Gehe zum Hauptinhalt

Menschen mit Behinderung öfter Opfer von Verkehrsunfällen

Rehabilitation und Orthopädie Vorsorge und Gesundheit
International

Anlässlich des weltweiten Gedenktages der Verkehrsunfälle am 18. November weist die Hilfsorganisation Handicap International darauf hin, dass Menschen mit Behinderung einem höheren Risiko ausgesetzt sind, durch Verkehrsunfälle verletzt zu werden. Deshalb fordert HI eine inklusive Verkehrspolitik und eine sichere Mobilität für alle. HI unterstreicht außerdem, dass Verkehrsunfälle eine der häufigsten Ursachen für bleibende Behinderungen sind. Jährlich verletzen sich bis zu 50 Millionen Menschen weltweit; ca. 1,25 Millionen sterben. Über 90 Prozent der Todesfälle treten in Entwicklungsländern auf. HI betreut weltweit Menschen, die durch Unfälle bleibende Behinderungen erlitten haben – wie die kleine Kanhara aus Kambodscha, die bei einem Autounfall ein Bein und einen Arm verlor.

Kanhara aus Kambodscha hat bei einem Verkehrsunfall ihren rechten Arm und ihr rechtes Bein verloren.

Kanhara aus Kambodscha hat bei einem Verkehrsunfall ihren rechten Arm und ihr rechtes Bein verloren. | © L. Veuve/HI

HI fordert inklusive Verkehrspolitik

Kanhara war drei Jahre alt, als sich ihr Leben für immer änderte. Ein Auto raste auf dem Hochzeitsfest ihrer Tante plötzlich auf sie zu und erfasste das kleine Mädchen. Sie verlor ihren rechten Arm und ihr rechtes Bein. Fast fünf Jahre lang wurde sie nicht speziell betreut, bis sie ein Sozialarbeiter von HI in Kambodscha entdeckte. Vor kurzem erhielt sie ihre ersten Prothesen, die ihr wieder mehr Selbstständigkeit schenken.

Verkehrsunfälle verändern Leben

Schicksale wie das von Kanhara sind keine Einzelfälle. Weltweit erleiden schätzungsweise jedes Jahr zwischen 20 und 50 Millionen Menschen bei Verkehrsunfällen schwere Verletzungen; rund 1,25 Millionen Menschen sterben. Dies ist laut Studien der WHO die häufigste Ursache für einen vermeidbaren Tod von Jugendlichen im Alter von 15 bis 29 Jahren und die zweithäufigste Ursache für Jugendliche im Alter von 5 bis 14 Jahren. Über 90 Prozent der Todesfälle treten in Entwicklungsländern auf.

Sicherheit im Straßenverkehr – ein Entwicklungsfaktor

Im Juli 2018 veröffentlichte HI die Studie „Making cities inclusive: safe mobility for persons with disabilities in developing countries“, die Empfehlungen für lokale, nationale und internationale Entscheidungsträger für eine inklusive Verkehrspolitik vorschlägt. Anlässlich des weltweiten Gedenktages der Verkehrsunfälle am 18. November stellt HI die wichtigsten Inhalte der Studie vor. Der Bericht wurde im Juli auf dem High Level Political Forum (HLPF) in New York und im September bei der Europäischen Kommission in Brüssel mit einem Rahmenprogramm präsentiert.

Straßen – ein Indikator sozialer Ausgrenzung

Straßen gehören jedem. Jeder muss sie täglich nutzen, um an sein Ziel zu kommen und den Alltag zu bewältigen. Doch diese alltägliche Handlung kann für viele Mitglieder der Gesellschaft lebensgefährlich sein. Die Straßenverkehrssicherheit ist eine immer drängendere Entwicklungsaufgabe, die mit großen menschlichen, sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen verbunden ist. Unsichere Straßen stellen auch einen wesentlichen Faktor der sozialen Ausgrenzung dar, insbesondere für „schutzbedürftige Verkehrsteilnehmer“. Dazu gehören Fußgänger, Menschen mit Behinderung, Radfahrer und Kinder. Sie machen 46 Prozent der Verkehrsopfer aus. Menschen mit Behinderung sind laut einer Untersuchung der WHO einem höheren Risiko ausgesetzt, Verletzungen durch Verkehrsunfälle davonzutragen. Sie machen etwa 15 Prozent der Weltbevölkerung aus (85 Prozent davon leben in Entwicklungsländern). Körperliche, visuelle, auditive oder kognitive Beeinträchtigungen erhöhen ihr Risiko im Straßenverkehr.

Es ist daher von entscheidender Bedeutung, die Zugänglichkeit und die Sicherheit von Straßen zu erhöhen, um eine sichere Mobilität für alle Bewohner einer Stadt zu gewährleisten. Die Verbesserung der Straßenverkehrssicherheit allein wird nicht alle Hindernisse für Menschen mit Behinderung beseitigen. Sie ist aber ein zentraler Faktor, der einen Dominoeffekt in Richtung einer inklusiven, friedlichen und wohlhabenden Gesellschaft auslösen kann.

15 November 2018
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

„Dank meiner Prothese kann ich alles machen, was ich will!"
Jaweed Tanveer / HI
Inklusion Rehabilitation und Orthopädie

„Dank meiner Prothese kann ich alles machen, was ich will!"

Als Ali in der Nähe seines Dorfes seine Ziegen weiden ließ, trat er auf einen Sprengsatz. Sein Bein wurde bei der Explosion schwer verletzt. Es musste unterhalb des Knies amputiert werden. Schon zwei Monate später bekam Ali eine Prothese von HI und lernte wieder zu laufen. Nun kann er endlich wieder so leben wie vor seinem Unfall.

Die Angst vor Corona
© HI
Nothilfe Rechte von Menschen mit Behinderung Rehabilitation und Orthopädie Vorsorge und Gesundheit

Die Angst vor Corona

Das Leben war nicht gut zu Frau Dhahabo. Von ihren acht Kindern sind nur noch sechs am Leben. Sie lebt mit zwei von ihnen im Flüchtlingslager Kalobeyei und ist von den anderen vier getrennt: zwei von ihnen sind in Nairobi  und zwei in Äthiopien. Sie lebt in einem Haus aus getrockneten Lehmwänden und Plastikplanen, mit zwei Enkeln und einer schwerhörigen Tochter.

Mehr Chancen für große Träume
© Thomas Freteur / HI
Inklusion Rechte von Menschen mit Behinderung Rehabilitation und Orthopädie

Mehr Chancen für große Träume

Für Trésor aus der Demokratischen Republik Kongo hat sich das Leben vor drei Jahren schlagartig verändert: Er wurde in ein inklusives Bildungsprojekt aufgenommen und bekam eine Orthese und Krücken. Seitdem kann der Zwölfjährige viel besser laufen, geht in die Schule und ist ein fleißiger Schüler geworden. Als kleiner Junge hatte er Kinderlähmung, konnte plötzlich sein linkes Bein nicht mehr bewegen und nicht mehr mit den Geschwistern und Nachbarkindern herumtollen. Bis der große Bruder die inklusive Schule entdeckte und sich das Team von HI Trésor annahm.