Co-Preisträger Friedensnobelpreis

Jemen: schwerwiegende Folgen nach Terroreinstufung

Minen und andere Waffen Nothilfe
Jemen

Die scheidende US-Regierung hat am 10. Januar 2021 die Organisation Ansar Allah, auch bekannt als ‚Huthi‘, im Nordjemen als terroristische Gruppe und ihre Anführer als Terroristen eingestuft. Handicap International warnt vor den schwerwiegenden Folgen dieser Maßnahme für die jemenitische Zivilbevölkerung.

Im Jemen herrscht eine der größten humanitären Katastrophen der Welt.

Im Jemen herrscht eine der größten humanitären Katastrophen der Welt. | © ISNA Agency / HI

Schwerwiegende Folgen für jemenitische Bevölkerung befürchtet

Die Terror-Einstufung bedeutet, dass der Kontakt humanitärer Helfer*innen zu Ansar Allah als kriminell gilt und mit Sanktionen und Strafverfolgung belegt wird. Da Ansar Allah als de-facto Behörden agieren, können die Teams von HI künftig nur noch mit Ausnahmegenehmigungen agieren - der Zugang zur leidenden Zivilbevölkerung wird somit stark behindert.

Forderung an US-Regierung

Handicap International fordert die US-Regierung auf, die Entscheidung zu revidieren. Um die hilfsbedürftigen Menschen zu erreichen, müssten unsere Teams vor Ort mit allen Akteur*innen, Ämtern und Behörden sprechen und verhandeln können, so Jeff Meer, Geschäftsführer von HI-USA.

„Ohne eine humanitäre Ausnahmeregelung ist die Kontinuität humanitärer Aktivitäten nicht mehr gewährleistet und viele Tausende von Leben in Gefahr“, warnt Meer weiter. So werde es künftig nur noch eingeschränkt möglich sein, Nahrung zu verteilen, das lokale Bankensystem zu nutzen, medizinisches Personal zu bezahlen oder Lebensmittel und Treibstoff zu kaufen.

Forderung an die deutsche Regierung

Handicap International fordert die deutsche Regierung auf, sich für systematische Ausnahmen von den Terrorismus-Einstufungen für humanitäre Organisationen einzusetzen. In vielen humanitären Krisengebieten auf der Welt muss zum Schutz des eigenen Personals, aber auch zur effektiven Durchführung der Programme, Kontakt zu den lokalen Akteuren möglich sein - unabhängig von deren religiösen, weltanschaulichen und politischen Überzeugungen und Handlungen.

Drohende Hungersnot

Seit nunmehr sieben Jahren herrscht im Jemen ein grausamer Bürgerkrieg. Viele Jemenit*innen, besonders ältere Menschen, Kinder und Menschen mit Behinderung, sind schon jetzt einer Hungersnot ausgesetzt – im November 2020 sprach UN-Generalsekretär António Guterres von der „unmittelbaren Gefahr der schlimmsten Hungersnot, die die Welt seit Jahrzehnten gesehen hat.“ Die Infrastruktur ist oftmals zerstört, die Wirtschaft liegt am Boden, rund 80 Prozent der Bevölkerung ist von Hilfe durch humanitäre Organisationen abhängig.

15 Januar 2021
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Jemen: Forderung von 22 NGOs an Biden
© ISNA Agency / HI
Politische Kampagnenarbeit

Jemen: Forderung von 22 NGOs an Biden

26. Januar 2021. 22 im Jemen tätige Hilfsorganisationen fordern in einem gemeinsamen Aufruf die Regierung Biden dazu auf, die Einstufung der Organisation Ansar Allah als Terrororganisation unverzüglich zu widerrufen. Das Land steht nach 6 Jahren Krieg am Rande einer Hungersnot. Jede Beeinträchtigung der lebensrettenden Hilfsmaßnahmen und der Versorgung mit Nahrungsmitteln, Treibstoff, Medikamenten und anderen lebenswichtigen Gütern wird das Leben von Millionen Menschen gefährden. Die Rücknahme der Terror-Einstufung ist der einzig wirksame Weg, um die jemenitische Zivilbevölkerung vor den katastrophalen humanitären Auswirkungen zu schützen.

Die Angst vor Corona
© HI
Nothilfe Rechte von Menschen mit Behinderung Rehabilitation und Orthopädie Vorsorge und Gesundheit

Die Angst vor Corona

Das Leben war nicht gut zu Frau Dhahabo. Von ihren acht Kindern sind nur noch sechs am Leben. Sie lebt mit zwei von ihnen im Flüchtlingslager Kalobeyei und ist von den anderen vier getrennt: zwei von ihnen sind in Nairobi  und zwei in Äthiopien. Sie lebt in einem Haus aus getrockneten Lehmwänden und Plastikplanen, mit zwei Enkeln und einer schwerhörigen Tochter.

Psychologische Hilfe für ein bisschen Hoffnung
© HI
Nothilfe Vorsorge und Gesundheit

Psychologische Hilfe für ein bisschen Hoffnung

Milagros Chacin und ihre Familie sind wegen der venezolanischen Wirtschaftskrise nach Kolumbien geflohen. Ihre Lage ist aufgrund der Corona-Pandemie nun so verzweifelt, dass Handicap International (HI) sie finanziell unterstützt. So kann Milagros wenigstens für ein paar Monate Lebensmittel kaufen und die ausstehende Miete für ihre schäbige Behausung bezahlen. Außerdem betreut HI die Familie psychologisch, um ihr ein bisschen Mut zu machen. Derzeit leben circa vier Millionen venezolanische Geflüchtete in Kolumbien. HI hat mehr als zweihundert extrem gefährdete Familien finanziell unterstützt.