Co-Preisträger Friedensnobelpreis

Gneps Geschichte

Minen und andere Waffen Öffentlichkeitsarbeit
Deutschland

Gnep war neun Jahre alt, als sie beim Wasserholen auf eine Mine trat und ein Bein verlor. Drei Jahre später lernte Jean-Baptiste Richardier, Mitbegründer von Handicap International, das Mädchen kennen. Ihr Schicksal berührte ihn sehr und er suchte nach einem Weg, ihr und all den anderen Menschen, die durch eine Mine verletzt wurden und für die es sonst keine Unterstützung gab, zu helfen.

Gnep als Kind mit ihrer neuen Prothese.

Gnep als Kind mit ihrer neuen Prothese. | © J-P. Dousset/ANGELI

Gnep Smoeun wollte nur Wasser holen an dem Tag in 1979, als sich alles für sie veränderte. Mit ihrer Familie war sie vor dem Bürgerkrieg in Kambodscha und der Schreckensherrschaft der Roten Khmer geflohen und lebte in einem Flüchtlingslager im Grenzgebiet zwischen Kambodscha und Thailand. Sie war neun Jahre alt, als sie für ihre Familie Wasser holen ging und auf eine Landmine trat, ein Überbleibsel aus dem Bürgerkrieg.

„Ich wurde in die Luft geschleudert. Ich war sehr dünn, da ich vier Jahre Bürgerkrieg erlebt habe und wir nicht viel zu essen hatten. Ich bin wieder zu Boden gefallen, fast bewusstlos und habe versucht, aufzustehen. Beim dritten Versuch habe ich nach unten geschaut und festgestellt, dass mein rechtes Bein abgerissen war. Der Anblick ähnelte einer geschälten Banane,“ erinnert sich Gnep.

Ausnahmezustand in Kambodscha

Gnep verlor ihr rechtes Bein, musste 17 Operationen über sich ergehen lassen und lag einen Monat lang im Koma, bis sich ihr Zustand langsam wieder verbesserte. Ihre Mobilität blieb jedoch eingeschränkt. Hilfsmittel wie etwa Prothesen waren in dem Bürgerkriegsland Mangelware. Weder finanzielle noch medizinische Mittel reichten aus, um genügend Prothesen herzustellen und sie an die Betroffenen zu verteilen. Dazu kam die schiere Menge an Verletzten. Allein in Gneps Flüchtlingslager lebten 6.000 Menschen mit amputierten Gliedmaßen. Und auch Gneps Mutter war durch Misshandlungen, die sie im Krieg erlitten hatte, querschnittsgelähmt.

Prothesen aus Bambus

Gnep lernt an einem Bambus-Barren das Laufen mit ihrer neuen Prothese.Etwa zur gleichen Zeit hielt sich der französische Arzt Jean-Baptiste Richardier in den Flüchtlingslagern im Grenzgebiet zwischen Kambodscha und Thailand auf. Er versorgte verletzte und verstümmelte Menschen und passte ihnen Prothesen an - ein Vorhaben, das zur Gründung von Handicap International führte.

In einem der Flüchtlingslager trifft Jean-Baptiste schließlich auf Gnep, ungefähr drei Jahre nachdem die Mine ihr rechtes Bein weggerissen hatte. Der Arzt möchte dem jungen Mädchen helfen: Zusammen mit seinem Freund und Partner Dr. Claude Simonnot fand Jean-Baptiste die Lösung im Bambus, der rund um sie wuchs. Sie entwickelten daraus Prothesen und Gnep bekam eine der ersten. Auch andere Hilfsmittel, wie z.B. Barren, die das Üben mit den neuen Prothesen erleichtern sollten, wurden aus Bambus gebaut.

Ein neuer Anfang

Trotz Gneps anfänglicher Skepsis begann sie mit der neuen Prothese laufen zu üben und bereits wenig später spielte sie ausgelassen mit ihren Freunden. Mit 13 Jahren konnten Gnep und ihre Familie durch die Hilfe von Handicap International nach Frankreich ziehen, wo Gnep eine Ausbildung zur Krankenschwester begann, um anderen Menschen helfen zu können. Noch heute engagiert sich Gnep vehement mit Handicap International gegen Minen und andere explosive Kriegswaffen.

„Auch heute gibt es immer noch Frauen, Männer und Kinder, deren Träume ganz plötzlich zerstört werden, weil sie auf Minen oder explosive Kriegsreste treten! Ich möchte, dass das endlich aufhört!“, bekräftigt Gnep.

Gemeinsam werden wir uns weiter stark machen: Gegen Minen und für Menschen mit Behinderung!

27 Juni 2019
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