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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Maschine und Entminer im Dienste der betroffenen Bevölkerung

Minen, Streubomben und andere Waffen Öffentlichkeitsarbeit
Senegal

Luc Sambou, 35 Jahre, Projektassistent, erzählt uns, wie in der Region Casamance im Senegal Mensch und Maschine gemeinsam entminen.

Wie ist der aktuelle Kontext in Casamance?


Zurzeit gehen die Zusammenstöße zwischen der Bewegung der demokratischen Kräfte der Casamance (MFDC) und der Regierung weiter. Es handelt sich um den ältesten Konflikt, der in Afrika im Gange ist. Anti-Personen-Minen und Panzerabwehr sind sowohl im Norden als auch im Süden der Casamance vorzufinden. Laut dem Nationalen Zentrum zur Bekämpfung von Anti-Personen-Minen im Senegal (CNAMS) wurden seit Anfang der Krise im Land 794 Opfer erfasst. Darüber erschweren tatsächliche oder vermutete Minen oder explosive Kriegsreste den Zugang der Bevölkerung zu nutzbarem Boden und zu grundlegender Sozialversorgung sowie die Möglichkeiten zur Bereitstellung humanitärer Hilfe für die bedürftigsten Personen. Außerdem erinnert dieses Gefühl der Unsicherheit die Bevölkerung ständig an den Krieg. Einige Straßen werden aufgrund vermuteter Gefahren nicht mehr benutzt und so muss die Bevölkerung zur Erledigung ihrer täglichen Aufgaben kilometerlange Umwege zurücklegen.
 

Wie arbeitet Handicap International in dieser Region?


Handicap International trägt dazu bei, die Gefahr durch Minen und explosive Kriegsreste in den betroffenen Gebieten zu reduzieren, um der ansässigen und umgesiedelten Bevölkerung sicheren Zugang zum Landgut zu ermöglichen und die sozioökonomische Entwicklung sowie den Frieden in Casamance zu fördern. Handicap International ist seit 2005 an der Seite der senegalischen Regierung, die die Ottawa-Konvention unterzeichnet hat, an den Entminungsarbeiten und dem Wiederaufbau des Landes für die Bevölkerung beteiligt.
Nachdem sie in den Jahren 2005/2006 eine Studie über das Ausmaß durchgeführt hatte, begann die Organisation 2008 die Entminungsarbeiten und ermöglichte der Bevölkerung somit den Zugang zu 2.500 km² vermintem oder unter Minenverdacht stehendem Gelände, was zwei Mal der Größe New Yorks entspricht. Auf technischer Ebene wurden die Mittel der Organisation im Jahr 2011 durch den Erwerb einer neuen Entminungsmaschine, der Digger 3, erweitert.
 

Wie funktioniert diese Maschine?


Diese Maschine ist eine Mischung aus einem Mähdrescher und einem Panzer, wird ferngesteuert und ermöglicht die Entminung von 1000 m² pro Tag (das ist zehnmal mehr als ein Team manueller Entminungsarbeiter leisten kann). Sie zerschneidet den Pflanzenwuchs und zerstört die Minen auf ihrem Weg. Diese Maschine kann Explosionen von Minen standhalten, die bis zu fünf Kilo Sprengstoff enthalten. Sie hat uns ermöglicht, in einem Jahr fast 200.000 km² zu reinigen. Sieben Minenräumer haben eine zweimonatige Ausbildung absolviert, um diese Maschine steuern zu können: Ein Teamchef, zwei Assistenten/Betreiber und 4 weitere Betreiber. Außerdem zählen noch ein Lastwagenfahrer/Mechaniker, ein Krankenwagenfahrer und ein Krankenpfleger zu dem Team. Die Casamance ist auch durch Anti-Personen-Minen verunreinigt, die sehr wenig Metall enthalten und nicht durch Metalldetektoren geortet werden können. Außerdem enthält der Boden oft viele Erze, die einen Fehlalarm der Detektoren auslösen. Deshalb ist es sehr schwierig für die Teams, schnell in einem verunreinigten Gebiet voranzukommen. 

Mit dem Digger 3 können wir die Minen zerstören und folglich dieses Problem umgehen. Trotzdem sind die Minenarbeiter und Minenarbeiterinnen für die Steuerung der Maschine, die Kontrolle der durchgeführten Arbeit und die Entminung von Stellen, die für die Maschine nicht zugänglich sind (in der Nähe von Bäumen und auf kleinen Flächen) unverzichtbar. Also ergänzen sich die Maschine und die Entminungsarbeiter.
 

Was unternehmen Sie parallel zu den Entminungsarbeiten um die Risiken zu vermindern?
 

Die Entminungsarbeiten werden für und mit der Bevölkerung durchgeführt. Daher führen wir vor den Entminungsarbeiten Umfragen in den betroffenen Gebieten durch, anhand derer wir ausführlichere Informationen über die unter Verdacht stehenden Zonen erhalten.

Während der Operationen treffen wir die Menschen, die in den verseuchten Gebieten leben, um sie über die Risiken der Anti-Personenminen aufzuklären und sie über unsere Aktionen vor Ort zu informieren. Wir treffen vor allem Dorfvorstehende und Organisatoren von Sensibilisierungskampagnen über Minen und explosive Waffen. Wir orientieren uns bei der Planung unserer Informationsveranstaltungen oft am Zeitplan von Dorffesten und Gottesdiensten, denn bei diesen Gelegenheiten der Zusammenkunft können wir eine größere Öffentlichkeit erreichen.

Wir verständigen die Gemeinschaftsvertretenden über jede Mine, die von unseren Teams im Gebiet entdeckt und entschärft wurde, und umgekehrt erhalten sie den Rat, uns zu verständigen, falls sie ein verdächtiges Objekt entdecken, damit wir die Gefahrenzonen absichern können. 

Die Basis unserer Arbeit bildet die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung – dadurch stellen wir Ihre Teilnahme sicher und sensibilisieren sie gleichzeitig für die Gefahr durch Minen.

27 Juni 2012
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