Co-Preisträger Friedensnobelpreis

Gaza: Mitarbeiterin Amal berichtet

Nothilfe
Palästina

Momentan herrscht Waffenruhe in Gaza. Amal, HI-Mitarbeiterin in Gaza, erzählt von ihren Hoffnungen und Erfahrungen der letzten Tage. 

Amal, HI-Mitarbeiterin in Gaza

Amal, HI-Mitarbeiterin in Gaza | © HI

 Jetzt den Menschen in Gaza helfen! 

Was passiert gerade in Gaza? 

Vor einigen Tagen wurde ein Waffenstillstand ausgerufen. Die Bombardierungen und die Angst sind vorbei. Die Menschen sind auf die Straße gegangen, um das Ende der Bombardierung zu feiern. Jeder in Gaza versucht irgendwie zu verstehen, was passiert ist und was in den nächsten Tagen zu erwarten ist.

Konntest Du seit dem Waffenstillstand nach draußen gehen? 

Ich bin mir nicht sicher, ob ich sehen will, was draußen passiert ist. Mein Bruder ist rausgegangen und er sagte, dass es viele Schäden an den Straßen und den umliegenden Häusern gibt. Ich weiß nicht, ob ich das schon kann. Ich bin einfach noch nicht bereit. Das ist nicht das erste Mal für uns, und ich kenne das Gefühl, wenn man nach draußen geht, die Zerstörungen sieht und sich an die Menschen erinnert, die noch vor einer Woche am Leben waren. 
Viele, die aus ihren Häusern evakuiert wurden, gehen zurück, um sich die Schäden anzusehen. Auch wir mussten unser Haus verlassen. Meine Cousins haben ihre Wohnungen verloren, meine Schwester und ihr Mann auch. Wenn man sein Haus verlassen muss und entscheiden muss, was die wichtigsten Dinge sind, die man mitnimmt - und weiß, dass es vielleicht das letzte Mal ist, dass man sein Zimmer, seine Sachen, seine Straße sieht - dann ist das eine schreckliche Erfahrung. Ich fühle mich genau wie alle, die das erleben mussten.

Was brauchen die Menschen jetzt, nachdem die Bombardierung beendet ist? 

Wir müssen ganz von vorne anfangen und unsere Lebensgeister mit psychologischer Unterstützung wiederaufbauen. Ich habe drei Nichten. Die ältere ist elf Jahre alt und letzte Nacht ist sie im Schlaf aus dem Bett gesprungen und durch das Haus gerannt. Die andere ist neun Jahre alt und sie spricht im Schlaf über den Bombenanschlag. Die ganze Gemeinde besteht jetzt aus Opfern. Die Menschen sind verletzt und müssen mit ihren Verletzungen ein neues Leben führen. Wir haben vielleicht den Krieg mit dem Tod beendet, aber jetzt haben wir unseren Krieg mit dem Leben danach. 
Wir alle sind müde und brauchen Unterstützung, aber dieses Gefühl wird uns helfen, mehr Unterstützung für die Menschen in unserer Gemeinschaft zu leisten. Das wird uns die Kraft geben, sie weiterhin zu unterstützen.

Kannst du deine Arbeit bei HI erklären? 

Ich arbeite als Beauftragte für Informationsmanagement. Diese Stelle habe ich Anfang dieses Jahres angetreten. Davor habe ich im Projekt für inklusive Bildung gearbeitet. Ich beschäftige mich mit Zahlen und Daten, sodass ich durch meinen Job die Auswirkungen der Gewalt auf die Menschen, denen wir helfen, aufzeigen kann. Indem ich Analysen erstelle, kann ich darstellen, was passiert ist und was die Menschen brauchen. Durch meinen Job kann ich zeigen, was die Bedürfnisse sind und wie wir vielen Menschen helfen können.

Was erwartest du für die nächsten Tage? 

Ich fühle mich dieses Mal hoffnungsvoller. Ich spüre eine gewisse Solidarität von Menschen auf der ganzen Welt. 
Ich hoffe, dass dieser Waffenstillstand hält, aber es ist nicht so klar, was passieren wird. Also hoffe ich, dass wir diese Erfahrung nie wieder machen müssen. Ich habe vier offizielle Kriege und mehr Konflikte erlebt, als ich zählen kann. Ich möchte das nicht noch einmal durchleben. Ich bin sehr hoffnungsvoll, dass das klappen wird und wir einen Weg finden, unser Leben zu leben und Menschen in Not zu unterstützen, ohne an diese Art von Verwüstung denken zu müssen.
 

25 Mai 2021
Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Weltflüchtlingstag: Immer mehr Geflüchtete
©K.Holt / HI
Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie

Weltflüchtlingstag: Immer mehr Geflüchtete

Mehr als 80 Millionen Menschen weltweit sind nach aktuellen Zahlen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) gewaltsam vertrieben worden. Damit hat sich die Zahl der Geflüchteten innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. 2012 waren es 42 Millionen. 

Humanitäre Krise in Tigray verschärft sich
© HI
Nothilfe

Humanitäre Krise in Tigray verschärft sich

Über eine Million Menschen leiden infolge der Gewalt in der äthiopischen Region Tigray. Die humanitäre Krise verschlimmert sich jeden Tag. Die Teams von Handicap International (HI) sind vor Ort, um den Betroffenen beizustehen. Viele Menschen mussten bereits fliehen. 

Hilfe nach Vulkanausbruch in Goma
© J. De Beaucorps / HI
Nothilfe

Hilfe nach Vulkanausbruch in Goma

Nach dem Ausbruch des Nyiragongo-Vulkans in der Nähe von Goma in der Provinz Nord-Kivu, Demokratische Republik Kongo, hilft Handicap International (HI) der vertriebenen Bevölkerung.