Gehe zum Hauptinhalt

Wirbelsturmsaison: erneute Gefahr für Haiti

Nothilfe
Haiti

Am 4. Oktober 2017 ist es genau ein Jahr her, seit Hurrikan Matthew das südliche Haiti verwüstete. Mit einer Geschwindigkeit von 220 km/h verursachte der Wirbelsturm schwere Überschwemmungen und hinterließ 603 Tote. In vielen Gegenden verloren Menschen ihr Zuhause, ihr Vieh und ihre Lebensexistenz. Auch die Infrastruktur wurde schwer beschädigt. Handicap International (HI) hilft der Bevölkerung Haitis, die nahende Sturmsaison 2017 besser zu bewältigen.

Männer verladen Säcke und Eimer mit Hilfsgütern in die Boote, die sie in schwer erreichbare Gegenden von Haiti bringen

Die logistische Plattform von HI koordiniert den Transport von dringenden Hilfsgütern auf dem Seeweg, hier nach dem Hurrikan im Oktober 2016. | Handicap International

Schnelle Nothilfe

Handicap International (HI) spielte eine wichtige Rolle in der Nothilfe nach Hurrikan Matthew: Unsere Teams koordinierten Straßen- und Seetransporte für die Belieferung mit Hilfsgütern und beim Aufräumen der Trümmer. Sie verteilten Nothilfesets an tausende Betroffene und leisteten in den folgenden Monaten psychologische Unterstützung und physische Rehabilitation für die Opfer des Sturmes.

 

Wehrlos ausgeliefert

Trotz der internationalen Hilfe nach Hurrikan Matthew vor einem Jahr sind die Einwohner der Insel Haiti weiterhin extrem schutzbedürftig und gefährdet, wenn es um Naturkatastrophen geht. Etwa 2,7 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe. Die meisten von ihnen befinden sind in finanziellen Notlagen, leben in instabilen Unterkünften und in abgelegenen Gegenden.

Im September 2017 verfolgten Millionen Menschen weltweit die Route der Hurrikans Irma und Maria, die in der Karibik und in Florida ein unsägliches Ausmaß an Verwüstung anrichteten. Glücklicherweise wurde Haiti nicht von der ganzen Gewalt dieser Stürme erfasst: Die Zerstörungen auf der Insel blieben deutlich geringer als befürchtet. Nichtsdestotrotz geht das Risiko, dass andere Zyklone auf Haiti treffen könnten bis zum Ende der Wirbelsturmsaison Ende November weiter. Unsere Teams vor Ort befürchten, dass die schutzbedürftigsten Menschen, die derzeit von HI unterstützt werden, keineswegs einer erneuten Katastrophe standhalten könnten.

 

Katastrophenschutz und Widerstandsfähigkeit

„Eine unserer Aufgaben ist es, dass wir gemeinsam mit Gemeinden Strategien für die Katastrophenvorsorge ausarbeiten, damit die Menschen im Notfall geschützt sind“, erklärt Catherine Stubbe, Leiterin von Handicap International in Haiti. „Zu diesem Zweck unterstützen wir die Gemeinde dabei, Notfallpläne für jede Gegend zu erstellen, Frühwarnsysteme zu etablieren und Nothilfemaßnahmen für Familien zu planen.“ Im Zuge dieser Strategien stellen wir auch sicher, dass Menschen mit Behinderung, Menschen mit Hör- und Sehbeeinträchtigung und andere Schutzbedürftige im Falle von Katastrophen nicht vergessen werden. 

Seit 2013 hat HI in Partnerschaft mit den nationalen Behörden ein regionales Programm für Katastrophenvorsorge koordiniert. Catherine erklärt: „Haiti hat in den letzten zehn Jahren mehrere massive Naturkatastrophen erlitten. Und jede macht es schwieriger, sich auf die nächste vorzubereiten! Deswegen braucht es einen langfristigen Ansatz, um mehr Widerstandsfähigkeit aufzubauen.“ Im August 2017 hat HI neue Aktivitäten im Nordwesten des Landes begonnen, mit denen wir die finanzielle Widerstandsfähigkeit der Menschen stärken wollen, die von Fischerei, Vieh- und Landwirtschaft leben. „HI ist auf die Nothilfe vorbereitet, falls eine neue Katastrophe eintreten sollte. Doch wir legen unseren Schwerpunkt auch auf Initiativen, die dabei helfen, den Teufelskreis zu durchbrechen und die langfristigen Schutz für die gefährdetsten Menschen bieten.“

 

In Zahlen: Der Nothilfeeinsatz von HI nach Hurrikan Matthew

Rehabilitation und psychosoziale Unterstützung: Über 240 Menschen haben Physiotherapie erhalten.
750 Menschen haben an Veranstaltungen zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts teilgenommen und über 180 Menschen haben psychologische Nothilfe erhalten.

Verteilung von Nothilfesets und Haushaltsartikeln: Wir haben rund 1.000 Nothilfesets (mit Handwerkszeug) und Haushaltsartikel (Solarlampen, Kanister, Moskitonetze etc.) im Departement Nippes an mehr als 4.700 Menschen verteilt.

Logistische Plattform: 1 Logistik-Plattform wurde von Atlas Logistique/Handicap International in den Städten Les Cayes und Jérémie betrieben. Mit einer Flotte von 40 LKWs und 10 Schiffen organisierten wir 108 Transporte auf dem Landweg und 14 Transporte auf dem Seeweg. So brachten wir über 270 Tonnen an Hilfsgütern anderer Partnerorganisationen (Medair, UNASCAD, Solidarité International, DIAKONIE, UNDP) zur Bevölkerung, die in abgelegenen Gegenden lebt.

Aufräumarbeiten: Handicap International organisierte 300 Touren von Kipplastwagen für die Aufräumarbeiten von insgesamt 2.871 Tonnen an Trümmern (das entspricht 1.689 Kubikmeter) über eine Strecke von 1495 km in den Kommunen von Jérémie, Anse d’Hainault, Baumont und Morron.

2 Oktober 2017
Weltweites Engagement:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Humanitäre Hilfe muss in Konfliktregionen ankommen
© HI
Minen und andere Waffen Nothilfe

Humanitäre Hilfe muss in Konfliktregionen ankommen

Nach dreimonatiger Verzögerung hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 1. Juli endlich die Resolution 2532 (2020) angenommen, in der die sofortige Einstellung von Feindseligkeiten und eine humanitäre Feuerpause von mindestens 90 Tagen gefordert wird. Dadurch soll ermöglicht werden, dass humanitäre Hilfe zur Bekämpfung des Coronavirus auch Menschen in Konfliktregionen erreichen kann.

Syrien: Rückkehr schier unmöglich
© Bahia Z./ HI
Minen und andere Waffen Nothilfe Rechte

Syrien: Rückkehr schier unmöglich

Armut, zusammengebrochenes Gesundheitswesen, Coronavirus und die Verseuchung durch explosive Kriegsreste – die syrische Bevölkerung, die vor dem Krieg geflohen ist, steht vor immer größer werdenden Herausforderungen. Solange die lebenswichtige Versorgung nicht wiederhergestellt ist und Minen geräumt sind, können sie nicht nach Hause zurückkehren und ein menschenwürdiges Leben führen.

Geflüchtete mit Behinderung haben es besonders schwer
© Dieter Telemans / HI
Inklusion Nothilfe Rechte von Menschen mit Behinderung

Geflüchtete mit Behinderung haben es besonders schwer

Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni fordert die humanitäre Hilfsorganisation Handicap International (HI), dass Geflüchtete mit Behinderung eine echte Chance haben müssen, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Von 79,5 Millionen Flüchtlingen weltweit haben etwa 15 % eine Behinderung. Sie kämpfen oftmals mit Isolation, Diskriminierung und Ausgrenzung. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen verschärfen die Lebensbedingungen, wie der HI-Bericht „Das Coronavirus im humanitären Kontext: Leave no one behind!” dokumentiert. Menschen mit Behinderung brauchen mehr Unterstützung, so wie beispielsweise Lina, die seit drei Jahren im Flüchtlingslager in Juba (Südsudan) lebt. Mit ihrem Rollstuhl kommt sie kaum durch die engen Gassen. HI verhandelt derzeit mit den Behörden, damit Lina mit ihrer Familie umziehen darf, wo sie sich leichter und sicherer bewegen kann.