Gehe zum Hauptinhalt

Rakka: Die humanitäre Lage ist kritisch und gefährlich

Nothilfe
Syrien

Die Stadt Rakka in Syrien wurde am 17. Oktober 2017 von militärischen Streitkräften[1] zurückerobert. Die fünf Monate andauernden Kämpfe haben dazu geführt, dass eine hohe Anzahl von Zivilisten verletzt oder getötet wurden und hunderttausende Menschen fliehen mussten.

 

Ein HI-Mitarbeiter zeigt Kindern in einem Bus Bilder von gefährlichen Kriegsresten

Die Teams von HI sensibilisieren die Bevölkerung, die nach Mossul zurückkehren will, für die Gefahren von explosiven Kriegsresten | © Blaise Kormann/L’illustré/Handicap International

Explosive Lage

„Seit Anfang des Sommers wurde Rakka in den Kämpfen zerstört. Dabei wurden explosive Waffen besonders intensiv verwendet. Die großflächigen Bombardierungen, der Artilleriebeschuss und der weit verbreitete Einsatz von improvisierten Sprengkörpern in den Stadtgebieten haben verheerende Auswirkungen auf die Bevölkerung gezeigt. Wieder einmal sind die Zivilistinnen und Zivilisten die ersten Opfer des Konflikts“, erklärt Florence Daunis, Einsatzleiterin bei Handicap International.  

Tausende Opfer bei Bombenangriffen

September war in Syrien der tödlichste Monat im Jahr 2017: Die bewohnten Gebiete standen unter täglichen Angriffen mit explosiven Waffen. „Viele Menschen wurden in den Kämpfen in Rakka getötet oder verletzt“, sagt Florence Daunis. „Tausende Menschen waren in der Stadt gefangen und brauchen dringend humanitäre Hilfe. Dazu kommt, dass Hunderttausende innerhalb des Landes geflohen sind und ihre Lage sehr schwierig ist. Sie sind tagelang gelaufen, bis sie einen sicheren Ort erreicht haben. Bis dahin waren sie meist schon dehydriert und völlig erschöpft. Außerdem sehen wir viele Unfallopfer von improvisierten Sprengkörpern. Tagtäglich kommen Dutzende Opfer in medizinischen Einrichtungen an, in denen sie meist nur wenige Stunden bleiben dürfen, weil die Anzahl der Verletzten so hoch ist.

Kontaminierung ähnlich wie in Mossul

Die Folgen der Kämpfe in Rakka in den letzten Monaten gehen weit über das hinaus, was aktuell sichtbar ist. Sie werden die ganze Stadt noch monate- und jahrelang kennzeichnen. „Die Kämpfe haben ähnlich wie in Mossul im Irak dazu geführt, dass die Stadt mit unzähligen explosiven Waffen verseucht ist, die oft sehr gefährlich sind. Dazu kommen die Sprengfallen: Manche sind so hochentwickelt, dass selbst Waffenräumungsexperten noch nicht dazu in der Lage sind, sie unschädlich zu machen“, erklärt Florence Daunis. „Es wird Jahre der Kampfmittelräumung dauern, bis die Gefahr all dieser Waffen in der Region beseitigt ist.“ Deshalb ist es nun lebenswichtig, die Bevölkerung über die Risiken und Gefahren dieser explosiven Kriegsreste aufzuklären, um die Einwohner zu schützen.

Hilfe für die Bevölkerung vor Ort

Neben der Risikoaufklärung legt HI den Schwerpunkt darauf, die Gesundheitseinrichtungen zu unterstützen. Wir bieten dort Reha-Maßnahmen und psychologische Unterstützung für Überlebende an. Außerdem verteilen wir Nahrungsmittelpakete und wichtige Non-Food-Artikel an die Menschen, die plötzlich alles verloren haben.

Mit Veröffentlichung des neuen Berichts „Die Bomben folgten uns überall hin“ über die Folgen des großflächigen Einsatzes von explosiven Waffen in bewohnten Gebieten in Syrien ruft Handicap International die Konfliktparteien dazu auf, auf diese Waffen in bewohnten Gebieten zu verzichten. Außerdem appellieren wir an die internationale Gemeinschaft, diese Praxis aufs Schärfste zu verurteilen und ihr ein Ende zu setzen.

 

Unsere Kampagne: “STOP BOMBING CIVILIANS”

Handicap International startete Anfang September 2017 eine internationale Mobilisierungskampagne gegen Bombenangriffe auf Zivilisten mit dem Namen „Stop Bombing Civilians“. Damit wollen wir über eine Million Unterschriften sammeln und alle Staaten über die verheerenden Folgen von explosiven Waffen in bewohnten Gebieten alarmieren. Wir rufen die Staaten dazu auf, eine politische Erklärung zu unterzeichnen, in der sie erklären, keine Wohngebiete mehr zu bombardieren und das Leid der Zivilbevölkerung anerkennen. Zu diesem Zweck haben wir eine Koalition aus internationalen und nationalen Organisationen mitbegründet: das Internationale Netzwerk zu Explosiven Waffen (INEW).


[1] Demokratische Kräfte Syriens und Koalitionsstreitkräfte

20 Oktober 2017
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Jemen: Die schwerste humanitäre Krise der Welt
©Ahmad AL-BASHA AFP
Nothilfe

Jemen: Die schwerste humanitäre Krise der Welt

HI arbeitet in acht Gesundheitszentren und Krankenhäusern in Sana‘a, der Hauptstadt des Jemen. Wir bieten dort Rehabilitationsmaßnahmen und psychologische Unterstützung an und verteilen Mobilitätshilfen wie Krücken und Rollstühle. Der andauernde Konflikt und die im November 2017 von der saudi-arabischen Koalition verhängte Blockade haben verheerende Auswirkungen auf die Bevölkerung. Maud Bellon, Leiterin der HI-Programme im Jemen, beschreibt die Situation.

Gemeinsame Erklärung von NGOs zur Eskalation der Kämpfe in Hodeidah
© Camille Gillardeau / HI
Nothilfe

Gemeinsame Erklärung von NGOs zur Eskalation der Kämpfe in Hodeidah

Internationale Nichtregierungsorganisationen (INGOs) im Jemen sind entsetzt über die erneute verschärfte Intensität der Kampfhandlungen in und um die Stadt Hodeidah. In Folge der Forderungen der internationalen Gemeinschaft nach einem Waffenstillstand vor wenigen Tagen ist dies eine zutiefst beunruhigende Entwicklung. Alle Konfliktparteien müssen die Gewalt, angesichts der katastrophalen Auswirkungen dieser Kämpfe auf die Zivilbevölkerung von Hodeidah und auf ganz Jemen, unverzüglich beenden.

5 Jahre nach Taifun Haiyan auf den Philippinen
©Till Mayer/HI
Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie Vorsorge und Gesundheit

5 Jahre nach Taifun Haiyan auf den Philippinen

Am 8. November 2013 erreichte der Taifun Haiyan die Philippinen. 15 Millionen Menschen waren von den Auswirkungen des Wirbelsturms betroffen. Die Opfer der Katastrophe werden auch 5 Jahre nach Beginn des Einsatzes weiterhin von HI unterstützt.