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Ein Ehepaar baut Prothesen in Syrien

Rehabilitation und Orthopädie
Syrien

Ghazal und Nahla haben im Norden Syriens trotz aller Widrigkeiten und ohne fremde Hilfe die einzige Prothesen- und Orthesenwerkstatt der Region für die vielen Verwundeten eröffnet. Handicap International arbeitet seit mehreren Wochen mit ihnen zusammen: Wir unterstützen sie dabei, ihre Herstellungstechnik weiter zu verbessern.

Ghazal strahlt, während er seine Geschichte erzählt

Ghazal freut sich, seine Geschichte erzählen zu können... | © M.Legrand / Handicap International

Nichts hätte Ghazal und Nahla zu dem machen können, was sie heute sind. Nichts außer diesem Krieg und einer Vielzahl an Schicksalsschlägen. 2013 bekommen die beiden den Krieg mit voller Wucht zu spüren. Einer ihrer Verwandten muss amputiert werden und fällt in eine schwere Depression. Er kann nicht mehr ohne fremde Hilfe laufen.

Zu dieser Zeit arbeitet Ghazal für eine Organisation für Kinder mit Behinderung, die er selbst mit einem Freund gegründet hat. Der begeisterte Sportler teilt dort jeden Tag seine große Leidenschaft für den Sport mit Jugendlichen, die er ermutigt, Barrieren auf der Straße und in den Köpfen zu überwinden. Auch Nahla arbeitet mit großem Engagement im selben Zentrum als Aerobic-Lehrerin. Die beiden motiviert die Vorstellung, dass nichts unmöglich ist, und dass sie Menschen mit Behinderung ein bisschen Hoffnung geben können. So wollen sie auch dem Cousin helfen, der seit seiner Amputation in tiefer Traurigkeit und Mutlosigkeit versunken ist.

Ein neuer Beruf

Kurzerhand beschließt Ghazal, selbst eine Prothese für seinen Cousin zu bauen. Tag und Nacht schaut er sich Videos im Internet an, liest Lehrbücher und spricht mit den Menschen in seinem Umfeld. Schließlich ist er sich sicher: Seine Kenntnisse reichen aus, um einen ersten Versuch zu wagen. Als ihm seine neue Aufgabe immer mehr Spaß macht, kündigt er seine Arbeit und widmet sich seiner neuen Berufung nun in Vollzeit.

Nachdem Nahlas Arbeitsstätte – wie so viele zivile Einrichtungen in Syrien - bei einem Raketenangriff zerstört wurde, beschließt sie, ihren Ehemann in diesem neuen Abenteuer zu unterstützen. Am Anfang hat sie Angst. Wie wird es sein, täglich mit Menschen zu arbeiten, die amputiert werden mussten, die einen Bombenangriff überlebt haben? Doch die freudigen Gesichter der Menschen, denen ihr Mann eine Prothese angepasst hat, zeigen ihr, dass sie das richtige tut. Im Laufe der Zeit wird Ghazal immer besser und immer mehr Leute suchen das Ehepaar auf, um sich von ihm helfen zu lassen.

Dann ein erneuter Schicksalsschlag. Das Dorf von Nahla und Ghazal wird angegriffen. Doch sie wollen auf keinen Fall aufgeben und ziehen mit ihrem ersten Kind einfach in ihrer Prothesenwerkstatt ein. Ein Wohnwagen vor der Tür dient als Empfangsraum und als Unterkunft für weitangereiste Patientinnen und Patienten, die sie auch gleich noch mit Essen versorgen. Ghazal und Nahla arbeiten ehrenamtlich – und bedauern am meisten, dass sie nicht alle Menschen mit Prothesen versorgen können, weil ihnen schlicht die Zeit und die Mittel dafür fehlen.

  „Ghazal wiederholte dauernd, dass sein Traum wahr geworden war, als er das Angebot von Handicap International erhielt.“  Nahla, Ghazals Frau

Als wir von den beiden hörten, boten wir ihnen sofort eine Zusammenarbeit an. In einer achtwöchigen Schulung konnten die beiden ihre Herstellungstechnik perfektionieren. Heute wird Nahla der Nutzen dieser Schulung noch mehr bewusst. „Die Erklärungen, die uns die Fachkräfte von Handicap International dort gaben, sind für uns sehr wertvoll. Sie werden uns helfen, bessere Prothesen herzustellen, die noch besser an die Bedürfnisse der syrischen Patientinnen und Patienten angepasst sind.“

Handicap International wird die Zusammenarbeit mit dem Ehepaar verstärken, damit die Unterstützung für Menschen mit Behinderung und amputierte Menschen in Syrien sichergestellt ist. Was Ghazal und Nahla angeht, so wachsen auch bei ihnen die Ambitionen immer weiter:

„Wir wollen ausgezeichnete Techniker werden, um auch andere Menschen in der Orthopädietechnik auszubilden. Jetzt haben wir uns zum Ziel gesetzt, das erste Ausbildungszentrum für Prothesen- und Orthesenherstellung in Syrien zu eröffnen!“

Damit solche Szenen in Zukunft der Vergangenheit angehören:

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31 Oktober 2016
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Martina Vohankova stammt aus Tschechien und arbeitet bei Handicap International Syrien als Projektmanagerin für Gesundheit und Minenaktion. Angefangen in 2012 arbeitete sie erst für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe in Uganda, Kambodscha und im Südsudan. In den vergangenen zwei Jahren war Martina im Nahen Osten tätig, zunächst im Irak. Seit Mai 2016 wirkt sie bei Handicap International im Syrien-Krisen-Programm mit. Hier erzählt sie uns von ihrer Arbeit.