jetzt wo ich weiß, wie Handicap International arbeitet, würde ich die psychosozialen und psychologischen Aspekte sogar als noch wichtiger für die Rehabilitation einschätzen. Ich betrachte das Entwickeln einer optimalen, akkuraten und frühzeitigen Unterstützung im Kontext eines Konfliktes als große Herausforderung.

Beschreiben Sie bitte die wichtigste Erfahrung während dieser Zeit. Wie fühlen Sie sich?

Meine wichtigste Erfahrung war die erste Überprüfung der Art und Weise, wie die psychosozialen Arbeiter im Team arbeiten. Sie kommen nun mit neuen Vorschlägen zurück und werden die Gruppe voranbringen. Die Nachsorge ist akkurater geworden und besser an die zu Versorgenden angepasst – einige von ihnen sind von Phasen der Ablehnung und der Wut in neue Phasen übergegangen, wo sie nun darüber sprechen, sich sozialisieren etc…. und manche haben sogar schon wieder angefangen zu lächeln. All die Energie, die wir einsetzen, ist es wert – aber es bleibt noch viel zu tun.

Was denken Sie über die aktuelle Krise? Wie haben sich die Umstände der Flüchtlinge verändert?

Die ersten Wellen der Flüchtlinge bestanden aus Menschen, die ihr Land verlassen haben, in dem Glauben, dass es nur für ein paar Monate sein würde. Vor einem Jahr kamen Menschen in Jordanien mit hohen Erwartungen an, sie fragten nach Wohnwägen und forderten Unterstützung, und träumten noch immer davon, bald wieder heimzukehren.
In den letzten Monaten haben die Flüchtlinge einfach genommen, was ihnen angeboten wurde. Es gab weniger Beschwerden und weniger Erwartungen, sie haben ihre Träume in Syrien gelassen. Sie sind diejenigen, die drei Jahre Krieg überlebt haben und nun doch vertrieben wurden – oft nur mit einer Tüte und einer Decke ausgestattet.
Wie ich mich fühle? Ich muss sagen, dass ich mich sehr um die nächsten Monate sorge und auch um die Situation nach dem Konflikt. Der angerichtete psychologische Schaden ist enorm und tief verwurzelt – eine Menge Wunden sind noch nicht bereit zu heilen.

Warum denken Sie, dass Ihre und die Arbeit von Handicap International insgesamt wichtig sind?

Wenn ein Flüchtling oder irgendein Mensch in Not nicht willkommen ist und nicht wie ein Mensch behandelt wird, dann würde ich sagen, dass kein einziges Programm helfen kann. Genau deswegen glaube ich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Handicap International qualitativ hochwertige Trainings erhalten sollen, wie man gute psychosoziale Unterstützung anbieten kann – und zwar auf der Basis von Empathie und den IACS Richtlinien.
Ich finde, dass die Beratertätigkeit es viel einfacher macht, die aktuelle Situation sowie die Maßnahmen von Handicap International treffend zu analysieren. Ich würde sagen, dass die psychosoziale Unterstützung ein essentieller Teil jedes Einsatzes sein muss, wenn wir die Qualität unserer Ansatzes, unserer Versorgung und unserer Behandlung der Menschen stetig verbessern wollen.

13 März 2014
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Humanitäre Hilfe: Eine Geschichte des Mitgefühls
© Gilles Lordet / HI
Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie

Humanitäre Hilfe: Eine Geschichte des Mitgefühls

Am Montag, 19. August, ist Welttag der Humanitären Hilfe. Anlass genug, einen unserer engagierten Mitarbeiter zu Wort kommen zu lassen. Tichaona Mashodo leitet das mobile Einsatzteam im Südsudan. Im Interview blickt er auf die letzten zehn Jahre seines humanitären Engagements zurück.

Kurs zur inklusiven Sanitärversorgung in der Nothilfe
© GTO/THW
Inklusion Nothilfe

Kurs zur inklusiven Sanitärversorgung in der Nothilfe

Das Projekt „Phase 2 – Leave no one behind“ hat bei einem Simulationstraining des Technischen Hilfswerks und der German Toilet Organization deutsche humanitäre Akteure zum Bau von inklusiven Sanitäranlagen in der humanitären Hilfe geschult und ihnen einen umfassenden Überblick zu den Herausforderungen und Möglichkeiten geboten.

UN-Sicherheitsrat erkennt die Rechte von Menschen mit Behinderung in bewaffneten Konflikten an
© Martin Crep/HI
Inklusion Nothilfe Rechte von Menschen mit Behinderung

UN-Sicherheitsrat erkennt die Rechte von Menschen mit Behinderung in bewaffneten Konflikten an

Zum ersten Mal überhaupt hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Resolution über Menschen mit Behinderung in bewaffneten Konflikten verabschiedet. Dies ist ein bedeutender Fortschritt für Menschen mit Behinderung, die in Krisensituationen besonders gefährdet sind und bei der humanitären Hilfe oft übersehen werden.

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ