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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Minenfeld Kolumbien: Die Waffen müssen weg!

Minen und andere Waffen
Kolumbien

Seit 1990 haben Minen mehr als 11.100 Opfer gefordert. Nach Afghanistan ist Kolumbien das am stärksten verminte Land der Welt. Handicap International (HI) hat im Februar und März 2017 in drei Bezirken Stützpunkte zur Minenräumung aufgebaut. Pauline Boyer, Koordinatorin der Minenaktionen für HI in Kolumbien erklärt, warum es dringend notwendig ist, das Land von Minen zu befreien.

Handicap International Koordinatorin für Minenräumung in Kolumbien

Pauline Boyer, Koordinatorin der Minenaktionen für HI in Kolumbien | © Jules Tusseau/HI

Warum ist die Minenräumung in Kolumbien wichtig für HI?

Nach mehr als 50 Jahren bewaffneten Konflikts hat Kolumbien nach Afghanistan die zweithöchste Anzahl an Minenopfern in der Welt. 31 von 33 „departamentos“ (Bezirke) sind vermint. Die kolumbianische Regierung hat HI offiziell autorisiert, die Minen in drei Bezirken zu beseitigen. Das ist dringend notwendig, um Leben zu retten und zu verhindern, dass noch mehr Menschen durch Minen verletzt werden oder Behinderungen davontragen. Wir wollen außerdem, dass Farmer und Einheimische besseren Zugang zu medizinischen Einrichtungen und Schulen haben und wieder ihre Felder bestellen und Vieh weiden lassen können. Die Minenräumung wird das ökonomische Wachstum ankurbeln und helfen, den Frieden wieder herzustellen.

Wo führt HI Entminungen durch?

Wir haben im Februar und März 2017 in den drei Bezirken Cauca, Meta und Caquetá Umfragen in der Bevölkerung durchgeführt, um herauszufinden, wo sich Minen und andere explosive Waffen befinden. Diese drei „departamentos“ waren von dem Konflikt besonders betroffen. Unsere erste Räumungsoperation haben wir im Juli 2017 in La Venta, ein 411 Quadratkilometer großes Gebiet in Cajibío in Cauca, gestartet. Gerade erst haben wir auch mit der Minenräumung in Vista Hermosa in Meta angefangen. Die Bedingungen sind gut, um effektiv und sicher zu arbeiten.

Ein Tag mit dem Minenräumungsteam in Kolumbien

Woher kommen die Minenräumer und –räumerinnen?

Viele von ihnen, vor allen in Cauca, kommen aus indigenen Gemeinden und ländlichen Gegenden. Das eigene Land von Minen zu befreien, ist hier einesehr angesehene Tätigkeit. Es sind viele junge Leute in unseren Teams, auch weil es ihnen eine gute Jobchance bietet. Außerdem achten wir darauf, dass circa 40 Prozent unserer Teammitglieder weiblich sind.

Welche Voraussetzungen muss man haben, um als Minenräumer oder Minenräumerin arbeiten zu können?

Man braucht vor allem einen gewissen Enthusiasmus und sollte bereits Erfahrung in Managementpositionen mitbringen. Körperliche Fitness ist ebenfalls eine Voraussetzung, weil die Schutzanzüge mehr als fünf Kilo wiegen und man manchmal mehrere Stunden auf den Knien arbeiten muss. Interessierte müssen flexibel genug sein, um sechs Wochen am Stück im Teamcamp in Zelten zu leben und viel zu reisen. Alle neuen Angestellten bekamen im Januar einen Monat lang intensives Training in Cajibió. Dort lernten sie, wie man improvisierte Sprengwaffen erkennt und entschärft, wie sich Risiken vermeiden lassen und was im Notfall zu tun ist.

Ist Minenräumung in Kolumbien schwierig?

Die Situation unterscheidet sich je nach Bezirk, aber die Minen in Kolumbien sind häufig improvisierte, selbstgebauteWaffen, die häufig kein Metall enthalten. Das macht es für uns schwieriger, sie aufzuspüren und das kontaminierte Land zu sichern. Auch wenn die Regierung und die FARC einen Friedensvertrag unterschrieben haben, sind andere bewaffnete Gruppen und kriminelle Organisationen immer noch aktiv und übernehmen die Kontrolle über das zuvor besetzte Land. Diese Nachkriegssituation ist unbeständig und instabil, deshalb müssen wir uns ständig an neue Gegebenheiten anpassen.

Was ist das Besondere an den Minenräumungsaktionen von HI?

Wir bieten Minenopfern in der einheimischen Bevölkerung bereits seit Jahren Unterstützung an – Wiederaufbau mit neuen Arbeitsplätzen, psychologische Unterstützung und Rechtsberatung - und haben dadurch ein Vertrauensverhältnis mit ihnen aufbauen können. Wir sind ständig in direktem Kontakt, damit wir in Erinnerung bleiben und wir von der Bevölkerung unterstützt werden, ihr Heimatland zu entminen. Dieses Vertrauensverhältnis ist unverzichtbar.

17 November 2017
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