Gehe zum Hauptinhalt

Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Drohnen zur Minenerkennung: eine Revolution der Minenräumung?

Minen und andere Waffen
Tschad

In Zusammenarbeit mit Zukunftstechnologie-Unternehmen plant Handicap International einen Test von Minensuchdrohnen. Die ersten Versuche sind für Februar 2019 im nördlichen Tschad vorgesehen. Drohnen könnten helfen, verminte Gebiete genauer zu erfassen und die Dauer der Räumung zu reduzieren. Bei Erfolg würde diese Technik die Minenräumung revolutionieren.

Aufwendige Vor-Untersuchungen, ob Minen verlegt wurden, könnten mithilfe von Drohnen bald der Vergangenheit angehören

Aufwendige Vor-Untersuchungen, ob Minen verlegt wurden, könnten mithilfe von Drohnen bald der Vergangenheit angehören | © Nadège Mazars/HI

HI wird einige Versuche von Februar bis Oktober 2019 im Raum Faya-Largeau im Norden des Tschads durchführen. Die Drohne kann innerhalb kurzer Zeit große Gebiete abfliegen. Dadurch verringert sich die Dauer der sogenannten "nicht-technischen Vermessung". Dies bezeichnet eine Felduntersuchungsphase, in der festgestellt wird, ob Minen und explosive Überreste überhaupt  vorhanden sind.

Durch den  Nachweis aus der Luft, ob Minen verlegt wurden oder nicht, ist es außerdem möglich, verminte Gebiete exakter abzugrenzen,  was wiederum die Einsatzzeiten reduziert.

Während der Testphase wird HI auch versuchen, eine Drohne zu entwickeln, die mit einem Radar im Boden vergrabene Minen entdecken kann.

Die Vor-Untersuchungen dauern meist länger als die Räumung selbst

„Drohnen können uns bei der Minenräumung hoffentlich zukünftig erheblich helfen, indem sie die Zeit der „nicht-technischen Untersuchungen“ verkürzen. Diese Phase besteht darin, potenziell gefährliche Bereiche zu identifizieren und abzugrenzen. Diese dauert manchmal länger als die Minenräumung selbst. Durch die Bereitstellung genauer Daten für die Kartierung der zu räumenden Gebiete werden die Drohnen uns auch helfen, unsere Minenräumteams gezielter einzusetzen", sagt Emmanuel Sauvage, Leiter der Abteilung für die Reduzierung bewaffneter Gewalt bei HI.

Im Tschad sind 100 Millionen Quadratmeter Land durch Minen und explosive Kriegsreste verseucht - eine Fläche etwa so groß wie Paris. HI und seine Partner planen, in vier Jahren drei Millionen Quadratmeter zu räumen und werden hierzu  mehrere Minenräumteams und eine Minenräumungs-Maschine einsetzen.

Minen und explosive Kriegsreste stellen eine tägliche Bedrohung für die Zivilbevölkerung in 61 Ländern der Welt dar. Es hindert die Entwicklung der betroffenen Ländern. Der Landminenmonitor 2017 zeigt, dass die Zahl der neuen Opfer von Antipersonenminen – ob in der Fabrik hergestellt oder improvisiert – sowie von explosiven Kriegsresten innerhalb eines Jahres um fast 25 Prozent gestiegen ist: von 6.967 Opfern im Jahr 2015 auf 8.605 im Jahr 2016. Zwischen 2014 und 2015 hatte sich die Zahl der Opfer bereits fast verdoppelt (6.967 neue Opfer im Jahr 2015 im Vergleich zu 3.993 im Jahr 2014).

HI arbeitet mit Mobility Robotics, einem Spezialisten für Drohnenpilotprojekte zusammen sowie mit Third Element Aviation, einem Hersteller von kundenspezifischen Drohnen und Entwickler von Sensoren, dem Datenmanagementdienst Inzentive, und Dynergie, die mit finanzieller Unterstützung des Außenministeriums der belgischen Regierung für einen Zeitraum von 12 Monaten innovative Vorschläge für Minenräumungsmethoden unterbreiten sollen.

26 Oktober 2018
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Streubomben: Die tödliche Gefahr im Fokus
© Nicolas Axelrod/HI
Minen und andere Waffen Öffentlichkeitsarbeit

Streubomben: Die tödliche Gefahr im Fokus

München, 28. August 2019. Der am 29. August veröffentlichte Streubomben Monitor 2019 zeigt, dass es weiterhin weltweit Opfer durch Streubomben gibt. In Syrien wurden erneut Angriffe mit diesen menschenverachtenden Waffen verzeichnet. In insgesamt acht Ländern und einem Gebiet wurden Menschen durch explosive Reste getötet oder verletzt. 99 Prozent der Opfer stammten aus der Zivilbevölkerung. Vom 2. bis 4. September fand in Genf die Konferenz der Mitgliedsstaaten des Oslo-Vertrags statt. Dieser Vertrag verbietet den Mitgliedsstaaten den Einsatz, die Herstellung, die Lagerung und Weitergabe von Streumunition. Gemeinsam mit der internationalen Kampagne CMC war HI in Genf dabei, um die Staaten an ihre Verpflichtungen zu erinnern. Erfreulicherweise sind bereits 99 Prozent der Streubomben aus Beständen der Vertragsstaaten vernichtet und auch die Räumung betroffener Gebiete macht Fortschritte - selbst wenn erste Verlängerungsanträge gestellt werden mussten. Die Räumung ist lebensnotwendig, da Streubomben durch ihre vielen Blindgänger eine tödliche und langfristige Bedrohung für die lokale Bevölkerung darstellen.  

Meilenstein für das Humanitäre Völkerrecht
© Elisa Fourt/HI
Minen und andere Waffen Öffentlichkeitsarbeit

Meilenstein für das Humanitäre Völkerrecht

Am 12. August jährt sich die Unterzeichnung der vier Genfer Abkommen von 1949 zum 70. Mal. Die Genfer Abkommen bilden das Kernstück des heutigen Humanitären Völkerrechts und schützen Menschen vor Grausamkeit und Unmenschlichkeit in Kriegssituationen.

Minenräumung unter extremen Bedingungen
© Gilles Lordet / HI
Minen und andere Waffen

Minenräumung unter extremen Bedingungen

Seit November 2018 führt HI im Tschad in der Nähe von Faya-Largeau, der Hauptstadt der Provinz Borku, ein Projekt zur Räumung von explosiven Kriegsresten wie Landminen und Explosivwaffen durch. Rund 50 Entminer/-innen sind dort im Einsatz. Gilles Lordet, Kommunikationsbeauftragter für HI, hat das Team bei einem typischen Morgeneinsatz begleitet.

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ