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Syrien: seit sechs Jahren in der Krise

Nothilfe
Syrien

Vor sechs Jahren begann der Bürgerkrieg in Syrien. Bis heute mussten über 5 Millionen Menschen aus Syrien fliehen. Seit 2011 sind mehr als 300.000 Syrerinnen und Syrer gestorben und eine Million wurden verletzt. 6,5 Millionen gelten als Binnenflüchtlinge. 13,5 Millionen Menschen in Syrien sind im Moment auf humanitäre Hilfe angewiesen. Handicap International unterstützt die Menschen in Syrien seit Ausbruch der Krise und hat sich in den letzten vier Jahren zahlreichen Hilfsaktivitäten in Syrien gewidmet.

Von einem LKW aus werden Hilfsgüter verteilt. Ein kleines Kind schaut von der Schulter seiner Mutter aus in die Kamera.

© Layla Aerts / Handicap International

Seit Beginn des Kriegs sind über fünf Millionen Menschen aus dem Land geflohen. Sie haben vor allem Zuflucht im Irak, in Jordanien, der Türkei oder dem Libanon gefunden. Insgesamt wurde über die Hälfte der syrischen Bevölkerung innerhalb des Landes oder in die Nachbarländer vertrieben. Handicap International engagiert sich bereits seit Beginn der Krise in den Nachbarländern.

Seit Januar 2013 arbeitet Handicap International gemeinsam mit verschiedenen Partnerorganisationen auch direkt in Syrien, um die vom Konflikt betroffenen Menschen zu unterstützen. Zu den wichtigsten Prioritäten gehört es, Rehabilitationsleistungen anzubieten, die auf die Bedürfnisse dieser Gruppe zugeschnitten sind. Seit Beginn unserer Aktivitäten in Syrien haben wir dieses wichtige Anliegen verfolgt und für zehntausende Syrerinnen und Syrer physiotherapeutische Behandlungen zur Verfügung gestellt, Prothesen und Orthesen orthopädisch angepasst und die Verletzten und Menschen mit körperlicher Behinderung mit Mobilitätshilfen (wie zum Beispiel Rollstühle und Gehhilfen) ausgestattet.

Außerdem bietet Handicap International auch psychologische Betreuung an. Mélanie Broquet, Leiterin und Koordinatorin der Programme von Handicap International in Syrien, erklärt:

„Die Menschen, die in Syrien geblieben sind, haben mehr als fünf Jahre Krieg erlebt. Das ist eine sehr traumatische Erfahrung. Sie sollten die Möglichkeit haben, darüber zu reden, wenn sie das Bedürfnis danach verspüren. Sie sollten mit ihrem Schmerz nicht allein gelassen werden. Ihr psychisches Wohlbefinden ist in dieser Situation genauso wichtig wie ihre körperliche Gesundheit.“

Schutz vor explosiven Kriegsresten

Zusätzlich zur Versorgung und Behandlung der sichtbaren und unsichtbaren Verletzungen der Menschen organisiert Handicap International auch die Aufklärung über die Risiken von Landminen und anderen Sprengkörpern, um die Menschen vor diesen explosiven Kriegsresten zu schützen. So wollen wir ein Bewusstsein für die Gefahren und Auswirkungen von konventionellen Waffen schaffen, die seit Beginn des Konflikts in Syrien eingesetzt werden. Je mehr die Menschen in Syrien über die Gefahren wissen, desto besser können sie sich vor ihnen schützen. Seit Beginn unserer Aktivitäten in Syrien haben wir schon mehr als 300.000 Syrerinnen und Syrer in unseren Veranstaltungen sensibilisiert.

Gefährliche Explosive Kriegsreste © Ph. Houliat / Handicap International

Im Rahmen der humanitären Hilfe verteilen Handicap International und lokale Partnerorganisationen regelmäßig Nahrungsmittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs wie zum Beispiel Decken, Matratzen und Küchenutensilien an die Menschen, die am schwersten vom Konflikt betroffen sind. Um sicherzustellen, dass diese Notfallmaßnahmen auch alle Menschen erreichen, engagiert sich Handicap International zusätzlich für eine inklusive Hilfe: Wir schulen und unterstützen andere humanitäre Akteure, sodass auch sie die Schutzbedürftigsten in ihren Hilfsaktionen besser berücksichtigen. Im Rahmen der humanitären Hilfe für die syrische Bevölkerung ist Handicap International mit ähnlichen Aktivitäten für Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon tätig. Seit 2012 haben wir schon über 900.000 Menschen in der Region unterstützt.

Doch trotz aller Bemühungen wird der Zugang für humanitäre Hilfe ständig blockiert. Nicht nur die Kampfhandlungen, sondern auch verweigerte Genehmigungen für Hilfstransporte auf lokaler und nationaler Ebene, nicht eingehaltene Feuerpausen, Uneinigkeit über Zugangsrouten und die Nicht-Einhaltung von abgestimmten Verfahren an Checkpoints durch die beteiligten Konfliktparteien machen eine ausreichende und effiziente Hilfe unmöglich. Aus diesem Grund versammelten wir uns am 09. März 2017 vor dem Bundestag und forderten gemeinsam mit über 20 anderen in Syrien aktiven Hilfsorganisationen freien Zugang für humanitäre Hilfe:

"Wir appellieren an die Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft, alles dafür zu tun, den humanitären Zugang sicherzustellen und das Völkerrecht zu wahren."

Das gemeinsame Statement der teilnehmenden Organisationen finden Sie HIER.

Mehr als 20 Hilfsorganisationen forderten vor dem Bundestag Zugang für humanitäre Hilfe.

Handicap International und die Syrienkrise:

Mehr als 900.000 Menschen haben seit Beginn der Aktivitäten im Jahr 2012 von der Hilfe der Organisation profitiert. Handicap International leistet sowohl physische Rehabilitation als auch psychologische Unterstützung für Verletzte, Menschen mit Behinderung und besonders schutzbedürftige Menschen. Außerdem verteilt Handicap International lebenswichtige Hilfsgüter, um die Bedürfnisse dieser Menschen abzudecken. Weiterhin klären wir die lokale Bevölkerung durch Sensibilisierung und Informationen über die  Gefahren von explosiven Kriegsresten auf, um Unfälle zu vermeiden.

Lesen Sie hier, wie wir uns gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen in Berlin für die Opfer der Syrienkrise eingesetzt haben - und unterzeichnen Sie unsere Petition

Lesen Sie hier unseren Bericht zur Situation in Syrien und Irak

Lesen Sie hier ein Interview mit Mélanie Broquet zum Einsatz von Explosivwaffen in bewohnten Gebieten in Syrien

 

Damit solche Szenen in Zukunft der Vergangenheit angehören:

Jetzt Petition "Keine Bomben auf Wohngebiete" unterzeichnen

28 Februar 2017
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Martina Vohankova stammt aus Tschechien und arbeitet bei Handicap International Syrien als Projektmanagerin für Gesundheit und Minenaktion. Angefangen in 2012 arbeitete sie erst für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe in Uganda, Kambodscha und im Südsudan. In den vergangenen zwei Jahren war Martina im Nahen Osten tätig, zunächst im Irak. Seit Mai 2016 wirkt sie bei Handicap International im Syrien-Krisen-Programm mit. Hier erzählt sie uns von ihrer Arbeit.