Gehe zum Hauptinhalt

Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Kobane: Stadt voller Trümmer und Blindgänger

Minen und andere Waffen
Syrien

Schon vor den jüngsten Kämpfen um Kobane hat ein Bericht von Handicap International gezeigt, dass bei Kämpfen in den letzten Monaten nicht nur 80% der Stadt zerstört wurden – die Wohngebiete sind auch mit einer beispiellosen Menge von explosiven Rückständen verseucht.

Man sieht Kobane nach der Bombardierung. Ein Trümmerfeld unter blauem Himmel.

80% aller Gebäude wurden in Kobane zerstört, Syrien. | © Philippe Houliat / Handicap International

Vier Monate dauerten Ende 2014/Anfang 2015 die Bodenkämpfe, dazu kamen Luftangriffe durch die Koalition unter Führung der USA. Dabei wurden fast 80% aller Gebäude zerstört, außerdem blieben durchschnittlich 10 Munitionsteile pro Quadratmeter im Stadtzentrum zurück. Blindgänger und Sprengfallen (Booby Traps) gefährden die Rückkehr der syrischen Bevölkerung nach Kobane und schränken die humanitäre Hilfe ein.

Im April führten Fachkräfte von Handicap International eine Lagebewertung in Kobane durch. Das Team wurde direkt Zeuge der Konsequenzen der brutalen Konflikte, die im Stadtzentrum und in den südlichen und nördlichen Vierteln von Kobane stattfanden. Die Fachkräfte entdeckten verteilt über die Stadt fast 1.000 Bombenkrater – manche mit mehr als zehn Metern Durchmesser. Sie sind Resultate von mehr als 700 Luftangriffen mit 250 bis 1.000 kg schweren Fliegerbomben sowie Explosionen von 40 Autos mit Sprengfallen im Stadtzentrum.

Der Stadtkern von Kobane ist extrem kontaminiert: Hier befinden sich auf einem Quadratmeter durchschnittlich zehn Munitionsteile. Nach langen und heftigen Kämpfen sind sowohl Blindgänger industrieller als auch selbstgefertigter Munition unter den Trümmern von eingestürzten und beschädigten Häusern vergraben. Dazu kommt in den Vierteln, in denen die heftigsten Kämpfe tobten, eine erhebliche Menge an Sprengfallen, darunter Sprengsätze, die in Leichen versteckt werden (booby-trapped corpses).

“Was unsere Fachleute in Kobane gesehen haben, übertraf unsere schlimmsten Albträume: Ein Großteil der Stadt ist extrem zerstört, und die Kontaminierung mit nicht-explodierten Waffen aller Art hat eine Dichte und Vielfalt erreicht, die es so noch kaum gab“, sagte Frédéric Maio, Programm-Manager für humanitäre Minenaktion bei Handicap International. „Die Blindgänger und Sprengfallen stellen für die Menschen, die aus Kobane geflüchtet sind und nun zurückkehren wollen, eine tägliche Bedrohung dar. Sie machen es den Menschen unmöglich, ihre Leben wieder aufzubauen und sie blockieren ganze Gebiete. Außerdem halten sie humanitäre Organisationen davon ab, in Sicherheit zu arbeiten und der betroffenen Bevölkerung die notwendige Unterstützung bereitzustellen."

Es ist an der Zeit, dass die internationale Gesellschaft die erschreckende Auswirkung des Einsatzes von explosiven Waffen in bevölkerten Gebieten wie Kobane erkennt und sich für eine internationale politische Verpflichtung stark macht, um den Einsatz von explosiven Waffen in bevölkerten Gebieten zu beenden.

17 Juni 2015
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Debatte im UN-Sicherheitsrat zum Schutz der Zivilbevölkerung
© E. Fourt/HI
Minen und andere Waffen

Debatte im UN-Sicherheitsrat zum Schutz der Zivilbevölkerung

Am 23. Mai jährt sich zum zwanzigsten Mal im Sicherheitsrat die offene Debatte über den Schutz von Zivilist/-innen. Gemeinsam mit dem internationalen Netzwerk INEW laden wir zu einer Begleitveranstaltung in New York, bei dem über eine künftige politische Erklärung gegen den Einsatz von Explosivwaffen in Wohngebieten diskutiert wird. Bereits im Vorfeld haben wir zusammen mit 21 weiteren NGOs in einer offenen Stellungnahme konkrete Maßnahmen gefordert, um das Leid der Zivilbevölkerung in Konfliktgebieten zu verringern.

„Ich könnte mir keinen anderen Job vorstellen“
© Oriane van den Broeck / HI
Minen und andere Waffen

„Ich könnte mir keinen anderen Job vorstellen“

Seit 2013 ist Rabih Minenräumer für HI im Nordlibanon. Er arbeitet in einer Region, die besonders mit explosiven Kriegsresten verseucht ist. Handicap International ist mit Minenräumteams im Libanon tätig, um die Landminen zu räumen, die aus dem Bürgerkrieg 1975-1990 und dem Konflikt von 2006 stammen. Rabih gehört zum HI-Team, das vier Bezirke(insgesamt 21 Dörfer) entmint.

HI warnt: Entminung immer schwieriger
Till Mayer/HI
Minen und andere Waffen

HI warnt: Entminung immer schwieriger

München, 4. April 2019. Anlässlich des Internationalen Tags der Aufklärung über die Minengefahr äußert sich die gemeinnützige NGO Handicap International (HI) besorgt über die große Anzahl an Blindgängern durch den weit verbreiteten Einsatz von Explosivwaffen in aktuellen Konflikten. Außerdem ist der Einsatz von improvisierten Minen gestiegen. Die verminten Zonen befinden sich häufig in städtischen Gebieten, sie sind schwieriger zu räumen und stellen die humanitären Räumexpert/-innen vor neue Herausforderungen. HI führt in sieben Ländern Räumungsprojekte durch: Kolumbien, Irak, Laos, Libanon, Libyen, Senegal und Tschad. Die Organisation testet auch innovative Wege, um die Entminungsarbeit zu erleichtern wie beispielsweise den Einsatz von Drohnen, um betroffene Gebiete schneller zu erkennen und zu vermessen. Insgesamt sind 60 Staaten und andere Gebiete durch Minen und explosive Kriegsreste in der ganzen Welt verseucht.

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ Aswärtiges Amt, BMZ, Europa, UNHCR, GIZ