Gehe zum Hauptinhalt

Äthiopien: Zugang zu Trinkwasser für jedermann

Nothilfe Rechte von Menschen mit Behinderung Vorsorge und Gesundheit
Äthiopien

Mitte Oktober hat Handicap International damit begonnen, im Süden Äthiopiens Trinkwassertanks anzulegen. Dies wird Leben retten und nachhaltige Lösungen bieten für die gegenwärtigen Konflikte, die im Kampf um Ressourcen begründet liegen.

Auch wenn die Medien nicht länger über die gewaltige Dürre berichten, die das Horn von Afrika im Jahr 2011 getroffen hatte, leiden Teile der Bevölkerung weiterhin unter ihren Folgen. In einigen Gebieten in der Region Somali in Äthiopien, die dieses Jahr unterdurchschnittliche saisonale Regenfälle hatte, wird bald das Wasser knapp. Handicap Internation wird daher mehrere Trinkwassertanks bauen und erneuern sowie versuchen, die sanitären Verhältnisse zu verbessern. Dabei wird Menschen mit Behinderung besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

„Aufgrund der Dürre haben die Konflikte zwischen Clans in der Region, wo der Zugang zu Wasserquellen schon immer Konflikte verursacht hat, deutlich zugenommen“, sagt Matteo Caprotti, der  Direktor des Äthiopienprogramms von Handicap International. „Die Gewalt hat zur Vertreibung von Tausenden von Menschen geführt. Im Jahr 2012 haben sich etwa 30.000 inneräthiopische Flüchtlinge im Bezirk Filti wiederangesiedelt, mit nichts als ein paar persönlichen Habseligkeiten. Ihre dramatische Situation ist das Ergebnis des Konkurrenzkampfs mit den aufnehmenden Gemeinden, die ohnehin selbst schon arm sind [1] und nun noch eine weitere Herausforderung erleben“, sagt Matteo.

„Für die Binnenflüchtlinge beträgt die verfügbare Wassermenge zwischen 4 und 7 Litern pro Tag pro Person, verglichen mit dem Überlebensminimum von 15 Litern pro Tag“, beschreibt Matteo die dramatische Situation. „Zusätzlich ist das Wasser auch noch von geringer Qualität, so dass es beträchtliche Gesundheitsrisiken birgt. In den betroffenen Gebieten leiden fast 25 Prozent der Kinder an durch Wasser übertragene Krankheiten [2], wie zum Beispiel Infektionen der Atem- oder Harnwege, die, wenn sie unbehandelt bleiben, zu chronischen Erkrankungen führen. Um Wasser zu holen, legen Frauen und Mädchen täglich Wege von mehr als sechs Stunden zurück, was sie sehr der Gefahr sexueller Gewalt aussetzt.“

„Die Bereitstellung grundlegender Versorgungseinrichtungen für die Binnenflüchtlinge, wie Wasser und sanitäre Einrichtungen, wird daher nicht nur Leben retten, sondern auch eine wirksame Integration dieser Menschen in die örtlichen Gemeinden unterstützen. Diese Integration ist lebensnotwendig, da die gegenwärtigen Spannungen neue Konflikte heraufbeschwören und die jetzt schon brüchige Situation weiter verschlimmern könnten.“

Mitte Oktober begann Handicap International mit dem Bau von drei „Birkas“. Eine Birka ist ein unterirdischer Wasserbehälter, in dem während der Regenzeit Regenwasser für den Gebrauch während der Trockenzeit gesammelt wird. Ihr Bau kostet etwa 50.000 Dollar. „Jede Birka kann 1.500 Personen mindesten 50 Tage lang mit Wasser versorgen und in der Folge Leben retten, indem die Krankheitsbelastung verringert wird“, erklärt Matteo Caprotti. „Drei schlecht funktionierende Birkas werden zudem wiederhergestellt. Bewusstseinsbildende Aktionen werden organisiert, medizinisches Personal wird trainiert und Mütter in Hygienemaßnahmen zur Vorbeugung von Krankheiten unterwiesen. Insgesamt 2.000 Hygiene-Sets werden verteilt.“

Versorgungsleistungen für Menschen mit Behinderung

„Besondere Aufmerksamkeit  widmen wir Menschen mit Behinderung, da der Zugang zu Wasser für jemanden mit eingeschränkter Beweglichkeit noch zusätzlich erschwert ist. Jede fünfte Latrine wird behindertengerecht ausgerüstet und das Wasserverteilungssystem wird den Zugang für ältere und behinderte Menschen gewährleisten“, sagt  Matteo.

_______________________________________________________________________________________

[1] Äthiopien mit einer Bevölkerung von etwa 83 Millionen Menschen ist eines der ärmsten Länder der Welt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden bei zentralen Indikatoren der humanen Entwicklung deutliche Fortschritte erzielt. Der Armutsanteil, der 1999/2000 bei 56% lag, sank bis 2006/07 auf 39%. Trotzdem haben die meisten Haushalte keinen oder nur sehr begrenzten Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, vor allem in ländlichen Gebieten oder in Bauern- und Hirtengemeinden.

[2] Der Begriff „Durch Wasser übertragene Krankheit (waterborne disease)“ ist im Wesentlichen beschränkt auf Infektionen, die überwiegend durch den Kontakt mit oder den Konsum von infiziertem Wasser übertragen werden.

15 November 2013
Weltweites Engagement:
HELFEN
Sie mit

Lesen sie weiter

Über 10.000 Flüchtlinge in Burundi: HI hilft den Schutzbedürftigsten
© Terre des Hommes/HI
Nothilfe

Über 10.000 Flüchtlinge in Burundi: HI hilft den Schutzbedürftigsten

Infolge von andauernden gewaltsamen Auseinandersetzungen im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind seit dem 24. Januar mehr als 10.000 Menschen nach Burundi geflohen. HI evaluiert seither vor Ort die Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerung und plant einen Nothilfeeinsatz.

Acht Jahre nach dem Erdbeben in Haiti: Moïse spielt wieder Fußball!
© Fred Mogin / HI
Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie

Acht Jahre nach dem Erdbeben in Haiti: Moïse spielt wieder Fußball!

Am 12. Januar 2010 wurde Haiti von einem Erdbeben getroffen. Mehr als 200.000 Menschen wurden getötet und viele verletzt. Moïse, damals vier Jahre alt, hat sein linkes Bein verloren. Dank der Unterstützung von Handicap International (HI) hat er eine Prothese und Reha-Maßnahmen erhalten.

Mithilfe der Unterstützung von HI während der letzten acht Jahre ist Moise heute nicht mehr zu stoppen!

Ein Interview mit Martina Vohankova
© Handicap International
Minen, Streubomben und andere Waffen Nothilfe Politische Kampagnenarbeit

Ein Interview mit Martina Vohankova

Martina Vohankova stammt aus Tschechien und arbeitet bei Handicap International Syrien als Projektmanagerin für Gesundheit und Minenaktion. Angefangen in 2012 arbeitete sie erst für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe in Uganda, Kambodscha und im Südsudan. In den vergangenen zwei Jahren war Martina im Nahen Osten tätig, zunächst im Irak. Seit Mai 2016 wirkt sie bei Handicap International im Syrien-Krisen-Programm mit. Hier erzählt sie uns von ihrer Arbeit.