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Ruanda: Kinder kämpfen gegen sexuelle Gewalt

Inklusion Rechte von Menschen mit Behinderung Vorsorge und Gesundheit
Ruanda

In Runda, Kenia und Burundi ist das Risiko für Kinder mit Behinderungen besonders hoch, Opfer von sexueller Gewalt zu werden. Handicap International engagiert sich deshalb hier gegen sexuelle Gewalt und hat den Kindern eine wichtige Rolle in diesem Engagement zu gedacht.
Eine Gruppe afrikanischer Kinder tanzt mit ernsten Gesichtern. Sie haben die Arme dabei weit geöffnet.
 

Eine Gruppe von Kindern steht auf einem Platz und tanzt und singt vor Publikum. Das Publkikum klatscht.

Durch Tanz und Gesang gibt der inklusive Club Kindern eine Stimme, die Opfer sexueller Gewalt wurden. | © Wendy Huyghe / Handicap International

In Rusororo, im Westen Ruandas in der Nähe der Grenze zum Kongo üben die Kinder einer lokalen Schule einen Tanz und ein Theaterstück ein. Sie sind Mitglieder des „inklusiven Clubs zum Schutze des Kindes und des Kampfes gegen Gewalt“.  Die Gruppe umfasst 55 SchülerInnen zwischen 10 und 18 Jahren. Auf den ersten Blick ist ihr Tanz voller Freude, aber die Botschaft, die sie anderen Kindern ihrer Schule und den Erwachsenen in ihrem Umfeld vermitteln möchten, ist ernst. „Wir wollen Kindern eine Stimme geben, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind“ sagt  Immaculée, 17, eines der Mitglieder des Clubs.

Der Club wird von LehrerInnen und Mitgliedern der lokalen Organisation APESEK geleitet, die ihrerseits von Handicap International geschult werden. „Das Projekt „Ubuntu Care“, das in Burundi, Ruanda und in Kenia durchgeführt wird, baut auf der spontanen Teilnahme der Kinder auf, die sich selbst handelnd einbringen müssen“ sagt die Programmverantwortliche, Sophia Hedjam. „Sie fühlen sich wirklich als Teil des Projektes“.

Zu den Mitgliedern des Clubs von Rusoror in Ruanda zählen etwa  zehn Kinder mit Behinderung. „Das ist logisch“, sagt Sophia, „denn Kinder mit Behinderungen werden 3-4 mal häufiger Opfer sexueller Gewalt. Sie haben oft kein Sozialleben, keinen Zugang zu Informationen und kennen ihre Rechte nicht. Sie sind oft finanziell und psychologisch abhängig von demjenigen, der den Mißbrauch verübt. Dieser ist häufig ein Familienmitglied oder ein Bekannter.“

3 bis 4 mal gefährdeter : Das ist eine überwältigende Zahl, die der 17jährigen Immaculée nicht bekannt war, die sie aber auch nicht überrascht. „Viele Kinder mit Behinderung haben niemanden , der sich wirklich um sie kümmert. Sie sind allein, können sich nicht wehren und wissen nicht, dass sie das Recht dazu haben. Und man hört ihnen nicht zu, wenn sie sich beschweren.“

Nichtsdestotrotz ist es nicht einfach, Kinder mit Behinderungen am Projekt zu beteiligen. „Viele Kinder mit Behinderungen gehen immer noch nicht zur Schule“, sagt Immaculée mit besorgter Stimme. „Besonders Kinder, die in entlegenen Gebieten leben und mehrere Behinderungen haben. Sie werden abgelehnt. Es liegt an uns, ihre Eltern davon zu überzeugen, sie zur Schule zu schicken, trotz allem."

Die Angst

„Dank des Clubs ist das Tabu rund um das Thema sexuelle Gewalt gegenüber Kindern gebrochen. Vorher haben wir darüber in der Schule fast nicht gesprochen, obwohl wir Zeugen der furchtbaren Folgen sind, die das hervorbringt: Schwangerschaften, HIV Infektionen, usw. Ganz zu schweigen vom psychologischen Trauma », sagt Immaculée, die uns erzählt, dass zahlreiche Kinder unter Angstzuständen leiden. „Ich denke auch oft daran. Auf dem Weg von der Schule nach Hause oder wenn ich eine Gruppe junger Leute sehe, die offensichtlich betrunken sind oder unter Drogeneinfluss stehen, dann habe ich Angst.“

Das Projekt „Ubuntu Care“ sorgt dafür, dass über das Thema gesprochen wird  und betont die Wichtigkeit der Prävention. „Weil wir wissen, wie die Probleme zu vermeiden sind, fühlen wir uns schon ein bisschen zuversichtlicher“,  sagt Marie. "Wir wissen, dass wir versuchen müssen es zu vermeiden, dass wir allein unterwegs sind, vor allem in entlegenen Gebieten und vor allem wenn die Nacht hereinbricht. Wir wissen, dass wir Unbekannten, die uns Hilfe anbieten, gegenüber misstrauisch sein sollen und dass wir unseren Eltern davon erzählen müssen, wenn jemand uns unanständige Angebote macht."

Ein maßgeblicher Bestandteil um Übergriffe zu vermeiden, ist von entscheidender Bedeutung: Das Schweigen durchbrechen und den Täter anklagen.

Immaculée Mushimiyimana (17) und Marie Uwayo (13), zwei junge Botschafterinnen. © Wendy Huyghe / Handicap International

„Wenn wir wissen, dass ein Kind aus der Schule Opfer sexueller Gewalt geworden ist, sprechen wir mit ihm, wir suchen Hilfe bei unseren Betreuern und reichen Beschwerde ein. Früher kamen die Familien der Opfer und die des Täters überein, nicht darüber zu sprechen ; zum einen, um die guten Beziehungen aufrecht zu erhalten, zum anderen, um nicht mit den Behörden zu tun haben zu müssen.  Das ist es, was wir versuchen zu ändern.

Wenn Immaculée nächstes Jahr ihre weiterführende Schule beendet haben wird, möchte sie weiterlernen und Ärztin werden. Und sie wünscht sich vor allem, an Projekten wie diesem weiter arbeiten zu können und die Botschaft weiter zu vermitteln.

„Wir haben einen großen Schritt vorwärts gemacht, aber wenn Kinder diese Botschaft verbreiten, dann können sie sich nicht immer Gehör verschaffen. Ich glaube, dass man mir mehr zuhören wird, wenn ich erwachsen bin.“

15 April 2014
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