Gehe zum Hauptinhalt

Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Jemen: Die schwerste humanitäre Krise der Welt

Nothilfe

HI arbeitet in acht Gesundheitszentren und Krankenhäusern in Sana‘a, der Hauptstadt des Jemen. Wir bieten dort Rehabilitationsmaßnahmen und psychologische Unterstützung an und verteilen Mobilitätshilfen wie Krücken und Rollstühle. Der andauernde Konflikt und die im November 2017 von der saudi-arabischen Koalition verhängte Blockade haben verheerende Auswirkungen auf die Bevölkerung. Maud Bellon, Leiterin der HI-Programme im Jemen, beschreibt die Situation.

Ein jemenitisches Kind geht durch den Schutt eines Gebäudes, das bei einem Luftangriff in der  Stadt Taez zerstört wurde.

Ein jemenitisches Kind geht durch den Schutt eines Gebäudes, das bei einem Luftangriff in der Stadt Taez zerstört wurde. | ©Ahmad AL-BASHA AFP

Wie ist die aktuelle Lage im Jemen?

Ich habe kürzlich mehrere Tage in Aden verbracht, weil wir hoffen, im Januar nächsten Jahres neue humanitäre Projekte in der Stadt und in den Gebieten Taizz und Lahj durchführen  zu können. Aden ist nicht das Ziel gewalttätiger Angriffe, im Gegensatz zu anderen Städten wie Hoddeidah im Osten des Jemen, wo die Kämpfe extrem gewalttätig sind, oder Sa'ada im Norden, die fast jeden Tag bombardiert wird. Aden ist eine gefährliche Stadt, aber eher wegen zunehmender Kriminalität und Protesten gegen steigende Preise. Die Zahl bewaffneter Gruppen ist deutlich gestiegen. Es gibt regelmäßige Angriffe und Mordanschläge auf lokale Führungspersönlichkeiten. Die Regierung von Aden ist in zwei rivalisierende Lager geteilt.

Erzähl uns von der Blockade, die vor einem Jahr verhängt wurde...

Vor zwölf Monaten hat die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition eine Blockade auf Importe in das Land verhängt. Kraftstoff ist heute nur noch über alternative Kanäle erhältlich und natürlich teurer. Der Preis für Lebensmittel, Gas usw. ist gestiegen und es ist für eine jemenitische Familie fast unmöglich, normal zu leben.

Die heftigen Kämpfe, die Anfang des Jahres in Hoddeidah ausgebrochen sind, haben die Krise verschärft und Millionen von Jemeniten, die eh schon ums Überleben kämpfen, weiter geschwächt. Über den Hafen von Hoddeidah gelangen fast 80 Prozent der jemenitischen Importe und der größte Teil der humanitären Hilfe ins Land.

Obwohl das Land fast alle seine Lebensmittel importiert, sind 18 Millionen Menschen – 60 Prozent der Bevölkerung des Landes – aufgrund des Zusammenspiels der Auswirkungen von Konflikt und Blockade von einer Hungersnot bedroht. In vielen Gebieten ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser sehr schwierig, was in den letzten Wochen die Cholera ausbrechen ließ.

Wo leistet HI humanitäre Hilfe?

Im Moment konzentrieren wir unsere humanitären Maßnahmen auf Sana'a. Seit 2015 stellen wir Rehabilitationsmaßnahmen, psychologische Unterstützung und Mobilitätshilfen (Prothesen, Krücken, Rollstühle, etc.) bereit. Wir arbeiten in acht Krankenhäusern und Rehabilitationszentren. In den letzten drei Jahren haben wir 20.000 Menschen mit Reha versorgt, 17.000 Menschen mit psychosozialen Therapien unterstützt und 9.500 Menschen mit Prothesen, Rollstühlen oder Krücken ausgestattet. Sechzig Prozent der von uns behandelten Menschen sind durch den Konflikt, durch Autounfälle oder ähnliches verletzt worden.

Vor kurzem haben wir auch ein Programm zur finanziellen Unterstützung von fast 600 Familien begonnen. Wir möchten in diesem Zusammenhang unseren Spendern und internationalen Gebern wie dem Auswärtigen Amt danken, die es uns ermöglichen unsere Arbeit für die betroffenen Menschen im Jemen fortzusetzen.

Wie ist die Sicherheitslage in Sana'a?

Die Kämpfe konzentrieren sich hauptsächlich auf den Stadtrand von Sana'a und es kommt zu sporadischen Bombenangriffen. Ein Team musste aufgrund von Bombardierungen in der Nähe des Krankenhauses, zu dem sie fuhren, eine Kehrtwende machen. Der Flughafen der Stadt wurde kürzlich angegriffen. Die extreme Instabilität der Situation gibt regelmäßig Anlass zur Sorge um die Sicherheit der HI-Teams.

Welle von Verlusten

„Die Verwundeten von den verschiedenen Frontlinien kommen in Wellen an, je nachdem, wie heftig die Kämpfe sind. Die meisten werden bei Explosionen, durch Schüsse usw. verletzt. Wir behandeln auch eine große Anzahl von Verkehrsunfallopfern und Amputationen. Da die Krankenhäuser so überfüllt sind, schickt das medizinische Personal die Patienten sofort nach der Operation zurück, es sei denn, der Patient hat genug Geld, um zu bleiben. Eines der Hauptprobleme ist auch der Transport von Verletzten von der Front ins Krankenaus sowie die Kosten für diese Transporte und die der medizinischen Behandlung."

Wichtige Fakten zur humanitären Krise

  • Am 5. und 6. November 2017 verhängte die von Saudi-Arabien geführte Koalition eine totale Blockade von Flughäfen, Häfen und Landesgrenzen im Jemen.
  • Mehrere Flug- und Seehäfen haben inzwischen teilweise wieder geöffnet.
  • Zwölf Millionen Menschen sind unterernährt.
  • Mehr als 16 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen und hygienischer Versorgung.
  • Der Wert der lokalen Währung, des jemenitischen Rial, fiel 2018 stark und machte viele lebenswichtige Grundbedürfnisse wie Gesundheitsversorgung, Nahrung und Unterkünfte für die meisten Menschen unerreichbar.
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete im Oktober 2018 13.500 Fälle von Cholera und warnte vor der Gefahr einer neuen Epidemie.

 

Logo Auswärtiges Amt Deutsche humanitäre Hilfe

13 November 2018
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Humanitärer Kongress Berlin am 17. und 18. Oktober 2019:  Klimakrise verstärkt Barrieren für Menschen mit Behinderung / Umdenken bei humanitären Helfern notwendig
© C.Briade/HI
Inklusion Nothilfe

Humanitärer Kongress Berlin am 17. und 18. Oktober 2019: Klimakrise verstärkt Barrieren für Menschen mit Behinderung / Umdenken bei humanitären Helfern notwendig

Auf dem Humanitären Kongress in Berlin diskutieren Expert/-innen über die humanitären Herausforderungen der Klimakrise. Der Klimawandel verstärkt die Anzahl der Katastrophen und Konflikte weltweit. Für Menschen mit Behinderung sind die Barrieren nach Naturkatastrophen oder in Konfliktregionen besonders hoch und oftmals werden sie in der humanitären Hilfe übersehen. Handicap International fordert mehr Teilhabe für die, die am meisten Schutz benötigen. Humanitäre Helfer müssen im Notfall inklusiv denken und diejenigen erreichen, die sie am dringendsten benötigen.

Vor der nächsten Katastrophe: Stärkung und Vorbereitung für die Schutzbedürftigsten
©CARE, 2017
Nothilfe

Vor der nächsten Katastrophe: Stärkung und Vorbereitung für die Schutzbedürftigsten

Naturkatastrophen passieren immer wieder und sind selten vorhersehbar. Deshalb hilft HI in 16 besonders gefährdeten Ländern, um die Menschen besser darauf vorzubereiten und beispielsweise die Häuser widerstandsfähiger zu machen. Im Fokus unserer Unterstützung: Hilfe für Menschen mit Behinderung, ältere Personen und Kinder. In einem unserer Projekte fördern wir nachhaltige Baumethoden, die starken Stürmen standhalten können.

HI hilft den Geflüchteten aus Venezuela
© HI
Nothilfe

HI hilft den Geflüchteten aus Venezuela

Kolumbien hat über eine Million Venezolaner und Venezolanerinnen aufgenommen, die aus ihrem Land geflüchtet sind. HI leistet dort Nothilfe für diese schutzbedürftigen Menschen. Seit 2013 herrscht in Venezuela eine schwere ökonomische, politische und soziale Krise. Der Zugang der Bevölkerung zur Gesundheitsversorgung, zu Lebensmitteln und sanitären Einrichtungen ist erheblich zurückgegangen. Die humanitären Bedürfnisse sind beträchtlich. Mindestens 3,4 Millionen Venezolaner sind aus ihrem Land geflohen, davon 2,7 Millionen in die Länder Lateinamerikas und der Karibik. Über eine Million von ihnen haben Zuflucht im Nachbarland Kolumbien gefunden.
 

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ