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Mali: An der Seite der Schutzbedürftigsten

Minen und andere Waffen Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie
Mali

Ein Jahr nach dem Ausbau der Nothilfe in Mali aufgrund der Kämpfe und Flüchtlingsbewegungen im Landesinneren ist Handicap International weiterhin aktiv für die schutzbedürftigsten Bevölkerungsgruppen.

Mehrere Männer suchin in Trümmern nach

Experten von Handicap International bei der Beseitigung explosiver Kriegsreste in Diabali. | © J-J. Bernard / Handicap International

Mali erlebt seit zwei Jahren eine Krise, die das Ergebnis politischer Unruhen im Norden des Landes ist und zu Flüchtlingsbewegungen im Landesinneren und der ganzen Region geführt hat. Handicap International, seit 17 Jahren in Mali tätig, hat im Juni 2012 ein Notfallsystem in Gang gesetzt, das sich um die Bedürfnisse der Menschen kümmert, denen die gesamte Lebensgrundlage entzogen wurde.

Anpassung des Einsatzes im Januar 2013

Im Januar 2013 musste Handicap International die Nothilfe- und Entwicklungsmaßnahmen aufgrund des Vorrückens der bewaffneten Gruppen im Norden des Landes und der anschließenden franko-afrikanischen Intervention für einige Tage einstellen. Seitdem haben wir unsere Aktivitäten angepasst, um Menschen, die vertrieben wurden oder in anderer Weise von dem Konflikt betroffen sind, zu helfen.

„Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die Bevölkerung lebte bereits in einer prekären Lage. Der Konflikt mit den bewaffneten Gruppen hat die Situation weiter verschlechtert“, erklärt Hélène Robin, die für die Nothilfeeinsätze bei Handicap International zuständig ist. „Von daher haben wir unseren Einsatz sofort angepasst, um der Entwicklung im Lande gerecht zu werden. Wir arbeiten insbesondere im Bereich der Nahrungsmittelsicherheit, der humanitären Hilfe, und der Säuberung von Gebieten mit explosiven Überresten des Krieges.“ Momentan umfasst das Notfallteam ungefähr 100 Menschen, darunter etwa 14 ausländische Mitarbeitende.

Räumung und Risikoprävention

Die Gefechte und die Präsenz bewaffneter Gruppen im Norden des Landes haben dazu geführt, dass Gebiete, die von der zivilen Bevölkerung besiedelt oder demnächst wiederbesiedelt werden sollen, mit Waffen und explosiven Überresten des Krieges verseucht sind. Zur Verminderung der Anzahl der Unfälle führt Handicap International Sensibilisierungsmaßnahmen durch und erklärt die Gefahren, die von diesen Waffen und Sprengkörpern ausgehen. Seit Sommer 2012 werden in Zusammenarbeit mit unseren Partnern Mitteilungen über die Medien verbreitet. Seit November 2012 arbeiten unsere mobilen Teams direkt im Feld. Durch Informationstreffen konnten außerdem 55 gefährliche Bereiche in den Gebieten von Mopti, Tombouctou, Diabaly, und Dogofri (Region Ségou) verortet werden. Handicap International setzt zudem zwei Entminungsteams zu je elf Menschen ein. Ihre Aufgabe ist es, explosive Reste des Krieges zu finden und zu zerstören, um die Sicherheit der zivilen Bevölkerung zu wahren. In den ersten drei Monaten des Einsatzes konnten mehr als 57,000 m2 gesäubert und nahezu 30,000 Sprengkörper zerstört werden.

Zugang zu humanitärer Hilfe

In einer Situation, die von großer Armut und Bevölkerungsvertreibungen geprägt ist, muss ein besonderes Augenmerk auf die schutzbedürftigsten Menschen gelegt werden, zum Beispiel abgeschieden lebende Menschen oder Menschen mit Behinderung. In zahlreichen Teilen des Landes ist der Zugang zu wichtigen Diensten problematisch, insbesondere im Gesundheitsbereich. Die Situation verschärft sich in Gebieten, wo sich viele vertriebene Menschen wiederfinden. Daher hat Handicap International die gefährdetsten Bereiche im Umkreis von Mopti identifiziert. Seit Mai 2013 wurden 13,918 Familien erfasst und ihre Bedürfnisse beurteilt. Von ihnen werden 827 regelmäßig von unseren mobilen Teams besucht, um sich um ihre physische Rehabilitation zu kümmern, damit ihre Mobilität zu erhöhen, und das Ausmaß der Beeinträchtigung durch eine Behinderung zu verringern.
Der Ansatzpunkt der Arbeit der mobilen Teams sind Stationen für Menschen mit Behinderung und Schutzbedürftige, von denen ausgehend sie die hilfsbedürftigsten Menschen erreichen und für ihre Bedürfnisse sorgen (Rehabilitationsmaßnahmen, Verteilung von Gehhilfen, Weiterleitung an andere Organisationen, und weitere Betreuung zur Sicherstellung, dass gefährdete Menschen Zugang zu den für sie wichtigen Dienstleistungen haben). Die Organisation hat des Weiteren ein System zur psychosozialen Unterstützung aufgebaut, um den schutzbedürftigsten Menschen bei der Überwindung ihrer Probleme zu helfen. 855 Menschen haben an Gruppen zur psychosozialen Unterstützung teilgenommen.

Nahrungssicherheit und Zugang zu Wasser

In Tombouctou hat Handicap International mehr als 4.000 Familien den Zugang zu Nahrungsmitteln durch ein finanzielles Unterstützungssystem in der Form eines monatlichen Betrags für Familien erleichtert. Zudem wird die Wiederaufnahme wirtschaftlicher Aktivitäten gefördert. In der gleichen Region erfahren 1,067 Haushalte entlang des Flusses Niger Unterstützung im Bereich der Hygiene.

Rehabilitation

Handicap International arbeitet an der Wiedereröffnung des regionalen Zentrums für orthopädische Ausstattung und funktionelle Rehabilitation (CRAORF) in Tombouctou. Die Organisation übernimmt die Kosten der Behandlung und stellt damit sicher, dass Verletzte und Menschen mit Behinderung Zugang zu dem Zentrum haben. Handicap International ist darauf bedacht, dass Menschen mit Amputation infolge des Konflikts Zugang zu Hilfsmitteln haben.

Mutter-Kind-Gesundheit (Mopti)

Zur Verbesserung des Zugangs zu Gesundheitsdiensten für Vertriebene und Bewohner der Region Mopti unterstützt Handicap International 16 Einrichtungen, in denen Entbindungen vorgenommen werden können. Zudem bietet Handicap International Fortbildungen für das Personal an, um das nötige Wissen im Falle von Notfallgeburten zu vermitteln, und beschafft medizinisches Material. Momentan wird ein System aufgebaut, um gebärende Frauen bei Komplikationen direkt evakuieren zu können. In Zusammenarbeit mit Gesundheitszentren hat Handicap International einen Bereitschaftsdienst eingerichtet, an den sich Schwangere im Notfall an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr wenden können.
Darüberhinaus wurden 129 Freiwillige gefunden, die Präventionsaktivitäten unter den Flüchtlingen durchführen. Bisher wurden auf diese Weise 100 schwangere Frauen ausgemacht, die nun während ihrer gesamten Schwangerschaft kostenlos medizinisch betreut werden. Nicht zuletzt arbeitet Handicap International im Rahmen seines Einsatzes zur Verminderung von Schutzbedürftigkeit mit 643 Frauen (528 vertriebene Frauen und 115 Frauen aus Gastgemeinden) und unterstützt sie bei der Aufnahme von wirtschaftlichen Aktivitäten.

Psychosoziale Aktivitäten

Ende des Jahres 2013 wurde eine psychosoziale Evaluation in der Region Tombouctou durchgeführt. Deren Ziel war es, die Erlebnisse in Zusammenhang mit der Krise und deren psychosoziale Wirkung besser zu verstehen und die Kenntnisse über Mechanismen der Resilienz in Anbetracht dieser Erfahrungen zu vertiefen. Des Weiteren zielte die Evaluation darauf ab, ein tieferes Verständnis der psychosozialen Bedürfnisse und des sozialen Zusammenhalts von betroffenen Individuen und Gemeinden zu erlangen, um darauf aufbauend die Handlungsfelder im Bereich der psychosozialen Unterstützung in der Region Tombouctou festzulegen.

Entwicklungsmaßnahmen

Zur gleichen Zeit werden Entwicklungsmaßnahmen im Bereich der inklusiven Bildung, der beruflichen Wiedereingliederung von Menschen mit Behinderung oder auch der Früherkennung von Gefahren fortgesetzt, insbesondere in Bamako.

23 Januar 2014
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