Gehe zum Hauptinhalt

Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Humanitäre NGOs fordern Schutz der Zivilbevölkerung in Kachin und Nordshan, Myanmar

Nothilfe
Myanmar

Als nationale und internationale Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die in Kachin und Nordshan, Myanmar, arbeiten, sind wir sehr besorgt über die weitere Eskalation des bewaffneten Konflikts. Im Monat April und Anfang Mai fanden gewaltsame Zusammenstöße statt, die sich direkt auf die Zivilbevölkerung auswirken und die tausende Zivilisten mehrmals zur Flucht zwangen. Es muss dringend gehandelt werden, um Menschenleben zu retten und die umfassenden und wachsenden humanitären Bedürfnisse zu decken.

Humanitäre NGOs fordern sofortiges Ende der Kampfhandlungen, den Schutz der Zivilbevölkerung und den humanitären Zugang in Kachin und Nordshan, Myanmar

Infolge der Eskalation des bewaffneten Konflikts Anfang 2018, durch den Tausende in Kachin und im Norden des Staates Shan fliehen mussten, sind wir zutiefst erschüttert über die neuesten Ereignisse, in denen es unter anderem zu Auseinandersetzungen in der Nähe von Flüchtlingscamps und zivilen Siedlungen kam. Dabei wurden Zivilisten getötet und verletzt; zudem sind sie nach wie vor in aktiven Kampfgebieten eingeschlossen. Wir sind ernsthaft besorgt über die Sicherheit und Versorgung von über 2.000 Zivilisten, insbesondere die Schutzbedürftigsten unter ihnen, die aktuell in den Dörfern Awng Lawt, Sut Ra und Sut Ring Yang, im Township Tanai, im Dorf Man Wai, der Gegend Lainawng Hku und im Sub-Township Kamai im Staat Kachin eingesperrt sind. Ihr Leben ist in Gefahr, da wiederholte Forderungen nach einem sicheren Evakuierungsweg und dem Zugang zu lebensrettender humanitärer Hilfe weiterhin abgelehnt werden. Diese Zivilisten zählen zu den über 5.000 Geflüchteten, die allein im Monat April vertrieben wurden. Sie haben Angst, zu früh und ohne Garantie für ihre Sicherheit zur Rückkehr in ihre Dörfer gezwungen zu werden. Eine Rückkehr darf aber nur dann erfolgen, wenn sie freiwillig ist und die Sicherheit der Menschen gewährleistet wird.

Im Laufe der letzten Monate sind die Vorfälle mit zivilen Opfern und Verletzungen innerhalb des bewaffneten Konflikts unter anderem durch Luftangriffe, Mörser und Landminen weiter gestiegen. Es ist jetzt entscheidend, dass alle Konfliktparteien den Schutz der Zivilbevölkerung gewährleisten und die internationalen Menschenrechte sowie humanitäres Völkerrecht einhalten – in diesem Fall besonders die Vorschrift der Unterscheidung zwischen zivilen und militärischen Zielen.

Die aktuelle Eskalation des bewaffneten Konflikts mit den Luftangriffen durch die Regierungsstreitkräfte Myanmars zählt zu den schlimmsten der letzten Jahre. Im April wurden bewaffnete Auseinandersetzungen in den Townships Hpakant, Tanai, Mogaung, Sumprabum, Injayang, Momauk, Chipwe und Waingmaw berichtet. Dies verschlimmert die Angst und Sorge im ganzen Staat Kachin. Aktuell ist die Kapazität von Nichtregierungsorganisationen, effektiv auf die humanitären Bedürfnisse einzugehen, überdehnt, da sie bereits über 100.000 Geflüchtete versorgen, die vorher in Kachin und Nordshan geflohen waren. Die finanzielle Ausstattung der humanitären Hilfe schafft es nicht mit den humanitären Bedürfnissen mitzuhalten. Es ist nun entscheidend, dass angemessene Mittel zur Verfügung gestellt werden, um den eskalierenden Bedarf zu decken und dass die humanitären Akteure alles in ihrer Macht Stehende tun, um sich für den Schutz der zivilen Bevölkerung und den uneingeschränkten Zugang der humanitären Hilfe einzusetzen. Darüber hinaus müssen sie die Bemühungen verstärken, um Frieden und Gerechtigkeit in Kachin und Nordshan wiederherzustellen.

In Anbetracht der Notlage und des akuten humanitären Bedarfs fordern wir als nationale und internationale Organisationen, die sich den Prinzipien der Menschlichkeit, Unabhängigkeit, Neutralität und Unparteilichkeit verschrieben haben, alle bewaffneten Akteure und Autoritäten in Kachin und dem nördlichen Staat Shan dazu auf:

1) Die Feindseligkeiten in zivilen Gebieten unverzüglich einzustellen und die sichere Evakuierung der Zivilisten aus den Konfliktgebieten zu garantieren.

2) Alle Einschränkungen für Zivilisten beim Zugang zur humanitären Hilfe und die Einschränkungen für humanitäre Organisationen bei der Bereitstellung von humanitären Gütern und Leistungen zu beseitigen.

3) Sich an alle Verpflichtungen aus dem humanitären Völkerrecht und den Menschenrechten zu halten und diese zu erfüllen und die Verstöße gegen Menschenrechte sowie die Unsicherheit für Zivilisten umgehend zu beenden.

4) Die Bemühungen und das Engagement hinsichtlich einer dauerhaften und gerechten politischen Lösung zu verdoppeln, statt einen bewaffneten Konflikt zu führen.

Unterzeichnende Organisationen des Statements

4 Mai 2018
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Humanitärer Kongress Berlin am 17. und 18. Oktober 2019:  Klimakrise verstärkt Barrieren für Menschen mit Behinderung / Umdenken bei humanitären Helfern notwendig
© C.Briade/HI
Inklusion Nothilfe

Humanitärer Kongress Berlin am 17. und 18. Oktober 2019: Klimakrise verstärkt Barrieren für Menschen mit Behinderung / Umdenken bei humanitären Helfern notwendig

Auf dem Humanitären Kongress in Berlin diskutieren Expert/-innen über die humanitären Herausforderungen der Klimakrise. Der Klimawandel verstärkt die Anzahl der Katastrophen und Konflikte weltweit. Für Menschen mit Behinderung sind die Barrieren nach Naturkatastrophen oder in Konfliktregionen besonders hoch und oftmals werden sie in der humanitären Hilfe übersehen. Handicap International fordert mehr Teilhabe für die, die am meisten Schutz benötigen. Humanitäre Helfer müssen im Notfall inklusiv denken und diejenigen erreichen, die sie am dringendsten benötigen.

Vor der nächsten Katastrophe: Stärkung und Vorbereitung für die Schutzbedürftigsten
©CARE, 2017
Nothilfe

Vor der nächsten Katastrophe: Stärkung und Vorbereitung für die Schutzbedürftigsten

Naturkatastrophen passieren immer wieder und sind selten vorhersehbar. Deshalb hilft HI in 16 besonders gefährdeten Ländern, um die Menschen besser darauf vorzubereiten und beispielsweise die Häuser widerstandsfähiger zu machen. Im Fokus unserer Unterstützung: Hilfe für Menschen mit Behinderung, ältere Personen und Kinder. In einem unserer Projekte fördern wir nachhaltige Baumethoden, die starken Stürmen standhalten können.

HI hilft den Geflüchteten aus Venezuela
© HI
Nothilfe

HI hilft den Geflüchteten aus Venezuela

Kolumbien hat über eine Million Venezolaner und Venezolanerinnen aufgenommen, die aus ihrem Land geflüchtet sind. HI leistet dort Nothilfe für diese schutzbedürftigen Menschen. Seit 2013 herrscht in Venezuela eine schwere ökonomische, politische und soziale Krise. Der Zugang der Bevölkerung zur Gesundheitsversorgung, zu Lebensmitteln und sanitären Einrichtungen ist erheblich zurückgegangen. Die humanitären Bedürfnisse sind beträchtlich. Mindestens 3,4 Millionen Venezolaner sind aus ihrem Land geflohen, davon 2,7 Millionen in die Länder Lateinamerikas und der Karibik. Über eine Million von ihnen haben Zuflucht im Nachbarland Kolumbien gefunden.
 

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ