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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Südsudan: Interview mit Lucia Morera, Programmleiterin vor Ort

Nothilfe Öffentlichkeitsarbeit Rehabilitation und Orthopädie
Südsudan

Lucia Morera, Leiterin des Programms von Handicap International im Sudan, berichtet über die alarmierende humanitäre Situation des Landes und stellt die Schwerpunkte von 2015 vor.

Ein Kind sitzt inmitten von Dreck und Küchenutensilien

"Die Situation bleibt hoffnungslos. Momentan sind 1,5 Millionen Menschen ins Landesinnere geflüchtet und weitere 480000 haben Zuflucht im Ausland gesucht." | © Camille Lepage / Handicap International

Wie würdest du die Situation im Südsudan nach über einem Jahr der Kämpfe beurteilen?

Die Situation bleibt hoffnungslos. Der Südsudan durchläuft seit Dezember 2013 eine ernsthafte politische Krise mit zahlreichen Kämpfen, ethnischen Massakern und bedeutenden Bevölkerungsbewegungen. Momentan sind 1,5 Millionen Menschen ins Landesinnere geflüchtet und weitere 480000 haben Zuflucht im Ausland gesucht. Die von den Konfliktparteien unterzeichneten Übereinkommen werden nicht angewandt und die Situation bleibt instabil, besonders im Norden des Landes. Man muss sich das vor Augen halten: innerhalb der ersten Monate der Kämpfe wurden mehr als 9000 Kinder von den Streitkräften rekrutiert. Zahlreiche Vertriebene in den Lagern haben keinen Zugang zu Wasser, medizinischer Versorgung oder einer dauerhaften Unterkunft. Und tausende traumatisierte und/oder verletzte Menschen erhalten nicht die notwendige Unterstützung. Der Südsudan – die jüngste Nation der Welt – ist in einer alarmierenden humanitären Krise gefangen.

Was sind in dieser alarmierenden Situation die Prioritäten von Handicap International?

Seit Beginn der Krise war die oberste Priorität von Handicap International den schutzbedürftigsten, von diesem Konflikt betroffenen Menschen – Frauen, Kindern, Alten und Menschen mit Behinderung – sofortige Unterstützung zu ermöglichen (Zugang zu Rehabilitationsmaßnahmen, Verteilung von Schutzsets und Gehhilfen usw.) und ihnen die Teilnahme an Angeboten der humanitären Organisationen zu erleichtern. Handicap International hat also in den Vertriebenenlagern von Juba und der Region Awerial Anlaufstellen „Behinderung und Schutzbedürftigkeit“ eingerichtet. Momentan fährt Handicap International fort, die Menschen ausfindig zu machen, die die Hilfe am Nötigsten haben, ihre Bedürfnisse einzuschätzen, ihnen angemessene Unterstützung vorzuschlagen (vor allem zur Wiedereingliederung, auf psychosozialer oder psychomotorischer Ebene) oder sie zu anderen Hilfsorganisationen zu überweisen. Des Weiteren werden die mobilen Mannschaften – zusammengesetzt vor allem aus KrankengymnastInnen, ErgotherapeutInnen und PsychologInnen – von nun an anderen humanitären Organisationen zur Verfügung gestellt, um der Bevölkerung in den unterschiedlichsten Gegenden des Südsudans helfen zu können. Außerdem konzentriert sich Handicap International auf die Entwicklung von dauerhaften Projekten für das seelische Wohlbefinden, für die Rehabilitation und auf eine Ausweitung der Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung.

Was bietet Handicap International den Vertriebenen an, die unter Stress und Angstzuständen leiden?

Wir haben über 500 Sitzungen zur psychosozialen Unterstützung durchgeführt, um den intern Vertriebenen zu helfen ihre Traumata zu überwinden. In Gruppen sprechen sie über ihre Erlebnisse, unterstützen sich und konfrontieren sich mit ihren Ängsten. Eine grundlegende Unterstützung für ein besseres Wohlbefinden.

Handicap International hilft also wirklich den Schwächsten?

Stimmt genau! Im Umfeld dieser Konflikte haben gerade die Schwächsten und Einsamsten nicht immer Zugang zu der Hilfe, die sie benötigen. Durch die Aktivitäten zur Feststellung der Schwächsten bringt der Verband Hilfe für die Ältesten, für die Menschen mit Behinderung, die sich nicht mehr fortbewegen können, für Frauen und Kinder, die ganz besonders dem Gewaltrisiko ausgesetzt sind. Handicap International berät humanitäre Akteure ebenso wie die Gemeindevorstände, damit sie nicht vergessen, bei ihren Aktivitäten die Schutzbedürftigsten zu berücksichtigen. Zusammenarbeit ist die Voraussetzung, um in diesem Land nicht die Hoffnung zu verlieren. Wir sind alle gleich in Anspruch genommen, um die Probleme des täglichen Lebens in den Lagern zu lösen! Manche sagen zu uns „ihr kümmert euch um die Schutzbedürftigsten, ihr seid gerecht“ – das ist nicht immer einfach! Aber das macht uns die Wichtigkeit unseres Daseins und unsere Verantwortung nur noch bewusster.

12 Februar 2015
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