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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Menschen mit Behinderung dürfen in der Nothilfe nicht vergessen werden

Nothilfe
Palästina

Internationale Organisationen fordern alle Beteiligten auf, im Gazastreifen Schutz und humanitäre Hilfe für Menschen mit Behinderung zu gewährleisten

Eine frühere Stellungnahme von 41 beteiligten Organisationen hat bereits alarmierend auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass alle Parteien internationales humanitäres Recht respektieren und den Schutz der zivilen Bevölkerung gewährleisten, die von den fortwährenden Militäroperationen im Gazastreifen betroffen ist. In Anbetracht dieser Situation sind die unterzeichnenden internationalen Organisationen, die im besetzten Palästina zum Thema Behinderung arbeiten, besorgt über die Folgen, die die andauernde Gewalt für Menschen mit Behinderung im Gazastreifen haben.

Seit dem 8. Juli leben die Menschen in Gaza mit der ständigen Bedrohung, Tod oder Verletzungen durch die Eskalation der grenzübergreifenden Gewalt. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass etwa 15 Prozent der 1,8 Millionen Bewohner des Gazastreifens mit einer Behinderung leben. Bis zum 20. Juli wurden mindestens 375 Menschen getötet und mehr als 3.000 verletzt. Es wurde bestätigt, dass in den letzten Tagen mindestens vier Menschen mit Behinderung getötet wurden. Eine Reihe von Einrichtungen für Menschen mit Behinderung wurde durch Raketen und Artillerie zerstört oder beschädigt. Darunter befinden sich das Al-Mabarra Zentrum für Menschen mit Behinderung, wo zwei Menschen mit Behinderung getötet und vier verletzt wurden, der Al-Bassma Club, und das Al-Wafa Rehabilitations-Krankenhaus.

Obwohl gelegentlich kurz vor Durchführung von militärischen Angriffen auf Gebiete, wo sich Zivilistinnen und Zivilisten befinden, Warnungen herausgegeben werden, ist eine rechtzeitige Evakuierung für Menschen mit Behinderung vor Beginn eines Angriffs sehr wahrscheinlich schwierig. Während viele Palästinenserinnen und Palästinenser in Hochrisikobereichen Zuflucht in den Heimen von Familienmitgliedern oder Notunterkünften der Vereinten Nationen suchen, dürften Menschen mit Behinderung es vermutlich schwer gehabt haben, umzuziehen.

Des Weiteren führt die andauernde Gewalt zu massiven Störungen der medizinischen Versorgung und Betreuungsdienste, was die Bereitstellung von Hilfe für Menschen mit Behinderung erheblich beeinträchtigt. Wir sind insbesondere darum besorgt sicherzustellen, dass vertriebene und verletzte Menschen mit Behinderung durch inklusive Nothilfe-Maßnahmen, an denen sie vollständig teilhaben können, ausfindig gemacht und mit der notwendigen Hilfe bedacht werden. Wir sind ebenso darum besorgt, langfristige Behinderungen durch Verletzungen zu vermeiden, die die Folge von Luftangriffen, Artillerie, nicht explodierten Kriegsresten oder anderen Gefährdungen sind. Aus diesem Grund ist es unverzichtbar zu gewährleisten, dass verletzte Personen in einer geschützten Umgebung Zugang zu medizinischer und rehabilitativer Versorgung haben.

Call for Action

Die folgenden Organisationen, die im Bereich Behinderung arbeiten, sind bereit, internationale und nationale EntwicklungshelferInnen, die Gebergemeinschaft und EntscheidungsträgerInnen zu unterstützen, um gleiche Rechte, Würde, und Nichtdiskriminierung von Menschen mit Behinderung und deren Familien zu gewährleisten. In Anerkennung dieser Prinzipien

I. fordern wir staatliche Akteure auf, internationales humanitäres Recht in vollem Umfang zu respektieren und den Schutz von Menschen mit Behinderung zu gewährleisten. Dies wird auch von Artikel 11 der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung geboten, der erklärt: „ Die Vertragsstaaten ergreifen [...] alle erforderlichen Maßnahmen, um in Gefahrensituationen, einschließlich bewaffneter Konflikte, humanitärer Notlagen und Naturkatastrophen, den Schutz und die Sicherheit von Menschen mit Behinderung zu gewährleisten.“

II. fordern wir alle Akteure auf zu gewährleisten, dass Menschen mit Behinderung direkten Zugang zu allen humanitären Interventionen im Gazastreifen haben, insbesondere in den Bereichen: (1) Gesundheit und Ernährung; (2) Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene; (3) Schutz; (4) Unterkunft; (5) psychosoziale Unterstützung. 

Diese Organisationen unterzeichneten den Aufruf: 

  • Aispo
  • Diakonia
  • EducAid
  • Handicap International
  • MAP
  • MercyCorps
  • Movement for Peace
  • NAD
  • SIF
  • The Swedish Organisation for Individual Relief
22 Juli 2014
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