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Risikoaufklärung rettet Leben!

Minen, Streubomben und andere Waffen
Irak

Die Nothilfe von Handicap International im Irak begann im Jahr 2014. Seither haben wir viele Menschen in mehreren Regierungsbezirken über die Risiken von Minen und explosiven Kriegsresten aufgeklärt. Dies ist eines unserer wichtigsten Anliegen in der Region: die Sicherheit der Binnenflüchtlinge, der Rückkehrenden und der lokalen Bevölkerung zu verbessern.

Zwei Kinder, die sich Aufklärungsmaterialien mit bunten Bildern und Hinweisen anschauen

Zwei Brüder betrachten die Prospekte, die Handicap International bei den Aufklärungsveranstaltungen verteilt | © E.Fourt / Handicap International

Sarah leitet die Aktivitäten von Handicap International zur Aufklärung über die Gefahren von Minen in Kirkuk. Bevor sie heute zu ihrer täglichen Runde aufbricht, erzählt sie uns ihre Geschichte. Als sie sechs Jahre alt war, flohen sie und ihre Familie aus Bagdad. Sie erinnert sich noch sehr gut daran. Sie gingen zu Fuß und liefen hintereinander in einer Reihe, stundenlang. Jedes Mal, wenn eines der Kinder die Reihe verließ, flehte sie der Vater mit besorgtem Gesichtsausdruck an, wieder in die Mitte des Weges zurückzukehren. „Damals war ich noch zu jung, um das zu verstehen. Heute ist es meine Aufgabe geworden, anderen Menschen auch genau solche Ratschläge zu geben.“

Jeden Tag geht Sarah mit ihrem Team in Häuser und Schulen, um Vertriebene oder Menschen, die in verseuchten Gebieten leben, über die Risiken von Minen und Blindgängern aufzuklären. Nach jahrzehntelangen Kriegen ist der Irak eines der am meisten kontaminierten Länder der Welt, wenn es um konventionelle Waffen und selbstgebaute Sprengsätze geht. Jedoch glaubt Handicap International, dass den Menschen das Risiko dieser explosiven Waffen nicht bewusst ist. Deswegen ist die Arbeit von Sarah und ihrem Team so lebenswichtig: Sie sorgen dafür, dass die Sicherheitshinweise die Menschen auch wirklich erreichen und so weniger Menschen verletzt werden und sterben.

Manchmal macht den Leuten die Anwesenheit unserer Teams Angst. Sie fragen dann, wie eine Aufklärung über Minengefahren ihren Alltag verbessern könnte.

 „Ich sage den Menschen, dass unser Geschenk unsichtbar ist: es ist das Geschenk des Lebens. Schon nach einer Sitzung sind die Leute meist selbst davon überzeugt, wie lebenswichtig unsere Aufklärung ist ...”

Im ersten Haus, das Sarah und ihr Team besuchen, informieren sie eine vertriebene Familie aus dem Gouvernement Salah al Din über das Minenrisiko. Die Familie floh vor dem Islamischen Staat, als dieser ihre Stadt besetzte, und hört nun aufmerksam den Empfehlungen des Expertenteams von Handicap International zu. Der Vater macht ein paar Witze, um die Stimmung im Raum zu lockern, doch alle scheinen sich auf das Gesagte zu konzentrieren. Sie wollen verstehen, wie sie auf eine solche Gefahr reagieren sollen und ihnen ist bewusst, wie wichtig diese Sitzung für ihr Leben ist.

Jeden Tag besuchen Sarah und ihr Team mehrere Familien in Stadtvierteln, die zuvor von Handicap International identifiziert wurden. Am diesem Tag treffen sie außerdem noch einen Vater und ehemaligen Soldaten, ein Folteropfer und eine weitere Familie, die schon einen Minendetektor gekauft hat. Sie will ihn verwenden, wenn sie wieder nach Hause zurückkehrt.

Jede dieser Geschichten ist einzigartig, sie alle haben jedoch eines gemeinsam: Diese Menschen mussten ihre Heimat gegen ihren Willen verlassen und sie alle wollen wieder zurück. Sarah kann dies gut verstehen: „Ich habe dasselbe erlebt wie sie. Ich war wegen der Konflikte im Irak fast mein ganzes Leben lang ein Flüchtling in einem Nachbarland oder ein Binnenflüchtling im eigenen Land. Da ist es schwer, die Hoffnung nicht zu verlieren. Deswegen erzähle ich den Menschen während unserer Sitzungen meine Geschichte. Sie sollen wissen, dass sie nicht immer Flüchtlinge sein werden und dass sie geduldig sein müssen. Zum Alltag zurückzukehren ist möglich.”

Sarahs Engagement inspiriert die Menschen, die sie trifft. Durch die Sitzungen verhilft sie diesen Familien zu einer stabileren Zukunft, sodass sie eines Tages endlich das Glück erfahren können, sicher in ihre Heimat zurückzukehren.

11 Juli 2016
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