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Entwicklungsprogramm im Tschad

Minen, Streubomben und andere Waffen
Tschad

Handicap International startet ein breit angelegtes Entwicklungsprogramm im Tschad. Ziel des Projekts sind die Entminung verseuchter Gebiete, die Einführung eines Sozialversicherungssystems und das Beleben der wirtschaftlichen Aktivitäten in den nördlichen Regionen (Borkou, Ennedi, Tibesti) und in der Region Lac Tschad. Auf vier Jahre ausgelegt, ist dieses Projekt mit 23 Millionen Euro das finanziell umfangreichste, das je von unserer Organisation umgesetzt wurde. Thomas Hugonnier, Leiter der Minenaktionen für Handicap International, erklärt die Idee dahinter.

Risikoschulung zur Bedrohung durch Minen mit Flüchtlingen in der Region Lac Tschad

Risikoschulung zu Minen mit Flüchtlingen im Tschad | © Benoit Almeras / Handicap International

Worin besteht das Projekt?

Es handelt sich um ein umfangreiches Entwicklungsprojekt mit drei Schwerpunkten: die Entminung von Gebieten, die während des Konflikts mit Libyen in den 80er Jahren belastet wurden, die Einführung eines Sozialversicherungssystems und die Entwicklung wirtschaftlicher Chancen für die Schutzbedürftigsten, insbesondere die junge Generation.

Wo und wie soll entmint werden?

Wir werden die Verkehrssachsen in drei nördlichen Regionen von explosiven Kriegsresten und Minen befreien: Borkou, Ennedi und Tibesti. So können dort wieder Handelsbeziehungen aufgebaut werden. Der Tschad ist stark mit Kriegsresten verseucht. Über 100 km2 sind nach Schätzungen betroffen – das entspricht der Fläche von Paris. In den Gebieten Borkou, Ennedi und Tibest sind über 250 km Straße vermint. Da ist natürlich ein großes Hindernis für die Entwicklung des Landes. Zur Entminung benutzen wir spezielle Fahrzeuge, die große Flächen von Kriegsresten befreien können. Angesichts der umfangreichen Vorbereitungen für dieses Projekt, starten wir unseren Einsatz voraussichtlich Mitte des Jahres 2018.

Das Projekt beinhaltet auch einen sozialen Aspekt. Worin besteht dieser genau?

In den dörflichen Gemeinden existieren quasi keine Sozialleistungen. Wir werden diese strukturieren, in dem wir ein Netzwerk an lokalen Akteuren einsetzen und einen Sozialfonds gründen, der es den Schutzbedürftigsten und Menschen mit Behinderung erlaubt, ihre Grundbedürfnisse wie Gesundheitsleistungen, Unterkunft und Nahrung abzudecken. Wir wollen dabei auch die Gemeinden einbinden: Es werden Komitees gebildet, die Kriterien für die schutzbedürftigsten Personen bestimmen und ein System definieren, um diese Menschen ausfindig zu machen, sodass sie letztlich angemessen unterstützt werden können. Unser Ziel ist es, allen einen Zugang zu allen Leistungen zu ermöglichen.

Das Projekt umfasst ebenso wirtschaftliche Aspekte…

Ja, wir möchten armen Familien helfen, kleine Ersparnisse anzulegen und Mechanismen für finanzielle Hilfe einführen. Das Projekt sieht vor, Ausbildungsmöglichkeiten zu stärken und kleine Unternehmen zu entwickeln. Wir werden kollektive Baustellen finanzieren, wie z. B. für eine Anlage zur Bewässerung eines Palmengartens, nachdem dieser von unseren Teams entmint wurde – anschließend können dort Datteln angebaut werden. Wir sehen hier, dass die drei Achsen des Projekts sich gegenseitig ergänzen und bedingen: die Entminung der Verkehrswege begünstigt den Handel, die Arbeit und lokale Wirtschaft und hilft schließlich ein echtes Sozialversicherungssystem einzuführen. Wir gehen das Problem der Armut in dieser Region von allen Seiten an.

Es handelt sich um ein Projekt mit einem beträchtlichen Budget. Wer sind die Partner?

Es ist tatsächlich ein sehr umfangreiches Projekt über vier Jahre, mit vielen Personen, Institutionen und Dörfern, die in einem großen Gebiet daran beteiligt sind. Wir sind nicht allein. Um das Projekt auf den Weg zu bringen, leiten wir ein Konsortium an NROs, darunter die Mine Advisory Group (MAG), die Schweizer Föderation zur Entminung (FSD) und Secours catholique et développement (SECADEV – NRO aus dem Tschad). Gemeinsam bündeln wir als internationale Organisationen unsere Kräfte, um die Entwicklung in einer armen und durch chronische Krisen (z.B. die in Verbindung mit Boko  Haram) verminten Region voranzutreiben.[1]

 

[1] An die 500.000 Personen haben in der Region Lac Tschad Zuflucht vor der Gewalt der Organisation Boko Haram gefunden.

19 Oktober 2017
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