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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Hoffnung kehrt nach Toulepleu zurück – Interview mit Antoine Larochette

Inklusion Nothilfe Öffentlichkeitsarbeit
Deutschland

Antoine Larochette ist kürzlich von einem viermonatigen Einsatz an der Elfenbeinküste zurückgekehrt, bei dem er die Aktionen von Handicap International in dem Bezirk um Toulepleu an der liberischen Grenze geleitet hat. Dies war eine der Regionen, die am schlimmsten von den Kämpfen infolge der Wahlen von 2010 betroffen war. Handicap International hilft den Menschen, die in ihre Dörfer zurückkehren und dort ihre Häuser in Ruinen vorfinden. Die Aufgabe, ihr Leben wiederaufzubauen, erfordert große Anstrengungen. Aber der Wunsch der Beteiligten vor Ort, mit diesem Kapitel abzuschließen und gemeinsam voranzukommen, birgt das Versprechen einer guten Zukunft für individuelle und kollektive Initiativen in der Region.

„Als ich im vergangenen Oktober in Toulepleu ankam, fiel mir sofort die große Anzahl ausgebrannter Häuser auf“, erinnert sich Antoine. „Das hinterlässt einen starken Eindruck und man kann sich nur vorstellen, welche Brutalität hier geherrscht hat. Auch die Felder sind verlassen…und das in einer Region, die zuvor Kaffee, Kakao, Kautschuk, Teakholz und Reis produziert hat. Es wird einige Monate gearbeitet werden müssen, bevor die Leute wieder ernten können.“

Wenn die vor den Kämpfen geflohenen Menschen wieder nach Hause zurückkehren, müssen sie ihre Dörfer und ihre Existenz von Grund auf wiederaufbauen. Das ist eine extrem schwierige Aufgabe und deshalb unterstützt sie  Handicap International dabei. Die erste Maßnahme der Organisation besteht in der Verteilung von Grundausstattungssets (mit Reparaturwerkzeug für ihre Häuser sowie Koch- und Waschutensilien) zur Wiederansiedlung für 2000 Haushalte, deren besondere Bedürftigkeit festgestellt wurde.

Unsere Aktionen vor Ort

Da der Einsatz von Handicap International in Toulepleu so umfangreich wie möglich sein soll und den Zusammenhalt der ortsansässigen Bewohner verstärken soll, arbeiten wir daran, die Menschen zu sensibilisieren und ihnen psychosoziale Betreuung zu ermöglichen. „Während der Kämpfe mussten die aus ihren Häusern geflohenen Familien oft weniger mobile Menschen, wie alte und behinderte Menschen, zurücklassen. Das war für sie eine schreckliche Erfahrung und nun brauchen sie besondere Unterstützung. Andere leiden unter körperlichen oder geistigen Behinderungen, die sie als direkte Folge der Kämpfe entwickelt haben. Nicht nur Häuser, sondern auch der Alltag der Menschen muss in Ordnung gebracht und wiederaufgebaut werden.“

Es liegt viel Arbeit vor uns, aber Dank der Begeisterung und des Engagements aller Beteiligten vor Ort haben die Aktionen von Handicap International eine größere Wirkung. „Deshalb sind wir der Ansicht, dass es wichtig ist, unsere Anstrengungen aufrecht zu erhalten und unsere Aktivitäten auszuweiten, weil schon kleine Vorstöße von unserer Seite ausreichen, um die Dinge vor Ort wirklich in Bewegung zu versetzen. So stoßen wir derzeit ein neues Projekt an – Häuserbau. Wir möchten die Dinge schnell vorantreiben und die Selbstversorgungsfähigkeit der örtlichen Anwohner so schnell wie möglich wiederherstellen. Denn das wollen hier alle: sich endlich wieder selbst versorgen können und nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen sein.“

Handicap International bemüht sich mittels traditioneller Feste sowie Kultur- und Sportveranstaltungen auch, verschiedene Gruppierungen zu versöhnen, von denen einige in der Phase nach den Wahlen in gewalttätige Zusammenstöße verwickelt waren. Diese Veranstaltungen werden aber auch genutzt, um die Inklusion von Menschen mit Behinderungen voranzutreiben. „Die Momente, in denen alle zusammen kommen, haben etwas Magisches. Man spürt den klaren Wunsch, das Kapitel abzuschließen und gemeinsam vorwärtszukommen. Das ist sehr ermutigend. Alle wollen die gleiche Richtung einschlagen“, ergänzt Antoine. „Aber aufgrund der Spannungen, die das Land im Laufe der letzten Jahre gespalten haben, ist das natürlich nicht einfach.“

Günstige Bedingungen

„Unsere Botschaft richtet sich an alle und wir merken, dass sie tatsächlich Wirkung zeigt. Wir arbeiten unter optimalen Bedingungen -  gegründet auf Vertrauen und Partnerschaft mit den Menschen vor Ort.“ Die Stärke dieses Einsatzes liegt auch in der Kompetenz seiner Teams, von denen die meisten vor Ort eingestellt wurden. „Wir haben sehr gut ausgebildete und motivierte Teams, wir konnten den Großteil unserer Ressourcen vor Ort beschaffen und arbeiten mit ortsansässigen Handwerksleuten. Dies ist wirklich ein Einsatz, in dem wir Hand in Hand mit allen arbeiten. Wir sind Teil einer gemeinsamen Anstrengung.“

Alle müssen am Wiederaufbau beteiligt werden

Der Auftrag von Handicap International besteht darin, den wirtschaftlichen Wiederaufbau zu fördern und sicherzustellen, dass besonders schutzbedürftige Menschen vollkommen in diesen Wiederaufbau integriert werden. Dies betrifft auch Menschen mit Behinderung, die oft vom sozialen und wirtschaftlichen Leben in ihrem Umfeld ausgeschlossen werden. „Dies liegt teilweise an traditionellen Überzeugungen, die dazu führen können, dass Menschen mit geistiger Behinderung ausgeschlossen werden, aber vor allem daran, dass die größtenteils landwirtschaftliche Arbeit es erschwert, Menschen mit Körperbehinderung mit einzubeziehen.“

Hoffnung für die Bewohner von Toulepleu

Handicap International setzt sich für einen Wiederaufbau ein, der Menschen mit Behinderung nachhaltig einbindet und es ihnen ermöglicht, produktiv zu sein und am sozialen Leben in ihrem Umfeld teilzunehmen. „Die Situation in Toulepleu ist sehr interessant. Auf der einen Seite sind wir mit der immensen Herausforderung konfrontiert, Menschen mit Behinderung sowohl wirtschaftlich als auch sozial in ihr Lebensumfeld einzubinden, wobei die Feldwege für Rollstuhlfahrer ungeeignet sind und die Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen oft sehr weit entfernt sind. Gleichzeitig besteht eine starke Struktur der Verbundenheit und ein System der gegenseitigen Hilfe, auf das wir uns verlassen können, um die Dinge wieder in Bewegung zu versetzen. Wir gehen sehr motiviert an unsere Arbeit, weil wir wissen, dass die Aufgaben bewältigt werden können. Ich war im Laufe der vergangenen fünf Jahre an vielen humanitären Einsätzen beteiligt, und man kann die Situationen an einer Hand abzählen, in denen man ganz klar erkennen konnte, dass man auf dem richtigen Weg ist, um eine Krise zu bewältigen und nicht lediglich ihre Auswirkungen zu vermindern!“

„Während des Afrika-Cups vor einiger Zeit haben sich alle versammelt, um die Nationalmannschaft – ‚die Elefanten‘ – zu unterstützen. Es ist wirklich schade, dass sie im Finale wieder verloren haben, aber der riesige Begeisterungssturm für dieses nationale Symbol hat alle vereint. Ein toller Impuls für die weitere Entwicklung!“

14 Mai 2012
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