Gehe zum Hauptinhalt

Kobane: Stadt voller Trümmer und Blindgänger

Minen, Streubomben und andere Waffen
Syrien

Schon vor den jüngsten Kämpfen um Kobane hat ein Bericht von Handicap International gezeigt, dass bei Kämpfen in den letzten Monaten nicht nur 80% der Stadt zerstört wurden – die Wohngebiete sind auch mit einer beispiellosen Menge von explosiven Rückständen verseucht.

Man sieht Kobane nach der Bombardierung. Ein Trümmerfeld unter blauem Himmel.

80% aller Gebäude wurden in Kobane zerstört, Syrien. | © Philippe Houliat / Handicap International

Vier Monate dauerten Ende 2014/Anfang 2015 die Bodenkämpfe, dazu kamen Luftangriffe durch die Koalition unter Führung der USA. Dabei wurden fast 80% aller Gebäude zerstört, außerdem blieben durchschnittlich 10 Munitionsteile pro Quadratmeter im Stadtzentrum zurück. Blindgänger und Sprengfallen (Booby Traps) gefährden die Rückkehr der syrischen Bevölkerung nach Kobane und schränken die humanitäre Hilfe ein.

Im April führten Fachkräfte von Handicap International eine Lagebewertung in Kobane durch. Das Team wurde direkt Zeuge der Konsequenzen der brutalen Konflikte, die im Stadtzentrum und in den südlichen und nördlichen Vierteln von Kobane stattfanden. Die Fachkräfte entdeckten verteilt über die Stadt fast 1.000 Bombenkrater – manche mit mehr als zehn Metern Durchmesser. Sie sind Resultate von mehr als 700 Luftangriffen mit 250 bis 1.000 kg schweren Fliegerbomben sowie Explosionen von 40 Autos mit Sprengfallen im Stadtzentrum.

Der Stadtkern von Kobane ist extrem kontaminiert: Hier befinden sich auf einem Quadratmeter durchschnittlich zehn Munitionsteile. Nach langen und heftigen Kämpfen sind sowohl Blindgänger industrieller als auch selbstgefertigter Munition unter den Trümmern von eingestürzten und beschädigten Häusern vergraben. Dazu kommt in den Vierteln, in denen die heftigsten Kämpfe tobten, eine erhebliche Menge an Sprengfallen, darunter Sprengsätze, die in Leichen versteckt werden (booby-trapped corpses).

“Was unsere Fachleute in Kobane gesehen haben, übertraf unsere schlimmsten Albträume: Ein Großteil der Stadt ist extrem zerstört, und die Kontaminierung mit nicht-explodierten Waffen aller Art hat eine Dichte und Vielfalt erreicht, die es so noch kaum gab“, sagte Frédéric Maio, Programm-Manager für humanitäre Minenaktion bei Handicap International. „Die Blindgänger und Sprengfallen stellen für die Menschen, die aus Kobane geflüchtet sind und nun zurückkehren wollen, eine tägliche Bedrohung dar. Sie machen es den Menschen unmöglich, ihre Leben wieder aufzubauen und sie blockieren ganze Gebiete. Außerdem halten sie humanitäre Organisationen davon ab, in Sicherheit zu arbeiten und der betroffenen Bevölkerung die notwendige Unterstützung bereitzustellen."

Es ist an der Zeit, dass die internationale Gesellschaft die erschreckende Auswirkung des Einsatzes von explosiven Waffen in bevölkerten Gebieten wie Kobane erkennt und sich für eine internationale politische Verpflichtung stark macht, um den Einsatz von explosiven Waffen in bevölkerten Gebieten zu beenden.

17 Juni 2015
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Überlebensgroße Opfer-Porträts auf Berliner Gendarmenmarkt mahnen zu Kampf gegen Bomben auf Zivilbevölkerung
© Marlene Gawrisch
Minen, Streubomben und andere Waffen Öffentlichkeitsarbeit Politische Kampagnenarbeit

Überlebensgroße Opfer-Porträts auf Berliner Gendarmenmarkt mahnen zu Kampf gegen Bomben auf Zivilbevölkerung

Die Porträt-Kunst-Aktion „90 Schicksalsschläge“ hat am Freitag, 5. Oktober in Berlin auf die Opfer der Bombardierungen von Wohngebieten aufmerksam gemacht. Die eindrücklichen Gesichter luden zum Betrachten ein, berührten die Passanten und gaben ein starkes Statement gegen die Bombardierung von Wohngebieten ab. Der Platz in der historischen Mitte Berlins verwandelte sich in eine Porträtgalerie von rund 110 Quadratmetern.

Ulrike Folkerts bei Opfern von Explosivwaffen in Jordanien
© Ursula Meissner/HI
Minen, Streubomben und andere Waffen Öffentlichkeitsarbeit

Ulrike Folkerts bei Opfern von Explosivwaffen in Jordanien

Im Rahmen ihrer Reise nach Jordanien besucht die HI-Botschafterin und Tatort-Schauspielerin Ulrike Folkerts Frauen, die Opfer von Angriffen mit Explosivwaffen wurden. Hier erhalten Sie Einblick in die berührenden Geschichten.

Aufruf an tausende Parlamentarier gegen Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten
© B. Almeras / Handicap International
Minen, Streubomben und andere Waffen Öffentlichkeitsarbeit Politische Kampagnenarbeit

Aufruf an tausende Parlamentarier gegen Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten

Humanity & Inclusion (die Dachorganisation, zu der Handicap International Deutschland gehört) startet eine internationale parlamentarische Initiative. Die acht nationalen Vereine von HI haben in den letzten Tagen einen gemeinsamen Brief an insgesamt 4.500 Parlamentsabgeordnete ihrer Länder geschickt. Darin fordern sie die Abgeordneten auf, sich gegen den Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten (EWIPA=explosive weapons in populated areas) einzusetzen. 92 Prozent der Opfer bei derartigen Einsätzen sind Zivilist/-innen. Die Aktion findet in Belgien, Deutschland, Frankreich, Kanada, Luxemburg, UK, USA und der Schweiz statt.