Co-Preisträger Friedensnobelpreis

Ein Jahr Charta zur Inklusion in der humanitären Hilfe

Inklusion Rechte von Menschen mit Behinderung

Ein Jahr ist es her, dass beim Humanitären Weltgipfel in Istanbul die Charta zur Inklusion in der humanitären Hilfe verabschiedet wurde. Der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-Moon bezeichnete den Beschluss als „bahnbrechende“ Entscheidung, die Menschen mit Behinderung ins Zentrum humanitärer Aktionen rücke.

Abdoul aus Burkina Faso mit einem Freund auf dem Fahrrad.

Dank Handicap International kann Abdoul aus Burkina Faso trotz Gehbehinderung wieder regelmäßig zur Schule gehen. | © Erwan Rogard Handicap International

Handicap International hat gemeinsam mit mehreren Partnerorganisationen während der Sondersitzung zum Thema Behinderung im Mai 2016 die Charta zur Inklusion in der humanitären Hilfe eingebracht. Mittlerweile wurde sie von 150 Akteuren angenommen, darunter 19 Staaten, humanitäre Organisationen, Geldgeber und Verbände, die wiederum tausende Organisationen vertreten.

„Wir freuen uns, dass Deutschland zu den Erstunterzeichnern dieser Charta gehört“, erklärt Susanne Wesemann, Geschäftsführerin von Handicap International Deutschland. „Wie die anderen Unterzeichnenden hat sich auch die deutsche Regierung damit verpflichtet, eine große Ungerechtigkeit zu beenden, dass nämlich die Rechte und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung bisher in Krisensituationen weitgehend ignoriert werden. Wir werden uns nun auf nationaler und internationaler Ebene dafür einsetzen, dass die Inhalte dieser Charta Realität werden.“

Es war das erste Mal, dass so viele unterschiedliche Akteure gemeinsam ein Dokument mit solch internationaler Reichweite ausgearbeitet haben. Handicap International spielte bei diesem Prozess eine führende Rolle und gab die entscheidenden Impulse zur Umsetzung.

 

Warum braucht es eine Charta zur Inklusion?


Menschen mit Behinderungen sind in Krisensituationen besonders schutzbedürftig und werden bei der Planung von humanitären Nothilfeaktionen teils schlichtweg übersehen. 75 Prozent der Bevölkerung mit Behinderungen haben während einer humanitären Krise nicht die gleichen Möglichkeiten an Wasser, Nahrungsmittel oder medizinische Versorgung zu kommen. Die Charta schafft die Voraussetzung, um die schutzbedürftigsten und am meisten gefährdeten Menschen in die humanitäre Hilfe miteinzuschließen. Die Unterzeichner der Charta folgen dabei fünf Prinzipien:

  • Nicht-Diskriminierung und Achtung der verschiedenen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung
  • Menschen mit Behinderung sollen humanitäre Programme mitgestalten
  • Bereitstellung inklusiver Dienstleistungen
  • Schaffung einer weltweiten inklusiven Politik
  • Humanitäre Akteure sollen koordiniert zusammenarbeiten, um die Inklusion von Menschen mit Behinderung zu verbessern.

Zum ersten Jahrestag ruft Handicap International Staaten sowie humanitäre Akteure dazu auf, die Charta anzunehmen und ihre Umsetzung zu unterstützen. Alle Unterzeichner arbeiten aktuell mit Hochdruck daran, die Charta mit Leben zu füllen.

 

22 Mai 2017
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