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Co-Preisträger Friedensnobelpreis 1997

 

Berufliche Inklusion in Senegal: „Meine Kollegen respektieren mich“

Inklusion Rechte von Menschen mit Behinderung
Senegal

In Senegal fördert Handicap International die Inklusion von Erwachsenen mit Behinderung ins Berufsleben. Einer von ihnen ist der 33 jährige Boubacar, der heute als Rechtsberater für das Ministerium für Afrikanische Integration, für NEPAD[1]  und für Good Governance Africa arbeitet.

Boubacar sitzt an seinem Schreibtisch und schaut in die Kamera. An seinem Tisch lehnt eine Gehstütze.

© E. Fitte-Duval / Handicap International

Angestrengt schleppt sich Boubacar die zahlreichen Stufen des Treppenhauses hinauf. Seine Gehbehinderung macht es ihm täglich schwer seine Wohnung im vierten Stockwerk zu erreichen. Boubacar hatte als Junge Kinderlähmung, weshalb er zum Laufen Gehstützen benötigt. Er kommt aus Casamance im Süden Senegals. Nach dem Abitur verließ er seine Mutter und seine sechs Geschwister, um in Dakar voller Tatendrang Jura zu studieren. Er machte einen Abschluss in Öffentlichem Recht und erwarb sogar zusätzlich noch einen Magister in Migrationsrecht. Auch sozial engagierte sich Boubacar: Er wurde Vorsitzender der Organisation der Studierenden mit Behinderung an der Universität Dakar.

Nach dem Studium stellte Boubacar jedoch ernüchtert fest, dass ihm trotz all seiner Erfolge und hoher Qualifizierung etwas im Weg stand: Seine Behinderung machte es ihm von nun an jahrelang schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. „Ich habe führende internationale Organisationen angeschrieben“, erinnert er sich.

„Man hat mir ein Praktikum angeboten. Aber nachdem man mich zum Bewerbungsgespräch eingeladen hatte und sah, dass ich eine Behinderung hatte, hörte ich nichts mehr.“

Dieses Schicksaal teilt Boubacar mit vielen anderen Menschen mit Behinderung in Senegal.

Seitdem Boubacar als Junge Kinderlähmung hatte, ist er auf Gehstützen angewiesen. Trotz seiner hohen Qualifikation fand er zunächst keinen Arbeitsplatz © E. Fitte-Duval / Handicap International

Menschen mit Behinderung haben es in Senegal schwer, einen Arbeitsplatz zu finden

Im Jahr 2010 ratifizierte Senegal das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Für Menschen mit Behinderung ist es jedoch nach wie vor sehr schwer, Anstellungen zu finden. Zwar gibt es seitdem eine positive Entwicklung, doch die nach und nach verabschiedeten Gesetze werden nur langsam in konkrete politische Maßnahmen umgesetzt. Die Arbeitsplätze sind meist schlecht angepasst. Viele haben keine Aufzüge und die Sicherheitsstandards sind teilweise schlecht. Das größte Hindernis am Arbeitsplatz sind für Menschen mit Behinderung jedoch die Vorurteile in den Köpfen der anderen:

Viele Arbeitgeber sind davon überzeugt, dass Menschen mit Behinderung keine Kompetenzen besitzen und dem Unternehmen nichts bringen können. Eine Behinderung schreckt viele Menschen ab, weshalb die meisten Unternehmen Menschen mit Behinderung lieber auf Abstand halten.

Handicap International unterstützt Boubacar

Um gegen diese Art der Diskriminierung vorzugehen, haben wir in der Region Dakar ein Projekt zur Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt ins Leben gerufen. Innerhalb dieses Projektes unterstützten wir Boubacar über ein Jahr lang durch Fachleute für soziale Arbeit und für Berufsberatung. Diese schätzten zunächst seine Fähigkeiten ein und halfen ihm, für seine zukünftige Karriere einen Aktionsplan zu erstellen. Daraufhin unterstützten sie ihn bei Bewerbungen und vermittelten ihm Trainings. So besuchte Boubacar beispielsweise unseren Kurs zu „Sozialkompetenzen am Arbeitsplatz“.

Vor einem Jahr halfen wir ihm schließlich, sich beim Ministerium für Öffentliche Dienstleistungen um eine Stelle zu bewerben - für eine Position, die seinen Qualifikationen entsprach. Boubacars Bemühungen wurden endlich mit Erfolg belohnt. Voller Stolz berichtete er, dass ihm ein  Job beim Ministerium für Afrikanische Integration, bei NEPAD[1] und Good Governance Africa angeboten wurde.

Seine neue Stelle findet Boubacar extrem spannend und herausfordernd, da sie seinen Fähigkeiten im Rechtswesen und seinen beruflichen Zielen gerecht wird. Boubacar vertritt seinen Bereich bei Themen zur wirtschaftlichen und sozialen Inklusion, zur Migration und zum Umweltschutz. Darüber hinaus übernimmt er administrative Aufgaben, wie beispielsweise das Schreiben von Berichten und Reden.

Mit unserer Unterstützung erhielt Boubacar endlich eine Anstellung, die seinen Qualifikationen entspricht © E. Fitte-Duval / Handicap International

Der Zukunft sieht Boubacar zuversichtlich entgegen

Unsere Betreuung endet jedoch nicht mit der erfolgreichen Jobvermittlung. Wir besuchen die von uns unterstützten Personen am neuen Arbeitsplatz, um zu überprüfen, dass notwendige Anpassungen vorgenommen wurden und sie nicht diskriminiert werden. Als wir Boubacar dieses Mal besuchen, hilft er gerade beim Schreiben des, vom Präsidenten der Republik veröffentlichten, „Brief an die Nation“. Eine Aufgabe, auf die er sehr stolz ist.

Damit Boubacar bequem arbeiten kann, befindet sich sein Büro in einem der wenigen Stockwerke, die an einen Aufzug angeschlossen sind. Ein Jahr, nachdem Boubacar seine Arbeitsstelle angetreten hat, ist er sehr zufrieden damit, wie er am Arbeitsplatz eingebunden wird: „Meine Behinderung beeinträchtigt mich bei der Arbeit hier überhaupt nicht. Sie spielt keine Rolle“, sagt er strahlend.

“Meine Kollegen respektieren mich und ich habe eine wirklich gute Beziehung zu ihnen.“

Da es heute spät geworden ist – keine Seltenheit, wenn er eine Rede in Auftrag bekommen hat – fährt Boubacar statt mit dem Bus mit einem Taxi nach Hause. Vor seiner Wohnungstür im vierten Stock angekommen, verschnauft Boubacar kurz, dann grinst er wieder. Der Zukunft sieht Boubacar zuversichtlich entgegen. Auf seiner neu gewonnen Erfahrung aufbauend, möchte er sich künftig bei einer internationalen Organisation bewerben, die im Bereich Migration tätig ist – ein Themenfeld, das Boubacar brennend interessiert. Und eine Wohnung im Erdgeschoss wird er hoffentlich auch noch finden.

 

Das Berufsinklusionsprojekt in der Region Dakar

Unser 2014 gegründetes Projekt in der Region Dakar ist darauf ausgelegt, mehr als 500 Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Um die physischen und sozialen Hindernisse für die Einstellung von Menschen mit Behinderungen zu überwinden, nehmen wir Anpassungen am Arbeitsplatz vor und sensibilisieren potentielle Arbeitgeber sowie künftige Kolleginnen und Kollegen. Um dies zu erreichen, setzen wir auf ein lokales Netzwerk von mehr als 90 ArbeitgeberInnen und einem Dutzend Organisationen, die im Bereich der Einstellung- und Ausbildung von Mitarbeitenden tätig sind. Außerdem unterstützen wir Menschen mit Behinderung mittels personalisierter Betreuung. Dabei werden die individuellen Stärken ermittelt um entsprechend der jeweiligen Bedürfnisse und Ziele einen Aktionsplan zu erstellen. Unsere SozialarbeiterInnen und ArbeitsberaterInnen vermitteln daraufhin Trainings und helfen bei Bewerbungen.


[1] New Partnership for Africa's Development

27 Februar 2017
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