Gehe zum Hauptinhalt

Handicap International verstärkt Engagement im irakischen Kurdistan

Minen und andere Waffen Nothilfe
Irak

Seit einiger Zeit wird der Irak von Angriffen der ISIS terrorisiert. Hunderttausende sind auf der Flucht. Besonders hart trifft es Menschen mit Behinderung oder Verletzungen. Handicap International findet und unterstützt sie.

Die Angriffe der ISIS (Islamischer Staat im Irak und in Syrien)  - die derzeit mit Mossul die zweitgrößte Stadt Iraks kontrolliert – haben zu beträchtlichen Vertreibungen der Bevölkerung geführt.  Hunderttausende sind in sicherere benachbarte Gebiete wie der autonomen Region Kurdistan in Schulunterkünften, bei Verwandten, in Moscheen, Zelten, und Bauruinen untergebracht. Erste Schätzungen  der UNHCR machen deutlich, dass 40 % dieser Flüchtlinge besonders schutzbedürftig  sind. Um dieser Situation entgegenzuwirken, hat Handicap International, bereits seit 1991 im irakischen Kurdistan aktiv, ein Projekt initiiert, das sich speziell an vertriebene Menschen mit Behinderung oder Verletzung richtet. Ziel des Projektes ist es, den spezifischen Bedürfnissen dieser Menschen gerecht zu werden und sicher zustellen, dass sie Zugang zu allen lebensnotwendigen Leistungen haben.

“Kurdistan wird immer mehr zur einzig sicheren Region im Norden des Iraks“, erklärt Benedetta Di Cintio, Leiterin des Programms von Handicap International im Irak. „Sollte nicht bald eine Lösung des aktuellen bewaffneten Konflikts gefunden werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass viele Menschen in dieser Region, die bereits 229.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen hat,  Zuflucht und Sicherheit suchen werden. Die humanitäre Situation kann schnell eskalieren und verschiedene Akteure haben bereits begonnen, die Verteilung von Hilfsgütern zu organisieren. Handicap International nimmt an diesen Maßnahmen teil und bringt die langjährige Erfahrung in Bezug auf die spezifischen Bedürfnissen von Menschen mit Behinderung und Verletzungen mit ein. Diese Menschen repräsentieren (durchschnittlich) mehr als 15 % der vertriebenen Bevölkerung. Ohne spezifische  Maßnahmen sind sie dem Risiko ausgesetzt, von der humanitären Hilfe außen vor gelassen zu werden.“

In Kooperation mit den anderen humanitären Akteuren wird Handicap International in Flüchtlingslagern für intern Vertriebene (IDP) tätig sein. „Ziel unserer Intervention ist zunächst die Menschen mit Behinderung und Verletzungen innerhalb der vertriebenen Bevölkerung zu identifizieren und ihre Bedürfnisse zu beurteilen, um diesen dann durch persönliche Unterstützung begegnen zu können. Mit unseren vorhandenen Ressourcen werden wir voraussichtlich in der Lage sein, in einem ersten Schritt etwa 1500 schutzbedürftigen Menschen und ihren Familien direkte Unterstützung für die nächsten drei Monate zukommen zulassen. Darüber hinaus arbeiten wir mit anderen humanitären Organisationen zusammen, um sicher zu stellen, dass alle Menschen mit Behinderung oder Verletzung vorrangigen Zugang zu den benötigten Leistungen erhalten. Wir arbeiten bereits seit Januar an dem Problem der Zugänglichkeit – wie zum Beispiel dem Zugang zu sanitären Einrichtungen für  syrische Flüchtlinge mit eingeschränkter Mobilität. Inklusion von Menschen mit Behinderung und anderen schutzbedürftigen Menschen ist der Schlüssel jeder humanitären Reaktion auf Fluchtbewegungen der Bevölkerung. Daher werden wir alles in unserer Macht stehende tun, alle großen Akteure dieser humanitären Maßnahmen mit den nötigen Hilfsmitteln auszustatten, damit sie dieser Herausforderung gerecht werden können.“

Wie bedanken uns bei unsere Partnerorganisation HelpAge, die wie wir Mitglied im Bündnis Aktion Deutschland Hilft ist, und unsere aktuellen Nothilfemaßnahmen im Irak unterstützt.

18 Juni 2014
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Trotz globalem Waffenstillstand viele Tote Minen und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit

Trotz globalem Waffenstillstand viele Tote

Sechs Monate nach dem Appell für einen weltweiten Waffenstillstand von UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnt Handicap International zusammen mit anderen Hilfsorganisationen vor den mangelnden Fortschritten auf dem Weg zum weltweiten Frieden. Millionen von Menschen leiden unter den Auswirkungen sowohl von kriegerischen Konflikten als auch der globalen Corona-Pandemie.

Libyen: Unerträgliche Zustände
© Till Mayer / HI
Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie

Libyen: Unerträgliche Zustände

Die Situation für Zivilist*innen ist in vielen Regionen lebensgefährlich und unerträglich: Tägliche Angriffe, verminte Straßen und Wohnungen, zusammengebrochenes Gesundheitssystem, traumatisierte Menschen. Die Menschen leiden unter Depressionen, der Missbrauch von Alkohol, Drogen und Medikamenten nimmt zu, die zwischenmenschliche Gewalt steigt. Viele Geflüchtete können nicht in ihre Häuser zurückkehren, da diese mit nicht explodierten Munitionsresten oder Minen verseucht sind. Eine ganze Generation ist betroffen, vor allem jüngere Menschen sehen keine Zukunft.

HI-Mitarbeiterin Zeina berichtet aus Beirut
© HI
Nothilfe

HI-Mitarbeiterin Zeina berichtet aus Beirut

Die Libanesin Zeina koordiniert ein Nothilfe-Team von 25 Experten und Expertinnen in Beirut. Die Situation ist schlimmer, als sie es für möglich gehalten hat.