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Südsudan: „Die Flüchtlinge brauchen mehr Unterstützung"

Nothilfe Öffentlichkeitsarbeit Vorsorge und Gesundheit
Südsudan

Die Leiterin des Nothilfeeinsatzes von Handicap International im Südsudan, Céline Lefebre, berichtet, dass in einem Camp nahe der Hauptstadt Juba tausende Familien auf engstem Raum ohne Grundversorgung leben müssen.

Nach ihrem Besuch in dem Camp ist Céline geschockt von den Zuständen, die sie erlebt hat: 

„Was mich in diesem Camp, das 18.000 Menschen beherbergt, am meisten schockiert hat, war diese Enge und Zusammengepferchtheit, in der all die Frauen, Männer und Kinder leben, die vor den Kämpfen geflohen sind und nicht wissen, wo sie hin sollen“, schildert Céline Lefebvre, Leiterin des Einsatzes von Handicap International im Südsudan.

„ Man sieht Familien mit sechs oder sieben Personen, die nicht einmal über 6 m² verfügen und in den Zelten auf dem nackten Boden schlafen müssen. Die Vereinten Nationen errichten weitere Zelte, um noch mehr Familien unterbringen zu können. Nicht einmal die Tatsache, dass sie sich nun in einem Flüchtlingscamp befinden, garantiert den Vertriebenen die Sicherheit, die sie dort eigentlich vorzufinden glaubten. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Konfliktparteien sind bis ins Innere des Camps vorgedrungen. Die extreme Beengtheit und der Mangel an Ausstattung, z.B. die nur spärliche Beleuchtung, verursachen zusätzliche Sicherheitsrisiken, insbesondere für Frauen. Die Grundbedürfnisse, wie medizinische Versorgung oder der Zugang zu Wasser und Nahrung, können angesichts der beachtlichen Anzahl der Vertriebenen und der plötzlichen Eskalation des Konflikts nicht immer gedeckt werden. Es wurden schon Brunnen gegraben und Latrinen gebaut, eine andere Organisation verteilt nährstoffhaltige Kapseln… Dennoch bleibt die Herausforderung enorm. Die Krankenhäuser haben damit zu kämpfen, freie Betten für Verletzte bereitzustellen, da die Behandelten aufgrund der fehlenden Nachsorge nicht einfach in die Camps zurückgeschickt werden können.“

Im dem Land [1], das seine Unabhängigkeit erst im Juli 2011 erlangt hat, treffen die mangelhafte Grundversorgung gepaart mit einer Explosion der Gewalt die schutzbedürftigsten Menschen, wie Menschen mit Behinderung, schwangere Frauen, Verletzte oder ältere Menschen, besonders hart. Dies bereitet Handicap International große Sorgen. 

„Direkt nach unserer Ankunft haben wir versucht, unter all den Vertriebenen die dringendsten Bedürfnisse zu identifizieren“, erklärt Céline. „Mit Hilfe unseres einheimischen Personals (Handicap International ist seit 2006 in Südsudan aktiv), bereiten wir unseren Einsatz vor, damit dieser wirklich den Schutzbedürftigsten zu Gute kommt.“

Um die Schutzbedürftigsten ausfindig zu machen und ihnen den Zugang zu humanitärer Hilfe zu ermöglichen, greift Handicap International auf seine Expertise aus zahlreichen Krisensituationen zurück. Dies bedeutet, dass Menschen mit Behinderung auf ihrem Weg in eine Pflegeeinrichtung oder eine Nahrungsmittelausgabestelle begleitet werden. Gleichzeitig sollte die Organisation Rehabilitationsmaßnahmen für Verletzte anbieten, damit die Zahl von dauerhaften Behinderungen minimiert wird. 

Diese Maßnahmen sollten nahe der Stadt Juba umgesetzt werden, wo die Zahl der Vertriebenen besonders hoch ist. Notwendigkeit eines Einsatzes bestünde aber auch in Awerial und im weiter nördlich gelegen Bor, doch dort ist die Sicherheitslage aktuell zu angespannt.


[1] In Südsudan sind strukturelle Probleme wie der Mangel an einer adäquaten Grundversorgung, die Nahrungsmittelunsicherheit, die Verseuchung des Landes mit Minen und andern explosiven Kriegsresten schon länger präsent. Hinzu kommen der Handel mit und die leichte Verfügbarkeit von Kleinwaffen, die eine permanente Gefahr für die Bevölkerung darstellen. Außerdem brauchen die seit der Gründung des Landes ca. 100.000 Flüchtlinge und Binnenvertriebenen, die in ihre Heimat zurückgekehrt sind, dringend Unterstützung. Nicht zuletzt ist der Südsudan einer der am stärksten von Minen betroffenen Staaten und zählt weltweit die größte Anzahl von Opfern von Minen und anderen explosiven Kriegsresten.

10 Januar 2014
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