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Gaza: Drohender Kollaps des palästinensischen Gesundheitssystems

Nothilfe
Palästina

41 Organisationen warnen: Die anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen verschlimmern zunehmend die ohnehin schlechte Gesundheitsversorgung der Menschen in Gaza.

15. Juli 2014: Die Krankenhäuser sind nicht auf die zahlreichen dringenden Bedürfnisse vorbereitet, die durch die aktuelle Notsituation entstehen. Die unterzeichnenden Organisationen verlangen eine sofortige Waffenruhe und dass sämtliche Parteien das humanitäre Völkerrecht respektieren und die Zivilbevölkerung vor Schaden schützen. Während einem bewaffneten Konflikt stehen Krankenhäuser, Gesundheitseinrichtungen, Ambulanzen, medizinisches Personal sowie Verwundete und Kranke unter besonderem Schutz des humanitären Völkerrechts.

Während der vergangenen 8 Tage wurden in Gaza mindestens 138 Zivilpersonen getötet und über tausend verwundet. Darunter befinden sich  auch ein getöteter Arzt, 19 verletzte Sanitäter und medizinisches Personal. Vier Ambulanzen und sechs Krankenhäuser in Gaza wurden durch israelische Luftangriffe beschädigt, ein Rehabilitationszentrum für Menschen mit Behinderung wurde zerstört. In Israel wurd ein Zivilist getötet, Dutzende verletzt.

Die eskalierende Gewalt trifft Gazas Gesundheitssektor besonders hart, leidet dieser doch bereits unter einem akuten Mangel an Treibstoff und Material. 54 Prozent der medizinischen Einwegartikel und 28 Prozent der wichtigsten Medikamente sind nicht mehr vorrätig. Einige Krankenhäuser berichten, dass sie nicht über Nahtmaterial, Material für die Behandlung von Knochenverletzungen und auch Personal für die Durchführung von Bluttests verfügen. Das Gesundheitsministerium von Gaza hat aufgrund der Stromausfälle nur noch für zehn Tage Treibstoffreserven auf Lager. Durch den chronischen Mangel an Elektrizität haben viele Krankenhäuser bereits ihre Grundversorgung und frauenspezifische Gesundheitsdienste eingestellt. Sie sind dazu gezwungen, weitere Gebäudeflügel zu schließen und Maschinen abzuschalten. Der Mangel an Treibstoff bedeutet auch, dass 25 Prozent der Ambulanzen des Gesundheitsministeriums nicht mehr in Betrieb sind und auch mobile Kliniken und Gesundheitseinrichtungen ihre Dienste herunterfahren oder ganz einstellen.

Unsere Organisationen rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf, mit der israelischen Regierung eine sofortige und nachhaltige Öffnung der Grenzen zu erwirken, damit PatientInnen Zugang zu der benötigten Versorgung und die Krankenhäuser von Gaza Nachschub an essentiellen Materialien erhalten.

Die andauernde israelische Blockade und die kürzliche Schließung des Grenzübergangs von Rafah hindert die Bevölkerung von Gaza am Zugang zu Gesundheitsversorgung jenseits des belagerten Küstenstreifens. 2014 hat Israel 15 Prozent der PatientInnen die Überweisung für medizinische Maßnahmen in Israel und der West Bank verweigert, während auch die Zahl der PatientInnen, die die Grenze bei Rafah nach Ägypten überqueren konnten, um 95 Prozent gesunken ist.

Wir fordern ebenfalls, dass die internationale Gemeinschaft die palästinensische Regierung dabei unterstützt, ihrer Pflicht nachzukommen, ein funktionierendes und kohärentes Gesundheitssystem in Gaza und der Westbank, inklusive Ost-Jerusalem, zu finanzieren und aufrecht zu erhalten. Seitdem die Spannungen zwischen Israel und der West Bank in den letzten Monaten zugenommen haben, sehen sich palästinensische Krankenhäuser in Ost-Jerusalem, die von Israel bewilligte PatientInnen aus Gaza aufnehmen, mit einer erhöhten Nachfrage an Notfall-Behandlungen konfrontiert. Die von finanziellen Schwierigkeiten betroffenen Krankenhäuser Augusta Victoria und Makassad befürchten, dass ihre lebensrettenden Maßnahmen für kranke und verletzte Palästinenserinnen und Palästinenser bald schon gefährdet sind.

Während ein Waffenstillstand und ein Ende der Gewalt dringend nötig sind, erklären die Organisationen, dass die Internationale Gemeinschaft mehr tun muss, um dauerhafte Lösungen für den Konflikt zu finden. Dazu gehört auch, mit den Beteiligten zusammenzuarbeiten, um die Blockade in Gaza zu beenden und um sicherzustellen, dass alle Parteien ihre Verpflichtung gegenüber dem humanitären Völkerrecht einhalten.
 
1.    Action Aid
2.    Action Against Hunger (ACF)    
3.    American Friends Service Committee (AFSC)  
4.    Al Ahli Arab Hospital, Gaza   
5.    CISP
6.    Cooperazione Internazionale (COOPI)
7.    CCFD-Terre Solidaire
8.    DanChurchAid (DCA)  
9.    Diakonia  
10.    Gruppo di Volontariato Civile (GVC)
11.    Handicap International                        
12.    HelpAge International   
13.    HEKS    
14.    International Learning Centers (ILC)   
15.    International Medical Corps (IMC)    
16.    KinderUSA  
17.    Kvinna til Kvinna    
18.    Medical Aid For Palestinians (MAP UK)   
19.    Médicins du Monde France    
20.    Médicins du Monde Spain
21.    Médicins du Monde Switzerland     
22.    Mennonite Central Committees (MCC)  
23.    Mennonite Central Committees Office to the United Nations
24.    Near East Council of Churches, Department of Service to Palestine Refugees, Gaza  
25.    Norwegian Church Aid (NCA)
26.    Norwegian People’s Aid (NPA)
27.    Oxfam
28.    Polish Humanitarian Action (PAH)  
29.    Première Urgence – Aide Médicale Internationale (PU-AMI)
30.    PNGO
31.    Solidaridad Internacional- Alianza por la Solidaridad (SI-APS)
32.    Swedish Organisation for Individual Relief (SOIR)
33.    Secours Islamique France (SIF)
34.    Terres des Hommes Italy
35.    Terres des Hommes Lausanne          
36.    The Carter Center
37.    The Israel-Palestine NGO Working Group at the United Nations
38.    The Lutheran World Federation
39.    Quaker Peace & Social Witness (QPSW)
40.    Vento di Terra  
41.    WeEffect

17 Juli 2014
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Martina Vohankova stammt aus Tschechien und arbeitet bei Handicap International Syrien als Projektmanagerin für Gesundheit und Minenaktion. Angefangen in 2012 arbeitete sie erst für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe in Uganda, Kambodscha und im Südsudan. In den vergangenen zwei Jahren war Martina im Nahen Osten tätig, zunächst im Irak. Seit Mai 2016 wirkt sie bei Handicap International im Syrien-Krisen-Programm mit. Hier erzählt sie uns von ihrer Arbeit.