Indien
In Indien setzt sich Handicap International (HI) dafür ein, dass Menschen Zugang zu spezialisierten Rehabilitations- und psychologischen Maßnahmen haben. Außerdem fördert HI die soziale und wirtschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.
Eine Mutter sitzt mit einem Schulheft neben ihren Söhnen in ihrem Haus. | © L. Veuve / HI
Laufende Aktivitäten
In Indien setzt sich Handicap International dafür ein, die Inklusion, die Bürgerbeteiligung und den Zugang zu spezialisierten Dienstleistungen für die am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu stärken. Im Bundesstaat Odisha führt HI ein Projekt durch, das darauf abzielt, die Kapazitäten zivilgesellschaftlicher Organisationen zu stärken, um eine inklusive lokale Regierungsführung zu fördern, die geschlechts- und behindertengerechte Aspekte berücksichtigt. Handicap International unterstützt lokale Organisationen, entwickelt barrierefreie Schulungswege und stärkt deren Kompetenzen in den Bereichen inklusive Regierungsführung, Interessenvertretung und Beteiligung an lokalen Planungsprozessen.
Gleichzeitig setzt sich HI für die Förderung von Rechten, Inklusion und dem Zugang zu Existenzgrundlagen ein und berücksichtigt dabei die Herausforderungen des Klimawandels und der finanziellen Inklusion. Handicap International unterstützt Akteure in den Gemeinden dabei, Menschen den Zugang zu bestehenden öffentlichen Dienstleistungen zu erleichtern, insbesondere durch den Einsatz digitaler Werkzeuge, und fördert kollektive Initiativen, die die Beteiligung marginalisierter Gruppen an Entscheidungen, die sie betreffen, stärken.
Im Bundesstaat Mizoram im Nordosten Indiens setzt sich Handicap International dafür ein, den Zugang zu spezialisierten Dienstleistungen im Bereich der funktionellen Rehabilitation und der psychischen Gesundheit für von Krisen betroffene Bevölkerungsgruppen, insbesondere für Vertriebene und Aufnahmegemeinschaften, zu verbessern. In mehreren Distrikten entsendet HI mobile Teams, die Rehabilitationsleistungen, Mobilitätshilfen wie Prothesen und Orthesen sowie häusliche Unterstützung für Menschen mit schweren Mobilitätseinschränkungen bereitstellen. Zudem werden Dienstleistungen im Bereich der psychischen Gesundheit und der psychosozialen Betreuung angeboten.
Handicap International arbeitet mit lokalen Organisationen und ehrenamtlichen Helfern aus den Gemeinden zusammen, um die Vorgehensweisen zur Identifizierung, Weitervermittlung und Unterstützung schutzbedürftiger Menschen zu stärken. Schließlich unterstützt Handicap International den Kapazitätsaufbau für humanitäre Akteure und Organisationen von Menschen mit Behinderungen, um eine inklusive humanitäre Hilfe zu fördern und einen gerechten Zugang sowie eine sinnvolle Teilhabe für alle, einschließlich Menschen mit Behinderungen, in Notsituationen sicherzustellen.
- Anzahl der HI-Mitarbeitenden: 15
- Direkte Begünstigte, die 2025 von HI unterstützt werden: 5.699 Menschen
- Indirekte Begünstigte der Aktivitäten von HI im Jahr 2025: 17.985 Menschen
- Start des Programms: 1988
Hintergrund
Trotz seines starken Wirtschaftswachstums kämpft Indien weiterhin mit erheblichen sozialen und ökologischen Herausforderungen. In den Jahren 2024–2025 lebten noch immer rund 230 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze, während fast 16 % der Bevölkerung von mäßiger bis schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen waren. Kinder, Frauen, ländliche Gemeinden und Menschen mit Behinderungen sind nach wie vor am stärksten betroffen, was vor allem auf den ungleichen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, Wasserversorgung und Bildung zurückzuführen ist.
Unterernährung ist nach wie vor ein großes Problem der öffentlichen Gesundheit, wobei bei Kindern unter fünf Jahren hohe Raten an Wachstumsverzögerungen zu verzeichnen sind. Die Gesundheitssysteme verbessern sich zwar, sind jedoch regional nach wie vor ungleichmäßig zugänglich, insbesondere in den am stärksten benachteiligten Bundesstaaten.
In ökologischer Hinsicht gehört Indien zu den Ländern, die den Auswirkungen des Klimawandels am stärksten ausgesetzt sind. In den letzten Jahren haben extreme Hitzewellen, Überschwemmungen im Zusammenhang mit besonders intensiven Monsunregenfällen und Erdrutsche, insbesondere im Bundesstaat Kerala, Millionen von Menschen betroffen. Diese Katastrophen haben zu Binnenvertreibungen geführt und die prekäre Lage ohnehin schon schutzbedürftiger Bevölkerungsgruppen, insbesondere in ländlichen Gebieten, weiter verschärft.
Auch die rasante Urbanisierung stellt eine große Herausforderung dar. Millionen von Menschen leben in improvisierten Siedlungen mit eingeschränktem Zugang zu Wasser, sanitären Einrichtungen und Gesundheitsversorgung. Arbeitnehmer*innen im informellen Sektor, die einen erheblichen Anteil der Erwerbsbevölkerung ausmachen, sind besonders anfällig für Wirtschaftskrisen.
Regionale und soziale Ungleichheiten sind nach wie vor sehr ausgeprägt. In ländlichen Bundesstaaten wie Bihar, Uttar Pradesh und Madhya Pradesh lebt ein großer Teil der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Gleichzeitig erleben die Großstädte eine rasante, oft ungeplante Urbanisierung, was zur Entstehung von Slums und zu einem erhöhten Druck auf die Infrastruktur führt. Auch die Jugendarbeitslosigkeit und die prekären Arbeitsverhältnisse im informellen Sektor stellen große Herausforderungen dar.
Angesichts dieser Herausforderungen besteht weiterhin erheblicher humanitärer Bedarf, insbesondere in den Bereichen Ernährung, Klimaresilienz, Zugang zur Gesundheitsversorgung und Schutz marginalisierter Bevölkerungsgruppen.
Einsatzbereiche
Neues aus den Projekten
„Wachsen meine Beine nach?“
Fayaz ist sechs Jahre alt und lebt in Kashmir, Indien. Als Dreijähriger verlor er seine beiden Beine bei einer Explosion. Handicap International passte ihm Prothesen an. Jetzt steht er wieder auf seinen eigenen Beinen und besucht regelmäßig das Reha-Zentrum. Im April 2017 nahm ein Physiotherapeut die Maße seiner stets noch wachsenden Beine, um neue Prothesen für ihn zu bauen.
Cricket für alle!
Die Baramulla Tigers gegen die Kupwara Tigers: Anfang Juni 2016 organisierte Handicap International am Handwara Degree College im indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir das allererste Kricketspiel, an dem Spielende mit und ohne Behinderung teilnahmen. Ein großer Erfolg und eine Chance, die gesellschaftliche Inklusion junger Menschen mit Behinderung zu fördern.
Aufklärung, Prävention und Rehabilitation: unsere Projekte für ein aufrechtes Leben
In Jammu und Kaschmir in Nordindien sensibilisiert Handicap International die Bevölkerung für die Bedrohung durch explosive Kriegsreste, die die Böden in den Dörfern nahe der Grenze zu Pakistan verseuchen. Weiterhin bieten wir Rehabilitation für besonders schutzbedürftige Menschen an und versorgen so auch die Opfer der explosiven Kriegsreste.
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