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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Eine Mine kommt selten allein – was tun, wenn eine gefunden wird?

Minen und andere Waffen
Senegal

Die gewalttätigen Konflikte, die der Region Casamance im Senegal dreißig Jahre lang zugesetzt haben, sind nun vorbei. Aber die Antipersonen-Minen sind immer noch da und bedrohen das Leben der Zivilbevölkerung. Zeitgleich mit unserer Arbeit in der Minenräumung informieren und sensibilisieren wir zusammen mit unserem Partner, der Association Senegalaise des victimes de mines (ASVM), die Bevölkerung über die Gefahren der Minen. Innerhalb von acht Monaten klären wir so in 60 Schulen und 65 Dörfern auf.

Zu sehen ist Awo Goudiaby, ein 11-jähriges Mädchen, das an der Schulung teilgenommen hat. Es trägt eine rote Kopfbedeckung und hält ein Aufklärungsposter in den Händen.

Die 11-jährige Awo Goudiaby nach einer Schulung über die Risiken von Minen in dem Dorf Leu Feu | © J-J. Bernard / Handicap International

Es sind fast zwei Stunden Fahrt bis zur einzigen großen Stadt der Region Casamance, Ziguinchor. Das Team der ASVM muss diesen holprigen Weg nehmen, der durch die Pampa verläuft und zeigt, wie sehr der Großteil der Bevölkerung aus dieser Region von jeglicher Infrastruktur abgeschnitten ist.

Wir kommen um 9 Uhr in Leu Feu an, einem kleinen Dorf mit rund 100 Einwohnern in der Nähe der gambischen Grenze. Das ganze Dorf kommt heute auf dem Platz vor dem gemeinschaftlichen Gemüsegarten zusammen, geschützt durch den Schatten der großen Bäume. Die zwei Mitarbeiter der ASVM packen ihre Materialien aus - Mikrofon, Verstärker und Broschüren - um mit der Aufklärung über die Gefahren von Minen zu beginnen. Sie kennen sich aus eigener Erfahrung mit diesem Thema bestens aus: Sie sind beide Minenopfer, dem einen wurde das Bein amputiert, der andere zog sich Verletzungen zu. Die Kinder werden von den Erwachsenen getrennt, um zwei Gruppen zu bilden. Dann geht es los mit der zweistündigen Schulung.

 

„Wir fangen immer mit einem kurzen Test an, um zu erfahren, was die Dorfbewohner bereits wissen. Anschließend heben wir die wichtigsten Botschaften hervor: nicht näher herangehen, wenn man einen nicht identifizierbaren Gegenstand auf dem Boden entdeckt; eine Markierung mit zwei Ästen machen; die Verantwortlichen im Dorf verständigen...  Nichts wirklich Kompliziertes. Nur gesunder Menschenverstand und ein gesundes Verhalten, das man sich angewöhnen sollte.“ - Mamady Gassama, einer der Gründer der ASVM

 

Die Erinnerung an die Gewalt, die mit dem Konflikt verbunden war, ist bei den Dorfbewohnern noch sehr präsent. Nachdem sie in der Zeit der schlimmsten Kämpfe mehrere Jahre in Gambia Zuflucht gefunden hatten, konnten sie vor zwei Jahren ihr Dorf zurückerobern. Aus Angst vor explosiven Kriegsresten benutzen sie einige Wege und Felder nicht mehr. Auch wenn der Konflikt offiziell beigelegt ist, patrouillieren Militärs weiterhin um die Außenbezirke des Dorfes und halten damit die Besorgnis der Dorfbewohner aufrecht.

 

Falschen Vorstellungen vorbeugen

Eine solche Veranstaltung zur Aufklärung über Minen bietet Gelegenheit, um mit den gängigen Vorstellungen der Bevölkerung aufzuräumen: Nein, ein Talisman schützt nicht vor Minen! Nein, eine Mine kann man nicht wie Müll verbrennen, um sie loszuwerden! Und ja, eine Mine kann wandern, wenn der Boden in ihrer Umgebung gelockert ist: Denn starke Regenfälle können zu leichten Verschiebungen des Bodens führen und eine Mine um mehrere Meter verrücken…

Ein Dorfbewohner möchte wissen, warum man, wenn man eine Mine sieht, vorsichtig auf demselben Weg zurückgehen und dabei genau den Fußstapfen des Hinwegs folgen soll. Nachdem er gefragt hat, ob jemand die Antwort kennt, erklärt der Mitarbeiter Boubakar Ba:

„Man muss immer davon ausgehen, dass eine Mine niemals allein vorkommt. Es kann sich sehr wahrscheinlich eine weitere in der Nähe befinden. Es ist daher sicherer, den Weg zurückzugehen, auf dem man gekommen ist.“

Eine Frau hebt die Hand: „Können Minen zerfallen?“ „Nein“, antwortet Boubakar. „Es ist wie mit Plastikflaschen. Das kann hunderte von Jahren dauern. Man muss immer davon ausgehen, dass eine Mine noch aktiv und gefährlich ist.“

Kinder am stärksten gefährdet

„Die Kinder sind am stärksten gefährdet“, erklärt Alasan Dedhiou, der die Schulung mit den Kindern organisiert. Das liegt an ihrer natürlichen Neugierde und ihrer Sorglosigkeit. Das Schwierige mit den Kindern während der Sitzung ist, ihre Aufmerksamkeit die ganze Zeit lang aufrecht zu erhalten. Alasan erklärt nach und nach die einzelnen Zeichnungen aus der Broschüre und gibt sich große Mühe, die Motivation in der Klasse aufrecht zu halten.

Und Mamady meint abschließend:

„Wenn die Erwachsenen und Kinder aus diesen zwei Stunden nur diese einzige Botschaft mitnehmen: Wenn ich etwas Merkwürdiges auf dem Boden sehe, fasse ich es nicht an und markiere das Gebiet mit zwei Ästen und sage den Verantwortlichen im Dorf Bescheid – dann haben wir schon gewonnen!“

21 März 2016
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Wiener Konferenz: Mehrheit der Staaten für mehr Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombardierungen

Wien, 2. Oktober 2019. Vertreter/-innen von 133 Staaten und der Zivilgesellschaft kamen für zwei Tage in Wien zur „Internationalen Konferenz zum Schutz der Zivilbevölkerung in der städtischen Kriegsführung“ zusammen. Die Mehrheit der Teilnehmer/-innen unterstützte die Notwendigkeit, dass das menschliche Leid, das durch den Einsatz von Explosivwaffen verursacht wird, beendet werden muss und zeigte sich dazu bereit, mit diesem Ziel an einem politischen Instrument zu arbeiten. Die Konferenz ebnete den Weg für einen Verhandlungsprozess, an dessen Ende im Frühjahr 2020 eine politische Erklärung zur Verabschiedung vorgelegt werden soll. Die Vertreter Deutschlands verpflichteten sich in Wien, konstruktiv an dem Prozess hin zu einer politischen Erklärung mit zu arbeiten. Handicap International hatte jahrelang auf die menschliche Tragödie durch die Bombardierung in Wohngebieten hingewiesen. Die Organisation begrüßte die große Anzahl an teilnehmenden Staaten und unterstrich, dass auch konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Opfer Teil der Erklärung sein müssen. 

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ