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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Handicap International bereitet Minenräumung in Kolumbien vor

Minen und andere Waffen
Kolumbien

Handicap International arbeitet seit 1998 in Kolumbien und bereitet sich darauf vor, einen auf fünf Jahre angelegten Einsatz zur Minenräumung in drei Provinzen des Landes (Cauca, Meta und Caquetá) durchzuführen. Außerdem klären wir auch weiterhin die Menschen über die Gefahren von Landminen und explosive Kriegsreste auf und unterstützen die Opfer.

Ein rotes Schild warnt vor den Minen. Danaben kniet ein Entminer von Handicap International und sucht gezielt nach Minen.

Rote Schilder warnen in vielen Gegenden vor der Minengefahr. Doch erst nach der manuellen Minenräumung ist die Bevölkerung wieder sicher | @ J.M. Vargas/Handicap International

Kolumbien: das Land mit der zweithöchsten Minendichte weltweit

Kolumbien wurde durch einen 50 Jahre andauernden bewaffneten Konflikt verwüstet und ist nach Afghanistan das Land mit der weltweit zweithöchsten Minendichte.[1] 31 der 32 Provinzen sind vermint und mit explosiven Kriegsresten belastet. Seit 1990 werden auch systematisch selbstgebaute Sprengsätze verwendet, die schon mehr als 11.100 Opfer gefordert haben. Am 13. Mai 2016 wurde Handicap International[2] offiziell von der kolumbianischen Regierung beauftragt, in drei Provinzen des Landes Einsätze zur Minenräumung durchzuführen. Diese sind Teil der neuen Friedensverträge zwischen der Regierung und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC). Handicap International bereitet sich gegenwärtig darauf vor, über fünf Jahre lang diese Minenräumung umzusetzen, wobei der besondere Schwerpunkt auf den indigenen Gebieten in den Provinzen Cauca, Meta und Caquetá liegen wird.

„In Kolumbien haben ungefähr 80 % der Opfer von Landminen und explosiven Kriegsreste eine Behinderung. Und die Hälfte der Opfer gehört der Zivilbevölkerung an, die in weit abgelegenen Regionen lebt und keinen direkten Zugang zu Gesundheitszentren oder rehabilitativer Versorgung hat. Für Handicap International hilft daher die Minenräumung auch, Behinderungen zu vermeiden, den Frieden wiederherzustellen und die wirtschaftliche Entwicklung im Land zu fördern”, erklärt Irène Manterola, die Landesdirektorin von Handicap International in Kolumbien.

 

Prävention, Minenräumung, Rehabilitation: ein ganzheitliches Konzept

Handicap International hat ein umfassendes und einheitliches Konzept für die Maßnahmen rund um die Minenräumung entwickelt:

„Seit April 2016 bilden wir drei Minenräumungsteams aus, die aus 14 Fachkräften bestehen und darauf vorbereitet sind, die Minenräumung in den Provinzen Cauca, Meta und Caquetá durchzuführen. Zugleich stellen wir neue Entminerinnen und Entminer ein. Zusätzlich führen sieben Teams im Vorfeld der Minenräumung Studien durch: Wir überprüfen die von der Regierung bereitgestellten Daten zu den Orten, an den sich Minen befinden, und vergleichen diese mit den Informationen, die wir von der Bevölkerung in den Dörfern erhalten. Wir verwenden auch Metalldetektoren, um Regionen ausfindig zu machen, die entmint werden müssen. Wir planen, Ende Februar oder Anfang März mit der Minenräumung zu beginnen, zunächst in der Provinz Cauca, dann in den Provinzen Meta und Caquetá. Zugleich leisten wir in sechs der am stärksten verminten Provinzen, nämlich in Antioquia, Cauca, Caquetá, Córdoba, Nariño und Meta, weiterhin vor Ort Aufklärung über die Gefahren von Minen und Unterstützung für die Opfer. Wir verbessern auch die Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung. Unser Konzept ist umfassend: Wir verhindern, dass Behinderungen entstehen können, wir entminen das Land und wir unterstützen die Opfer (durch Rehabilitation und psychologische Betreuung). Auf diese Weise bekämpfen wir nicht nur gezielt die Ursachen von Behinderung, sondern auch die Folgen“, erklärt Aderito Ismael, der Leiter der Einsätze zur Minenräumung von Handicap International in Kolumbien.

 

Engagierte Fachkräfte für die Minenräumung

Die meisten der von Handicap International ausgebildeten Minenräumungsteams stammen selbst aus den indigenen Gemeinden, in denen wir unsere Einsätze vorbereiten. Dies bedeutet, dass sie die kulturellen Besonderheiten innerhalb der örtlichen Gemeinden gut kennen und eine wichtige Rolle dabei spielen können, den Frieden in ihren eigenen Dörfern wiederherzustellen. Ramiro Pineda Posada, der als Minenräumer für Handicap International arbeitet, erklärt:

„Als wir hier aufgewachsen sind, haben uns unsere Eltern die Liebe zur Heimat weitergegeben, die uns alle sehr geprägt hat. Dass wir unser Land von den Minen befreien, macht uns sehr glücklich. Nicht nur, weil wir helfen, unser Land weiter zu entwickeln, sondern auch - und das ist noch wichtiger -, weil wir den Gemeinden die Chance geben, den Frieden wiederherzustellen, der ihnen schon so lange fehlt. Die Minenräumung gibt mir die Möglichkeit, meinen Beitrag zu leisten.”

Marta Quintero, die die Einsätze zur Minenräumung von Handicap International anleitet, ergänzt: „Wir verbringen mehr als 90 Prozent der Zeit auf den Knien. Wir wissen, wann ein Einsatz beginnt, aber wir wissen nie, wann er enden wird. Die Beseitigung von Landminen kann Monate oder sogar Jahre dauern. Es ist schwierig zu beschreiben, wie glücklich ich bin, wenn ich eine verminte Region vollständig entmint habe.”

 

 

Weitere Informationen

  • Politische Situation: Die Friedensverträge in Kolumbien

Zwar ist das Land noch immer von einem Klima der Gewalt gekennzeichnet (insbesondere bewaffnete Gewalt und Kriminalität, Drogenhandel durch organisierte Banden und illegaler Goldabbau), doch wurde am 26. September ein historischer Friedensvertrag zwischen der kolumbianischen Regierung und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) unterzeichnet. Da dieser Vertrag in einem Referendum am 2. Oktober 2016 von der Bevölkerung abgelehnt wurde, wurde am 24. November 2016 ein neuer Friedensvertrag zwischen der kolumbianischen Regierung und den FARC unterzeichnet. Nun muss eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt werden, um den Erfolg dieses Friedensvertrages sicherzustellen.

  • Handicap International in Kolumbien: Aktivitäten

Wir unterstützen Institutionen, die rehabilitative Versorgung anbieten. Außerdem bieten wir psychologische Betreuung für Menschen mit Behinderung an und engagieren uns dafür, ihre sozio-ökonomische Inklusion zu verbessern und sie besser zu schützen. Weiterhin setzt sich Handicap International auf politischer Ebene dafür ein, dass Menschen mit Behinderung besser berücksichtigt, versorgt und anerkannt werdend. Zudem unterstützen wir Organisationen von Menschen mit Behinderung.

  • Handicap International: eine auf Minenräumung spezialisierte Organisation

Handicap International engagiert sich als nicht-staatliche Organisation seit 25 Jahren (seit 1992) in der Minenräumung. Wir verfügen über eine beträchtliche Erfahrung aus unserer Arbeit auf mehreren Kontinenten (Südamerika, Asien, Afrika): Gefahrenprävention, rehabilitative Versorgung, psychologische Betreuung der betroffenen Bevölkerung, Minenräumung und Vernichtung von Waffen.

 

 

[1]              Und nach Afghanistan und Kambodscha das Land mit der dritthöchsten Anzahl an Opfern von Landminen - Quelle: Landmine Monitor 2015.

[2]              Handicap International engagiert sich seit 1998 in Kolumbien und seit 2005 für die Räumung von Landminen.

18 Januar 2017
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Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ