Co-Preisträger Friedensnobelpreis

Vernichtung der letzten deutschen Streubomben-Bestände

Minen und andere Waffen
Deutschland

In einem feierlichen Akt wurde am 25.11. nahe Berlin die letzte deutsche Streubombe zerstört – dies ist auch ein großer Erfolg des Oslo-Verbotsvertrags und der internationalen Koalition gegen Streubomben CMC, die von Handicap International mit gegründet wurde.

Zuerst ist eine Streubombe geschlossen, dann öffnet sie sich und viele Submunitionen fallen heraus.

Funktionsweise einer Streubombe

Streubomben treffen durch ihre ungezielte Wirkung immer auch die Zivilbevölkerung. Außerdem hinterlassen sie zahlreiche Blindgänger, die noch lange nach dem Ende eines Konfliktes Tote und Verletzte fordern. Aus diesem Grund wurde 2008 in Oslo der Vertrag geschlossen, der neben der Lagerung auch Produktion, Einsatz und Export dieser Waffen verbietet und eine Unterstützung von Räumung und Opferhilfe festlegt.

Handicap International versorgt in vielen Projekten weltweit durch Streubomben betroffene Menschen und kennt die fatalen Auswirkungen dieser menschenverachtenden Waffen. Deshalb trägt die Organisation seit der Gründung der internationalen Koalition gegen Streubomben CMC entscheidend zu ihrem Engagement bei. Gemeinsam mit dem damaligen Aktionsbündnis Landmine haben wir uns auch in Deutschland in vielen politischen Gesprächen und mit einer intensiven Kampagne dafür eingesetzt, dass unsere Regierung dem Oslo-Abkommen beitritt. Dass die massiven Streubombenbestände Deutschlands nun endgültig der Vergangenheit angehören werden, sehen wir als einen großartigen Erfolg an.

Der Oslo-Verbotsvertrag wurde bis heute von 117 Ländern unterzeichnet und von 98 ratifiziert. Seit der Erstunterzeichnung des Abkommens 2008 haben 27 Staaten mehr als 1,3 Millionen Streubomben und mehr als 160 Millionen Stück Submunition aus ihren Lagerbeständen vernichtet. Allerdings wurden diese Waffen in den letzten Jahren auch wieder vermehrt eingesetzt: in Libyen, Syrien, Sudan, Ukraine und Jemen – keines dieser Länder und keiner der einsetzenden Staaten hat das Verbotsabkommen unterzeichnet. Die meisten Opfer gab es in Syrien: 1.968 Menschen wurden dort zwischen 2012 und 2014 durch Streubomben schwer verletzt oder getötet.

Alle Staaten müssen dem Verbotsvertrag beitreten, das zeigen die erneuten Einsätze von Streubomben deutlich. Wir werden unser Engagement mit der internationalen Kampagne fortsetzen, bis Streubomben endgültig und weltweit geächtet und vernichtet sind.

25 November 2015
Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Aufklärung über Blindgänger dringend notwendig
© Till Mayer / HI
Minen und andere Waffen

Aufklärung über Blindgänger dringend notwendig

Russische Raketenangriffe und Artilleriebeschuss in der Ukraine töten und verletzen Zivilist*innen, zerstören Häuser, Krankenhäuser, Schulen, Brücken sowie andere lebenswichtige Infrastruktur. Sie hinterlassen weite Gebiete, die mit Blindgängern verseucht sind. Diese explosiven Kriegsreste können über Jahre hinweg gefährlich bleiben und verzögern den Wiederaufbau. 

Syrien: Jeder zweite Mensch durch Blindgänger gefährdet
© A. Rodgers
Minen und andere Waffen

Syrien: Jeder zweite Mensch durch Blindgänger gefährdet

Nach elf Jahren Krieg und intensivem Einsatz von Explosivwaffen sind in Syrien bis zu 300.000 Sprengkörper nicht detoniert. Jeder zweite Mensch in dem Land ist durch Blindgänger gefährdet. Das sind über 10 Millionen Menschen. So lauten die Ergebnisse einer Studie, die Handicap International in Zusammenarbeit mit „Syria Mine Action Area of Responsibility“ erstellt hat.

Aufruf gegen Einsatz von Streumunition in der Ukraine
© Till Mayer / HI
Minen und andere Waffen

Aufruf gegen Einsatz von Streumunition in der Ukraine

Die Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen und Streumunition (ICBL-CMC) verurteilt entschieden den ersten mutmaßlichen Einsatz verbotener Streumunition durch die ukrainischen Streitkräfte, von dem die New York Times am 18.04. berichtete. Sie fordert alle Kriegsparteien auf, den Einsatz von Streumunition in der Ukraine zu beenden und das weltweite Verbot dieser Waffe zu respektieren.