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Das Leben danach - Traumabewältigung im Südsudan

Inklusion Rehabilitation und Orthopädie
Südsudan

Till Mayer arbeitet als Journalist und Fotograf eng mit Hilfsorganisationen zusammen. Oft stehen dabei Menschen mit Behinderung im Fokus. Im Frühjahr 2018 besuchte der Fotojournalist den Südsudan auf Einladung von Handicap International. Hier lesen Sie Auszüge aus den Geschichten, die er dort sammelte. Für seine Reportagen wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet (www.tillmayer.de). Der gesamte Artikel erschien in der Main Post, am 3. September 2018.

Das Leben in den Camps ist hart – und für Menschen mit Behinderung eine Welt voller Barrieren. Durch HI bekam dieser Mann einen Rollstuhl

Das Leben in den Camps ist hart – und für Menschen mit Behinderung eine Welt voller Barrieren. Durch HI bekam dieser Mann einen Rollstuhl | © Till Mayer/HI

Hintergrund

Der Bürgerkrieg des seit 2011 unabhängigen Südsudans forderte Zehntausende Opfer. Knapp vier Millionen der rund zwölf Millionen Südsudanesen befinden sich auf der Flucht. Mehr als fünf Millionen Menschen sind nach Uno-Angaben auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Brutale Massenvergewaltigungen lösen in dem Bürgerkrieg immer wieder Fluchtbewegungen aus, traumatisieren Zehntausende von Frauen. Nach Jahrzehnten Kampf um die Unabhängigkeit des erdölreichen Landes vom Sudan bringt der blutige Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir vom Volk der Dinka und seinem damaligen Stellvertreter Riek Machar vom Volk der Nuer seit 2013 dem Südsudan weiter Hunger, Leid und Elend. Verhandlungen sind zäh und bisher ohne greifbare Ergebnisse. Dazu kommt es zu Abspaltungen und zur Bildung neuer Milizen.

Rebecca (rechts) hat zwei Söhne bei einem Massaker verloren. Ihre Schwester Martha spendet ihr Trost. Ihre Gesichter sind mit Ziernarben bedeckt, die sie als „Nuer“ kennzeichnen. © Till Mayer/HI

Rebecca (rechts) hat zwei Söhne bei einem Massaker verloren. Ihre Schwester Martha spendet ihr Trost. Ihre Gesichter sind mit Ziernarben bedeckt, die sie als „Nuer“ kennzeichnen. © Till Mayer/HI

Rebecca und ihre Schwester Martha müssen 2013 um ihr Leben rennen, finden in einer Schutzzone der UN am Stadtrand der Hauptstadt Sicherheit. Beschützt von Blauhelmen, die rund um das Lager Zäune und Erdwälle errichten. Die beiden Söhne schaffen es nicht mehr. Jetzt leben sie in einer kleinen Hütte inmitten des Camps, das die UN hat aufbauen lassen.

Hilfe bei der Traumabewältigung

Rebecca leidet immer noch unter schweren Alpträumen. Wie sie und ihre Schwester leiden viele der Bewohner Südsudans unter den Folgen des Bürgerkriegs und brauchen psychologische Unterstützung. Da es in Südsudan nur sehr wenige ausgebildete Psychologen gibt, schickt die Dachorganisation von Handicap International  „Humanity & Inclusion“, psychologische Betreuer in das Camp in dem Rebecca und Martha leben. Das fünfköpfige Team wird von der deutschen Psychologin Dr. Lena Schmid geleitet, dabei müssen Kurse zwangsweise ein ganzes Studium samt Therapeutenausbildung ersetzen. Einer von ihnen ist Michael, er wohnt selbst im Dorf und ist ein geduldiger Zuhörer. Nicht nur Rebecca und Martha dient er als Ansprechpartner. Er erklärt wie die HI-Teams arbeiten:

„Wir arbeiten familienbasiert und setzen auf lokale Mitarbeiter. Sie sprechen dieselbe Sprache, verstehen die Kultur und Bräuche, die Verbreitungsmechanismen und Dynamiken in der Gemeinschaft.“

HI-Mitarbeiter Michael lebt selbst im Lager. Er ist eine wichtige Vertrauensperson für die Menschen, die dort leben.

HI-Mitarbeiter Michael lebt selbst im Lager. Er ist eine wichtige Vertrauensperson für die Menschen, die dort leben. © Till Mayer/HI

Alle Menschen im Camp haben viel durchmachen müssen. Viele haben im Krieg Angehörige verloren oder wurden selbst durch Minen oder andere Explosivwaffen schwer verletzt.So sieht das tägliche Leben der Menschen im UN-Camp in der Nähe der Hauptstadt Juba aus.

So sieht das tägliche Leben der Menschen im UN-Camp in der Nähe der Hauptstadt Juba aus. © Till Mayer/HI 

Inklusion der Schutzbedürftigsten

HI übernimmt unterschiedliche Aufgaben im Camp, kümmert sich um Verletzte und ihre medizinische Versorgung sowie die psychologische Betreuung traumatisierter Menschen.

Auch Menschen mit Behinderung mit Rollstühlen und Krücken zu versorgen, oder ihren Angehörigen einfache Massage-Übungen beizubringen, um ihnen das Leben zu erleichtern, gehört bei der Arbeit im Camp zu den täglichen Aufgaben.

Das Leben in den Camps ist hart – und für Menschen mit Behinderung eine Welt voller Barrieren.

Das Leben in den Camps ist hart – und für Menschen mit Behinderung eine Welt voller Barrieren. © Till Mayer/HI 

27 September 2018
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