Gehe zum Hauptinhalt

Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Sayed, 6: “Ich kann wieder mit meinen Freunden spielen!”

Minen, Streubomben und andere Waffen Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie
Afghanistan

Sayed ist sechs Jahre alt – ein afghanischer Junge mit einem unwiderstehlichen Lachen. Als er fünf war, wurde er von einer explodierenden Mine verletzt. Nach der Amputation seines linken Beines kam Sayed sofort in unsere Obhut und erlangt nun nach und nach seine Selbstständigkeit zurück. Wir redeten mit ihm und seinem Vater Mohammed in unserem Rehabilitationszentrum in Kandahar.

Der sechjährige Sayed bei einer Therapie. Er lächelt leicht und hält die Hand seines Physiotherapeuten.

Sayed wurde mit 5 Jahren von einer explodierenden Mine verletzt. Sein linkes Bein musste ihm amputiert werden. | © Jaweed Tanveer / Handicap International

Sayed liegt auf seinem Bett und spielt mit einem Hubschrauber. Er ist in seinem Zimmer im Rehabilitationszentrum von Kandahar, wo er wohnt, während er seine Nachuntersuchungen bekommt. Obwohl man seinem Vater Mohammed deutlich die Zuneigung zu seinem Sohn anmerkt, spricht er traurig und leise. Seine Worte sind bedächtig gewählt: „Sayed hat früher viel mit anderen Kindern und seinen Geschwistern gespielt, doch der Unfall veränderte sein Leben und unser Leben sehr stark.“

Mohammed tut sich immer noch schwer, über das Geschehene zu sprechen. 2014, als sein Sohn und er aus Mugar zurückkamen, wurde ihr Minibus von einer improvisierten Mine getroffen. Minen sind einer der Hauptgründe, warum in Afghanistan Menschen getötet und verstümmelt werden. Vier Menschen starben an diesem Tag. Sayed erlitt Verletzungen an beiden Beinen. Obwohl er sofort operiert wurde, erholte er sich nicht wie geplant. Sein Zustand verschlechterte sich so extrem, dass man ihm das linke Bein amputieren musste, um sein Leben zu retten.

Mohammed ist traurig. Er und die Familie hatten große Angst um ihren Sohn nach seiner Operation. Die Leute sagten ihnen, er würde eine Bürde für die Familie werden, da er immer auf die Eltern oder die Geschwister angewiesen sein würde, um sich zu bewegen.

 

Der lange Weg zur Selbstbestimmung

Die Familie des Jungen wurde sofort an das Rehabilitationszentrum von Handicap International in Kandahar verwiesen. Das Zentrum wurde 1996 eröffnet und ist nun eine der führenden Einrichtungen für Pflege und Behandlung von Menschen mit Behinderung in Afghanistan.

“Wir begannen mit ein paar einfachen Übungen, um Sayeds Bein zu stimulieren, seine Muskeln zu stärken und seinem Vater zu zeigen, wir er seinem Sohn daheim helfen kann“, erklärt Mahmood. Sayed war damals sehr schwach, doch nachdem er einen Rahmen für Laufübungen erhielt, lernte er schnell, sich selbstständig zu bewegen.

Sayed bekam seine erste Prothese Ende 2014. Mithilfe seiner Eltern macht er daheim weiterhin seine Übungen. Seit damals ist Sayed viel gewachsen und ist nun wieder in Kandahar für eine neue Prothese. Nach dem Besuch bei Mahmood wird Sayed in die Prothesenwerkstatt gebracht. Der Prothesentechniker Khalilurahman misst seinen Stumpf, um die Prothese daran anzupassen.

 

“Er kann bald zur Schule gehen”

Als seine neue Prothese fertig ist, probiert Sayed sie unter den wachsamen Augen seines Vaters im großen Übungsraum des Zentrums aus. Der Orthopädietechniker prüft, ob er etwas nachbessern muss. Ohne ein Wort probiert Sayed sein „neues Bein“ an und läuft fast sofort damit herum, als wäre es ganz normal. Seine Prothese ist endlich fertig!

Als wir ihn fragen, wie die Prothese sein Leben verändert, antwortet Sayed schüchtern: „Ich wollte nur wieder mit meinen Freunden spielen. Und mit meinen Brüdern und Schwestern. Das mag ich am liebsten! Jetzt habe ich mein Bein und kann spielen. Ich bin so glücklich!“

Das Lächeln seines Sohnes hat Mohammed den Glauben an die Zukunft wieder gegeben. Er ist der einzige in der Familie, der arbeitet. Sie haben nicht viel Geld und ihr Dorf ist sehr abgelegen, aber er möchte seinen Kindern ein besseres Leben ermöglichen, wenn sie älter sind. Mit etwas Hilfe verbessert sich Sayeds Selbstständigkeit und sein Selbstvertrauen wächst nach und nach. Er kann schon ohne Hilfe gehen und wird bald eine Schule besuchen können. Der Vater hofft, dass sein Sohn eine gute Ausbildung bekommt und einmal Arzt wird.

14 Juni 2016
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Handicap International und Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ helfen gemeinsam den Schwächsten in Mosambik
©P.Pillon/ HI
Nothilfe

Handicap International und Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ helfen gemeinsam den Schwächsten in Mosambik

Seit dem verheerenden Wirbelsturm am 15. März befindet sich Mosambik in einer absoluten Notlage. Der aktuelle Stand laut dem UN-Nothilfebüro OCHA: 602 Todesopfer, 4.979 Cholera-Erkrankungen, über 70.000 Obdachlose und insgesamt 1,85 Millionen betroffene Personen.   

Mosambik: Vor allem Menschen mit Behinderung brauchen jetzt Hilfe
© C.Briade/HI
Nothilfe

Mosambik: Vor allem Menschen mit Behinderung brauchen jetzt Hilfe

Unsere Teams vor Ort bekommen einen immer besseren Überblick über die Situation in Mosambik. Wichtige Zufahrtswege sind zwar inzwischen geräumt, doch sind viele abgelegene Gebiete weiterhin von jeglicher Hilfe abgeschnitten. Die Logistikexperten von Handicap International koordinieren nicht nur die Beseitigung der Trümmer, sondern versuchen auch Wege frei zu legen und neue Zufahrten in die betroffenen Gebiete zu schaffen. Die Unterstützung von besonders bedürftigen Menschen hat für Handicap International höchste Priorität.

HI warnt: Entminung immer schwieriger
Till Mayer/HI
Minen, Streubomben und andere Waffen

HI warnt: Entminung immer schwieriger

München, 4. April 2019. Anlässlich des Internationalen Tags der Aufklärung über die Minengefahr äußert sich die gemeinnützige NGO Handicap International (HI) besorgt über die große Anzahl an Blindgängern durch den weit verbreiteten Einsatz von Explosivwaffen in aktuellen Konflikten. Außerdem ist der Einsatz von improvisierten Minen gestiegen. Die verminten Zonen befinden sich häufig in städtischen Gebieten, sie sind schwieriger zu räumen und stellen die humanitären Räumexpert/-innen vor neue Herausforderungen. HI führt in sieben Ländern Räumungsprojekte durch: Kolumbien, Irak, Laos, Libanon, Libyen, Senegal und Tschad. Die Organisation testet auch innovative Wege, um die Entminungsarbeit zu erleichtern wie beispielsweise den Einsatz von Drohnen, um betroffene Gebiete schneller zu erkennen und zu vermessen. Insgesamt sind 60 Staaten und andere Gebiete durch Minen und explosive Kriegsreste in der ganzen Welt verseucht.

Handicap International e.V. ist anerkannter Partner von folgenden öffentlichen Institutionen:

Logos Geldgeber