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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Irak: Nothilfe für schutzbedürftige Menschen

Minen, Streubomben und andere Waffen Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie
Irak

Handicap International stärkt seine Teams im Irak, um die besonders schutzbedürftigen Menschen zu unterstützen. Oberste Priorität: Familien in Not ausfindig zu machen und ihnen eine auf ihre Bedürfnisse angepasste Unterstützung zukommen zu lassen.

„Ich habe kranke Menschen gesehen, die keinen Zugang zu medizinische Behandlungen haben, die eigentlich nur wenige Kilometer von ihnen entfernt angeboten wird. Sie befinden sich in Gefahr“, erzählt Benedetta Di Cintio, Leiterin des Projekts von Handicap International im Irak. Über mehrere Tage hinweg machte sie sich auf die Suche nach Vertriebenen, die derzeit zu Tausenden vor den Kämpfen im Zentrum des Landes fliehen. Sie hat Familien gesehen, die in wenigen Stunden voneinander getrennt wurden, als sie der Gewalt entflohen.

„Am meisten hat es mich berührt“, sagt Benedetta, „Familien zu treffen, beispielsweise Lehrerfamilien, Professoren von Universitäten, die in eine Schule flüchten mussten, wo sie doch wenige Tage zuvor noch ein normales Leben geführt haben. Unter ihnen befand sich ein kleines Mädchen mit Epilepsie, das dringend medizinische Behandlung benötigte. Ihre Mutter erklärte mir, dass ihre Medikamentenvorräte sich dem Ende neigten und sie vor Ort keine Neuen kaufen könne, weil Kontrollpunkte, von den bewaffneten Gruppen gehaltene Zonen und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit dieses lebensrettende Vorhaben vereiteln. Schutzbedürftige Menschen befinden sich faktisch in Gefahr. Das ist eine paradoxe Situation, wo doch  die Gesundheitsinfrastruktur im Nordirak in den Krankenhäusern relativ gut ist.“ Das Versorgungsproblem kommt mit den Ereignissen dieses Konfliktes auf, der von nun an den Irak spalten wird. Weiter im Süden, in Moussol, sind viele Krankenhäuser nicht mehr dazu in der Lage, angemessen zu arbeiten. Ein Teil des Personals hat die Flucht ergriffen und aufgrund von fehlendem Treibstoff kann das Material nicht genutzt werden, es gibt einfach keinen Strom mehr.

Handicap International mobilisiert also seine Teams, damit die schutzbedürftigsten Menschen in dieser Krise nicht vergessen werden, wo gerade sie besondere Aufmerksamkeit benötigen. „Wenn Zehntausende, Hunderttausende Menschen Nahrung, Unterkunft und Behandlung benötigen, dann brauchen Menschen mit Behinderung und ältere Menschen noch mehr Unterstützung, da sie nicht so einfach selbstständig nach Hilfe suchen können“, erklärt Benedetta.

Verstärkung durch zwei Nothelfer

Handicap International hat zwei zusätzliche Nothelfer entsandt, um das mobile Team vor Ort zu unterstützen. Ebenfalls ist am Sonntag ein technischer Berater aus London abgereist, um das Dispositiv zu verstärken. „Wir möchten, dass unsere Nothilfe-Aktivitäten, die für die kommenden Wochen geplant sind, danach in unsere längerfristigen Projekte übergehen. Und da die Situation sehr instabil ist, müssen wir mehrere Szenarios erarbeiten, um auf die Entwicklungen rasch reagieren zu können.“ 

Fünfzehn Personen bilden das Rückgrat eines Projektes, welches rund 1.500 schutzbedürftige Personen unterstützen soll. Mobile Teams werden in der Region Dohuk Familien besuchen, die als hilfsbedürftig identifiziert wurden. Diese Identifizierung ist möglich dank des in den letzten 20 Jahren durch Handicap International mit aufgebauten Netzwerks von Organisationen von Menschen mit Behinderung im Land. Die Teams klären die spezifischen Bedürfnisse dieser Familien ab, um ihnen die benötigten Hilfeleistungen zukommen zu lassen. Falls nötig, greift Handicap International ebenfalls auf das Netzwerk zurück, um weitere schutzbedürftige Menschen in der Region Kurdistan zu identifizieren. „Diese Arbeit der Identifizierung ist unerlässlich“, unterstreicht Bendetta. „In einigen Dörfern, in denen wir in diesen Tagen unterwegs sind, berichteten uns mehrere Gruppen von Vertriebenen, dass sie bisher noch keine Hilfsorganisationen angetroffen hätten.“

Gemäss den Vereinten Nationen, haben 43% der Vertriebenen Zuflucht bei Verwandten oder Freunden gefunden, 38% leben provisorisch in Hotels, 13% in noch nicht fertiggestellten Häusern. Die besonders Schutzbedürftigen befinden sich hauptsächlich an öffentlichen Orten oder in den sich im Aufbau befinden Camps. „Während meinen Besuchen bei den Vertriebenen, habe ich nur wenige Verletzte gesehen“, erklärt Bendetta. „Die Menschen haben ihre Häuser verlassen, bevor die Kämpfe ausbrachen.“

Wie bedanken uns bei unsere Partnerorganisation HelpAge, die wie wir Mitglied im Bündnis Aktion Deutschland Hilft ist, und unsere aktuellen Nothilfemaßnahmen im Irak unterstützt.

25 Juni 2014
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